Wir sind Helden

Da wie dort konnten einige unter Österreichs Entscheidungsträgern die Außen­ansicht des Landes zuletzt nicht wirklich aufpolieren – ganz im Gegensatz zu durchaus zahlreichen Athletinnen und Athleten. Knapp vor Ende eines ereignisreichen Sportjahres 2017 erzählen wir 14 jener Erfolgsgeschichten, die Rot-Weiß-Rot auch international zur Modefarbe machten.

//Text: Fritz Hutter//Foto: GEPA

Marcel Hirscher

Eingebrannt hat sich die WM 2017 beim 28-Jährigen durch einige Specials: „Der Magen-Darm-Virus, der mir anfangs so zugesetzt hat. Die Landschaft, die St. Moritz zu einem der schönsten Flecken macht. Der Nebel der ‚Maloja-Schlange‘, der uns bei den Abfahrtstrainings verrückt gemacht hat. Und natürlich der Düsenjet, der durch das Kamerakabel gerast ist – unglaublich, dass das passieren konnte!“

Aber war da nicht noch was? Richtig, Silber in der Kombi, Gold im Riesenslalom und Gold im Slalom. Medaillen, die Marcel Hirscher als erfolgreichsten Teilnehmer der insgesamt 44. Skiweltmeisterschaften der Alpinen dekorierten. Und zum ersten Österreicher seit Rudi Nierlich, der sich im Februar 1989, nur wenige Tage vor Hirschers Geburt, als bis heuer letzter ÖSV-Athlet im selben Jahr zum Weltmeister in Riesenslalom und Slalom küren konnte. Mit neun Monaten Abstand analysiert Hirscher den ersten Titel, jenen im Riesenslalom, so: „Der erste Lauf war einfach richtig gut, dafür der zweite von Anfang an richtig zäh.

Ich hab am Start mitbekommen, dass kaum einer mehr wirklich gute Zeiten ins Ziel bringen konnte. Letzlich auch ich nicht. Ein Rutscher mehr und Gold wäre weg gewesen.“ Gern erinnert sich der ja aktuell verletzte Salzburger an das coole Feeling vorm abschließenden Slalom: „Das war wirklich mega. Ich hatte ja schon Kombi-Silber und die erste Goldene und war dadurch locker und voller Selbstvertrauen. Dazu ist uns noch eine Verbesserung am Schuh gelungen.“ Es war also angerichtet. Inklusive Taktik: wie immer auf Angriff fahren, aber nicht noch einmal jenen Hackler aus dem Kombi-Slalom machen, der eine dritte Goldene und die erfolgreiche Titelverteidigung vereitelt hatte. Alles lief nach Plan. Hirscher holte mit 0,68 Sekunden Vorsprung auf Landsmann Manuel ­Feller Gold und sicherte Österreich damit doch noch Rang 1 in der Natio­nenwertung vor Gastgeber Schweiz.

Aber damit bekanntlich nicht genug. Ein tatsächlich weltexklusives Glanzlicht setzte Marcel Hirscher nämlich exakt 13 Tage nach dem WM-Slalom und fünf Rennen vor Saisonende. Mit dem Sieg im Riesenslalom-Klassiker von Kranjska Gora fixierte er als erster Mann auf Rennskiern den sechsten Triumph im Gesamtweltcup. „Es ist wirklich ein erlösender Moment, wenn man endlich den Sack zumachen kann“, so Hirscher, der im Weltcupwinter 2016/17 sechs Rennsiege und zehn weitere Stockerlplätze einfahren konnte. Nach dem Weltcupfinale konnte sich der Annaberger aber nicht nur die neuerliche große Kristallkugel ins Regal stellen, sondern dazu die vierte kleine für den Sieg in der Riesenslalom-Wertung und auch jene für den ebenfalls vierten vollen Erfolg im Slalom. Für Skifans also jede Menge Gründe zu jubeln, aber was regt sich beim Blick in den Rückspiegel bei Marcel Hirscher selbst? „Ich bin einfach glücklich mit dem Erreichten und empfinde echte­ Zufriedenheit und tiefe Freude.“

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