Wenn Rekorde purzeln: 10 Legenden für die Ewigkeit

Es ist unheimlich, in einigen Fällen sogar unerreicht, was die zehn Heldinnen und Helden unserer Story in ihrer Disziplin bislang schaffen konnten. Richtig schwindlig wird dem Sportfan aber angesichts jener Möglichkeiten, die sich diesen Superstars trotzdem noch immer bieten.

//Story: Fritz Hutter
//Titelbild: (c) Imago

Dass Denkmälern häufig von Tauben übel mitgespielt wird, weiß man ja schon vom einst so erfolgreich kickenden Kalauer-King Anton Polster, der den Vogerln als klassischer Strafraumstürmer ja tatsächlich kein schlechtes Ziel bot. Die Gefahr, dass die Damen und Herren in dieser Story während der Ausübung ihres Jobs beschwatzt werden könnten, ist dagegen überschaubar. Zu rasant sind sie auf den Courts, Pisten, Bahnen und Längen unterwegs, um sportliche Weltgeschichte zu schreiben.

Dabei gelten sie allesamt schon längst, noch während ihrer aktiven Laufbahn, als Legende und brechen Woche für Woche Rekorde, die von vielen Experten lange für unantastbar gehalten wurden. Aber klar, die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Methoden und vor allem die Tiefe des Wissens über die möglichst sinnvolle Zusammenführung modernster Erkenntnisse aus Sportwissenschaft, Biomechanik, Sportgerätetechnik und dem Potenzial aus Körper und Geist. Aber Know-how und Arbeit investieren viele. Ganz vorne steht dann aber häufig trotzdem immer wieder diese ganz spezielle Gang aus Virtuosen, deren große Gabe es ist, ihr Talent praktisch losgelöst von sämtlichen äußeren Umständen am Tag X auf den Boden bzw. in die Luft oder ins Wasser bringen zu können. Und meist ist es just die Größe der Herausforderung, die sie zum ganz Besonderen anstachelt. Und noch etwas haben alle zehn Phänomene auf diesen und den folgenden Seiten gemeinsam: Geld spielt als Treibstoff keine tragende Rolle mehr, sondern maximal eine als zählbare Anerkennung für Leistungen jenseits des Fassbaren. Fein für Österreich ist, dass mit Marcel Hirscher auch ein Landsmann ins Line-up der außergewöhnlichen Ladies und Gentlemen zu stellen ist. Die Großtat, als erster Skiläufer fünf Gesamtweltcups am Stück zu bunkern, holt den Annaberger und seine Sportart ganz rein in den exklusivsten Zirkel des Weltsports.

Novak Djokovic (28): Der Königsjäger  KEY BISCAYNE,FLORIDA,USA,03.APR.16 - TENNIS - ATP World Tour, Miami Open, final, award ceremony. Image shows Novak Djokovic (SRB). Keywords: trophy. Photo: GEPA pictures/ USA Today/ Geoff Burke - ATTENTION - COPYRIGHT FOR AUSTRIAN CLIENTS ONLY - FOR EDITORIAL USE ONLY

Der sechste Australian-Open-Triumph in Serie (Rekord) ist nur eine der Bestmarken des Serben, mit denen er selbst „King“ Roger Federer näher tritt bzw. sogar enteilt. So siegte er 2015 nicht nur als Erster bei sechs ATP-1000-Events in einer Saison (gesamt 12 Titel) und schaffte nun zum vierten Mal das Double bei den aufeinanderfolgenden US-Frühlingsklassikern Indian Wells/Miami (so oft wie sonst keiner), sondern fixierte als dreifacher Major-Finalist dazu eine Jahrespreisgeldbestmarke: 21.646.145 US-Dollar! Maßgeblich beteiligt an der Cash-Lawine: der vierte Triumph bei den ATP World Tour Finals am Stück – Rekord! Und ex aequo mit Björn Borg führt der 11-fache Grand-Slam-Champ mit 82,7 Prozent gewonnenen Karriere-Matches nun auch das ewige Sieg-Niederlagen-Ranking der ATP an.

Stephen Curry (28): Das Dreifach-Hoch
WASHINGTON,DISTRICT OF COLUMBIA,USA,03.FEB.16 - BASKETBALL - NBA, National Basketball Association, Washington Wizards vs Golden State Warriors. Image shows the rejoicing of Stephen Curry (Warriors). Photo: GEPA pictures/ USA Today/ Geoff Burke - ATTENTION - COPYRIGHT FOR AUSTRIAN CLIENTS ONLY - FOR EDITORIAL USE ONLY

Im vergangenen November gelang dem 1,91 m großen Point Guard der Golden State Warriors sein wohl emotionalster Wurf: Mit dem 1246. erfolgreichen Dreipunkteversuch seiner Karriere überholte er in diesen Charts seinen Vater Dell. Dazu überbot der regierende NBA-Champ und -MVP in der vorigen Saison seine eigene Bestmarke und versenkte 286 Dreier. Heuer hielt er zu Redaktionsschluss bereits bei 294 Volltreffern. Zuletzt stellte Curry den Kobe-Bryant-Rekord von 12 erfolgreichen Dreipunktewürfen in einem einzigen Spiel ein.

Marcel Hirscher (27): Das fünfte Element
SANKT MORITZ,SWITZERLAND,20.MAR.16 - ALPINE SKIING - FIS World Cup Final, men, award ceremony for the overall World Cup. Image shows the rejoicing of Marcel Hirscher (AUT). Keywords: trophy, crystal globe. Picture shot with a Canon EOS-1D X Mark II sample. Photo: GEPA pictures/ Christian Walgram

Unglaubliche fünf Mal konnte der Annaberger also den Gesamtweltcup erobern, ebenso oft wie einst Marc Girardelli. Aber während der Wahlluxemburger vom ersten Triumph 1985 bis zum fünften 1993 acht Saisonen benötigte, erledigte Österreichs jüngster (2012 mit 23) von insgesamt fünf Gesamtweltcupsiegern dies bekanntlich in fünf Wintern am Stück. Davor gelang den Herren Thöni (1971-73), Stenmark (1976-78) und Mahre (1981-83) immerhin ein serielles Triple.

Marc Márquez (23): Der Hochprozentige

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Am Beginn seiner zweiten Amtszeit als MotoGP-Weltmeister im Herbst 2014 hatte der Spanier den Königsklassenrekord von 13 Saisonsiegen am Kerbholz. Auch die 13 Polepositions in diesem Jahr bedeuteten eine neue Bestmarke für den jüngsten MotoGP-Champ aller Zeiten (2013 mit 20 Jahren und 266 Tagen). Dazu hält der Honda-Pilot vorm diesjährigen WM-Start am 20. März bei 39 Podestplätzen in 54 Rennen gegen Valentino Rossi &Co. – auch diese 72,2 Prozent Stockerl-Quote sind einsame Spitze. Genau wie der MotoGP-Geschwindigkeitsrekord von 350,5 km/h in Katar im Vorjahr.

Serena Williams (34): Die Millionen-Maja

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Die Finalpleite beim Australian Open 2016 gegen Angelique Kerber verhinderte ,dass die älteste Nummer 1 der WTA-Geschichte mit Steffi Grafs 22 Major-Titeln im Einzel gleichziehen konnte. Auch der echte Grand Slam war damit wie im Vorjahr nach dem Semifinal-Out beim US Open vorzeitig dahin. Trotzdem bietet auch 2016 Chancen für die Preisgeldrekordlerin (75 Mio. Dollar), etwa jene auf den vierten Doppelolympiasieg mit Schwester Venus oder, mit vollen Erfolgen in Paris, Wimbledon und New York, auf Platz 1 in der Grand-Slam-History – Margaret Court schaffte 24.

Ole Einar Björndalen (42): Der Rostfreie

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Seinen bis Redaktionsschluss letzten Weltcupsieg eroberte der Norweger mit Wohnsitz Obertilliach im Dezember 2015 und hält nun beim einsamen Wintersport-Rekord von 95 Rennsiegen. Seit 1996 krallte er sich zudem einsame sechs Gesamtweltcupsiege. Zu seinen 19 Weltmeistertiteln kommen 23 weitere WM-Medaillen -erst unlängst in Oslo zweimal Silber. Eine einzige Goldene fehlt dem Achtfach-Olympioniken übrigens noch: jene im Massenstart-Rennen. Die nächste Gelegenheit dazu böte sich 2018 im südkoreanischen Pyeongchang.

Michael Phelps (30): Der Chlorreiche

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Bei der WM 2001 fixierte der US-Boy den ersten seiner bisher 39 Weltrekorde. Mit 15 Jahren und 9 Monaten kürte er sich über 200 m Schmetterling zum jüngsten Schwimmweltrekordler, Monate zuvor zu Amerikas jüngstem Olympiaschwimmer seit 1932. Bei den Spielen von Athen 2004 eroberte er sechs Goldene, in Peking 2008 dann acht und in London 2012 vier. Nach Rücktritten und Alkosperren durch den US-Verband soll für den wieder regierenden US-Meister in Rio der finale Paukenschlag im olympischen Chlorwasser folgen.

Usain Bolt (29): Der Tartan-Titan

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Mit Ausnahme des WM-Rennens über 100 m im Jahr 2011, als der Jamaikaner wegen Fehlstart disqualifiziert wurde, gehören seit 2009 sämtliche WM-Titel über 100,200 und 4 x 100 m dem Weltrekordler. Als einzigem Sprinter bisher gelang dem 11-fachen Weltmeister über diese Strecken auch die Verteidigung von Olympiagold. Wie 2008 in Peking wurde Bolt auch 2012 dreimal zum Olympiasieger gekürt. Beim 2009 aufgestellten Weltrekord über 100 m (9,58 Sek.) fixierte er zudem menschlichen Topspeed: 44,72 km/h.

Jaqueline Carvalho (32): Die schöne Schlägerin

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Seit über einem Jahrzehnt zählt die Juniorenweltmeisterin von 2001auch zu den Leistungsträgerinnen des brasilianischen A-Nationalteams. Als solche wurde die 1,86 m große Außenangreiferin sowohl 2008 wie auch 2012 Olympiasiegerin. Beim anstehenden Heimspiel in Rio de Janeiro will sie mit der Seleção das lückenlose Triple komplett machen und damit in die Fußstapfen der Kubanerinnen treten. Diesen gelang der olympische „Dreier“ 1996,2000 und 2004.

Lionel Messi (28): Der Alchimist

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Trotz Barcelonas überlegener Tabellenführung in der spanischen Primera División, besten Chancen zur Titelverteidigung auch in der Champions League und jeder Menge Toren hätte selbst der Argentinier bei Bedarf noch etwas zu toppen, und zwar die eigenen Rekorde aus der Saison 2011/12. Hier nur ein paar der seit damals gültigen Bestmarken: 50 Ligatore, insgesamt 73 Treffer, zum vierten Mal CL-Torschützenkönig, jüngster Barça-Spieler mit mehr als 200 Karrieretoren, 91 Volltreffer im Kalenderjahr 2012, als Jüngster dreimal hintereinander mit dem „Goldenen Ball“ ausgezeichnet.

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