Weltmeister-Vater Keke Rosberg: So anders, wie der Sohn

Nico Rosberg steht vor dem WM-Titel – 34 Jahre nach Keke Rosberg. Hier der rauchende, polternde, politisch unkorrekte Vater, dort der ruhige, höfliche und stets bedachte Sohn. Der Geruch des Sports ist jetzt anders, das Geräusch, die Gebräuche, der Geschmack, die Gefahr. Eine Erzählung entlang höchst unterschiedlicher Lebenslinien von Vater und Sohn, die uns zeigt: Das Gesicht der Formel 1 hat sich verändert. Und wie!

//Text: Gerald Enzinger
//Titelbild: Keke Rosberg: imago sportfoto/HochZwei

Die Formel 1 des Jahres 2016 im Rückspiegel zukünftiger Generationen: Erinnerungen an eine monotone Siegesserie von Mercedes GP, juristische Protokolle über Verstöße, die die politisch korrekten Sittenwächter der Grand-Prix-Regierung nicht lustig fanden: über Fahrer, die zu oft die Spur wechselten, die über die Streckenbegrenzungen fuhren (Pfui!), die blaue Flaggen (überholen lassen!) ignorierten, die am Funk mit einem F-Wort zu viel die oktanhältige Luft anreicherten oder die zu viele Getriebe verbrauchten. Weltmeister am Ende: vielleicht Nico Rosberg – hochverdient nach schon neun Siegen in den ersten 17 Rennen und erstaunlichen Machtdemonstrationen gegen den bisherigen König Lewis, den ewigen Ersten. Rosberg Weltmeister? Das hatten wir doch schon einmal! 1982, als sein Vater Keke im Williams zum Titel kurvte. Was sehen wir da im Rückspiegel? Elf (!) Sieger in nur 16 Rennen und ein Weltmeister, der ein einziges Rennen gewann. Sehen wir uns den Champion einmal genauer an:

Kettenraucher. Kampfschwein. Klartexter.

Und ein Mann der Tat: Sein Aufstieg war mühselig und führte ihn durch fünf Kontinente, in Europa stets in einem Wohnwagen, der am Campingplatz in Zell am See sein Basislager hatte. In die Formel 1 kam er erst mit 30 Jahren. Aus der Öffnung direkt unterhalb seines Porno-Schnauzbartes kam Ungefiltertes. Michael Schumacher bezeichnete er als „Drecksack“, den Unterschied zu Niki Lauda sah er darin, „dass ich ein schöneres Gesicht habe“ (wohlgemerkt: nach dessen Feuerunfall). Doch Keke war auch auf Asphalt keck. 1985 in Brands Hatch musste er nach einer Kollision mit Ayrton Senna an die Box. Er ließ sich neue Räder montieren, fuhr wieder raus – und wartete auf den Brasilianer. Dann blockte er ihn rundenlang, er machte sich breit, bei 300. Bis sein Teamkollege Nigel Mansell an Senna vorbei war und dieser immer noch im Heck Rosbergs feststeckte.

Heute würden die FIA-Richter wohl sechsmal ein lebenslängliches Fahrverbot aussprechen, damals klatschten sie. Womit wir bei den Zeiten wären, die dich ändern. Angenommen, Nico schafft es: Verkörpern die Charaktere der beiden Weltmeister Rosberg nicht exakt die Veränderung der Formel 1? Vom brachialen, nach verbranntem Gummi riechenden Naturinstinktsport rauer Überlebenskünstler hin zur klinisch sauberen, gegenderten, geschliffenen und geputzten Auslage börsennotierter Konzerne?

Den Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu finden unternimmt die große Story im neuen SPORTMAGAZIN! Was Nico Rosberg und seinen Vater eint und trennt und wie es im direkten Duell der Zahlen aussieht, steht in der neuen Ausgabe!