Nicht nur in wildem Wasser vermag Viktoria Wolffhardt attraktive Kurven zu zeichnen. Mit Gefühl will die bezaubernde Slalomkajakerin auch bei der Europameisterschaft auf der Wiener Donauinsel punkten.

//Fotos: Irene Schaur
//Text: Tobias Wimpissinger

„Gratuliere zur Bronzenen“, flüstert ihr Maxi ins Telefon. „Blödsinn, ich bin Vierte“, will Viktoria Wolffhardt ihrem Bruder keinen Glauben schenken. Was sie in Krakau allerdings nicht weiß, hat das Tullner Internet längst ausgespuckt. Wegen eines nachträglich geahndeten Torfehlers von Cindy Pöschel stößt Viki die Deutsche vom EM-Podest, zwei Wochen vor ihrem 19. Wiegenfest kommt das verfrühte Geburtstagspräsent denkbar unverhofft: „Ich hatte nicht einmal einen Trainingsanzug für die Siegerehrung parat, musste mir die einzelnen Teile von den Teamkollegen ausborgen.“

Ein Jahr später darf die HSZ-Soldatin ihre Medaille in heimischem Nass verteidigen, ab 29. Mai wird am nigelnagelneuen Kanal auf der Donauinsel gepaddelt. „Ich bin vor allem unheimlich dankbar, nicht mehr zum Training ins Ausland reisen zu müssen“, grinst die Slalomkajakerin, die trotz lange fehlender Infrastruktur mit wilden Wassern gewaschen ist, lernten sich ihre Eltern doch bei Weltranglistenrennen kennen, während Onkel Ed zweimal zu WM-Silber fuhr. Andere Vorzeichen haben sich seit Krakau ebenfalls geändert, nun wird Wolffhardt von Michael Seibert betreut, die Umstellung beschreibt die Niederösterreicherin folgendermaßen: „Er ist Deutscher.“ Anders formuliert legt der neue Damencoach Wert auf Disziplin und gibt genaue Angaben, an welcher Stelle der Schlag erfolgen soll. Zuvor hatte Viki unter dem für die Herren zuständigen Oblinger-Feintuner Jernej Abramič trainiert, der den Athleten eher ein Gefühl für das Wasser zu vermitteln versucht: „Ich nehme mir von beiden Zugängen das Passende heraus. Sie arbeiten ja gut zusammen, was bei Trainern in Österreich nicht immer der Fall war.“ Auch die einst hohen Wogen zwischen zwei ÖRV-Paddlerinnen seien einigermaßen geglättet, obwohl mittlerweile vier Mädels um einen einzigen Olympiastartplatz in Rio de Janeiro rangeln. Neben Doppelweltmeisterin Corinna Kuhnle und der Olympiabronzenen Violetta Oblinger-Peters droht auch Gefahr von Junioreneuropameisterin Lisa Leitner: „Wir sind viel gemeinsam unterwegs, organisieren Flüge und Mietautos zusammen und essen an einem Tisch. Unnötige Spannungen hineinzutragen bringt keinem etwas.“

(C) Red Bull Content Pool

Als Rückversicherung würde sich Wolffhardt gern in den Kanadier knien – allein, man lässt sie nicht: „Ich bin überzeugt, davon im Kajak profitieren zu können.“ Der Verband sieht hingegen keine Synergien, obwohl die britischen Herren in London das Gegenteil bewiesen, und will der im Nachwuchs vierfachen C1-Medailleurin erst nach den Spielen am Zuckerhut das Paddel absägen. Der Hintergedanke: Bei den Frauen wird der Kanadier erst in Tokio 2020 ins Olympiaprogramm aufgenommen -„darf ich bis dahin aber nicht im C1 trainieren, werde ich das Niveau nicht halten können“.

Weißwasser von morgen, denn vorerst steht das EM-Spektakel an der Steinspornbrücke an. „Statistisch gesehen sind die Deutschen in Deutschland, die Slowaken in der Slowakei schneller“, hofft die angehende Lehrerin auf den Heimvorteil und will eher auf Gefühl als Aggressivität setzen: „Aufgrund des geringen Gefälles ist mit knappen Zeitabständen zu rechnen. Da gilt es, eine saubere Linie zu wählen.“

PASSPORT: Viktoria Wolffhardt

Geboren: 26. Juni 1994 in Tulln

Familie: Eltern Viljem und Beatrix, Bruder Maxi (15)

Beruf: HSZ-Soldatin, Lehramtsstudium Englisch und Biologie

Verein: PSK Tulln

Disziplin: Kajak-Einer

Trainer: Michael Seibert

Erfolge: EM-Bronze 2013 (K1), Team-EM-Silber 2011 (K1), U-23-WM-Silber 2013 (C1),-Bronze 2012 (K1), J-WM-Bronze 2012 (K1), J-EM-Gold 2010 (C1), 2011 (C1),-Bronze 2012 (K1 & C1)

Hobbys: Reisen, Sport, Kino, Ausgehen

Web: www.facebook.com/viktoriawolffhardt