Veli Kavlak: „Für mich sind das Monster!“

Veli Kavlak hat den Terror von Istanbul hautnah erlebt. Im Interview spricht der Besiktas-Legionär über schreckliche Verluste und Gänsehautmomente. Und er erklärt: „Die Türken schaffen das!“

Bilder des Tages - SPORT Fußball, Besiktas - Gedenken an die Opfer des Terroranschlags in Istanbul Turkey Cup match between Besiktas and Kayserispor at Vodafone Arena in Istanbul , Turkey on December 14, 2016. Pictured: Supporters wearing jerseys of the three major Turkish soccer teams, from left, Besiktas , Galatasaray, Trabzonspor and Fenerbahce pose together inside the Besiktas Vodafone Arena stadium, prior to a Turkish Cup soccer match between Besiktas and Kayserispor, the first soccer match since Saturday s twin attacks outside and near the stadium, in Istanbul, PUBLICATIONxNOTxINxTUR Images the Day Sports Football Besiktas remembrance to The Victims the Terrorist attack in Istanbul Turkey Cup Match between Besiktas and Kayserispor AT Vodafone Arena in Istanbul Turkey ON December 14 2016 Pictured Supporters Wearing Jerseys of The Three Major Turkish Soccer Teams From left Besiktas Galatasaray Trabzonspor and Fenerbahce Pose Together Inside The Besiktas Vodafone Arena Stage Prior to A Turkish Cup Soccer Match between Besiktas and Kayserispor The First Soccer Match since Saturday s Twin attacks Outside and Near The Stage in Istanbul PUBLICATIONxNOTxINxTUR

//Interview: Markus Geisler//Foto: Stefan Joham, imago sportfoto//

Im letzten Sportmagazin erschien die Reportage mit dem Titel „Wahnsinn Istanbul“. Eine Überschrift, die sich auf die heiße Rivalität zwischen Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas bezog. Doch seit die Geschichte erschienen ist, zog der Wahnsinn noch viel weitere, menschenverachtende Kreise. Zwei Terroranschläge mit mehr als 80 Toten erschütterten die Metropole am Bosporus. Beide fanden im Stadtteil Besiktas statt, in dem der gleichnamige Klub zu Hause ist, bei dem Nationalspieler Veli Kavlak derzeit ums Comeback kämpft.

Sportmagazin: Veli, als wir uns im November in Istanbul trafen, meintest du, die Unsicherheit nach dem Putschversuch vom 15. Juli sei komplett verflogen, man könne sich ganz normal bewegen. Das war auch mein Eindruck. Ein fataler Irrtum.

Veli Kavlak: Ja – und diesmal hat es uns ganz heftig getroffen, heftiger als sonst. Ich habe keine Ahnung, was das für Menschen sind, die so etwas machen. Aber was heißt Menschen, für mich sind das Monster!

Der erste Anschlag fand am 10. Dezember unmittelbar nach dem 2:1-Sieg von Besiktas gegen Bursaspor vor eurem Stadion statt. Zwei Bomben wurden gezündet, 44 Menschen starben, die meisten davon Polizisten. Wie hast du das mitbekommen?

Ich war bei mir zu Hause in Atasehir (auf der asiatischen Seite der Stadt), hab mir dort das Spiel im Fernsehen angeschaut. Freunde von mir aus München waren im Stadion. Die waren allerdings schon draußen, als der Anschlag passierte. Wir haben natürlich sofort telefoniert, deswegen wusste ich, dass sie in Sicherheit waren. Es hat allerdings einen Security-Mitarbeiter von Besiktas, den die ganze Mannschaft gut kannte, erwischt, er ist gestorben. Die Tage danach waren keine schöne Zeit, echt schwierig. Aber wenn es ein Volk schafft, mit so einer Krise umzugehen, dann sind es die Türken.

,,Die Leute wissen, dass mit solchen Anschlägen die Gesellschaft gespalten werden soll, die ­Terroristen wollen hier einen Bürgerkrieg anzetteln.”

Veli Kavlak

Wie meinst du das?

Es war ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Und man muss sich klar vor Augen halten, dass dort Menschen auf tragische Weise ihr Leben ver­lieren. Und trotzdem ­be­obachte ich, wie die Bevölkerung eine Art „Jetzt erst recht!“-Gefühl entwickelt. Die Leute wissen, dass mit solchen Anschlägen die Gesellschaft gespalten werden soll, die ­Terroristen wollen hier einen Bürgerkrieg anzetteln. Die Türken durchschauen das und wollen mit aller Macht verhindern, dass das passiert. Deswegen rücken sie noch näher zusammen. Ich bewundere das echt. Die Leute geben mir das Gefühl, dass sie keine Angst kennen. Das ist schon einzigartig.

Rücken auch die Fans der rivalisierenden Teams zusammen? Bei meinem Besuch des Derbys zwischen Fenerbahce und Galatasaray hatte ich das Gefühl, dass dort tiefe Abneigung, um nicht zu sagen Hass im Spiel ist.

Doch, das tun sie. Bursaspor und Besiktas waren jahrelang verfeindet, Fener, Gala und Besiktas sowieso. Kurz nach dem Anschlag gab es ein Spiel zugunsten der Terroropfer, da kamen die Ultras aller vier Teams zusammen und haben gemeinsam gegen den Terror protestiert. Dort ist ein echtes Wir-Gefühl entstanden. Das Motto war: Wir können beim Fußball verfeindet sein, aber wenn es gegen das Vaterland geht, halten wir zusammen. Das waren Gänsehautmomente. An solchen Aktionen merkst du den Stolz und die Ehre – Dinge, die die Türken ausmachen. Sie hassen sich zwar, können aber auch zusammenhalten.

Das ganze Interview finden Sie im neuen Sportmagazin. Ob Spieler die Türkei verlassen wollen, wie der Terror den türkischen Fußball verändert und wie es jetzt mit ihm persönlich weitergeht. Übrigens auch in unserem Magazinshop erhältlich -> https://www.magazin-abo.com/