Die ganze Story // Treffen mit Rooney: Austria’s next Superstriker

Nach der EURO ist vor der U19-EM! Als frisch gebackener Torschützenkönig der U21-Premier-League ist Arnel Jakupovic mit Österreichs Team heiß auf das nächste Highlight. Wayne Rooney, die Scheichs von Katar und José Mourinhos ehemaliger Assi sind längst Fans von Mister Cool. Ein Auszug.

//Text: Tom Hofer
//Bild: (C) Christian Hofer

Hat da jemand was von Stürmerkrise gesagt? Arnel Jakupovic fühlt sich jedenfalls nicht angesprochen. Bombastische 51 Tore hat der Youngster in den letzten beiden Saisonen erzielt. Gerade hat er als frisch gebackener Torschützenkönig der U21-Premier-League von England aus den Heimaturlaub angetreten. Eine Auszeichnung, die schwer wie ein Adelstitel wiegt.

Kein anderer rot-weißroter Striker hat im Mutterland des Fußballs je solche Spuren hinterlassen wie der 18-jährige gebürtige Niederösterreicher im Dress von Middlesbrough. Und das Highlight kommt hoffentlich erst, denn Jakupovic ist die Speerspitze des heimischen U19-Teams, das bei der EM ab 11. Juli in Baden-Württemberg auf Portugal, Italien und Gastgeber Deutschland trifft. „Arnel denkt anders als die meisten Stürmerkollegen“, sagt U19-Teamchef Rupert Marko, früher selbst Torjäger von Beruf. „Wenn er eine Chance verhaut, ist er nicht frustriert, sondern sagt sich: ‚Super gemacht, Goalie!‘ Er bleibt immer positiv. Vor allem aber: Seine Coolness vor dem Tor ist einzigartig. Das ist eine Begabung, die du nicht lernen kannst.“

Duell mit Rooney: Von der Playstation in die Realität

Beim letzten Test vor der EM, einem 7:1 gegen Katar im französischen Chantilly, lässt es Jakupovic viermal krachen – innerhalb von 36 Minuten. „Ein indirekter Freistoß, ein Elfer, ein Kopfball und ein Tor nach einem Stanglpass“, bringt es der Linksfuß im exklusiven Talk mit dem Sportmagazin kurz und knackig auf den Punkt. Das Match wird live nach Katar übertragen. Gut, dass Marko seinen Superstriker zur Pause austauscht, wer weiß, ob ihn die Scheichs sonst nicht vom Fleck weg engagiert hätten. Dass Jakupovic in England die Saison als Nr. 1 der Schützenliste abschließt, ist aus mehreren Gründen sensationell: Erstens ist der Österreicher mit 18 der Jüngste im Kader. Und weil er drei Monate auf die Arbeitsgenehmigung warten musste, startete er erst Ende November in die Saison. Dafür ging’s dann gleich richtig rund: Viermal schlägt „Arnie“ („Die Engländer nennen mich so, weil sie meinen Nachnamen nicht aussprechen können“) doppelt zu, auch gegen die verwöhnten Bubis von Manchester City.

,,Ein paar Tage davor hab ich noch auf der PlayStation gegen ihn gespielt und dann steht er plötzlich in echt vor mir.”

Jakupovic über Wayne Rooney

Das Match gegen den Erzrivalen der „Citizens“, die „Red Devils“, ist eines der wenigen, in denen er leer ausgeht. Dafür baut sich im Spielertunnel plötzlich Wayne Rooney vor ihm zum Handshake auf. Das Match im United-Nachwuchs diente für Englands Teamcaptain als Fitnesscheck nach langer Verletzungspause. „Ein paar Tage davor hab ich noch auf der PlayStation gegen ihn gespielt und dann steht er plötzlich in echt vor mir, ein unvergessliches Erlebnis“, grinst the Austrian Boy.

Der Familien-Ausflug nach Middlesbrough

Er ist auch deshalb so gut drauf, weil er nicht allein auf der Insel ist. Mama und Bruder Anes (der in der U12 von Middlesbrough kickt) übersiedeln letzten Sommer mit nach England. „Meine Frau und ich haben lange überlegt: Sollen wir Arnel allein gehen lassen und darauf hoffen, dass alles gutgeht, oder sollen sie und der Kleine mitgehen?“, erzählt Papa Amir Jakupovic, der in Wien-Donaustadt eine Transportfirma betreibt und jetzt eben einmal im Monat zu seiner Familie in den Norden Englands auf Besuch fliegt. Seit 1993 lebt der gebürtige Bosnier in Österreich. Sein ältester Sohn schießt seine ersten Tore für Stadlau. Mit elf dockt er bei der Austria an. „Unsere einzigen Restzweifel waren, ob er es von der Dynamik her schafft, alle anderen Voraussetzungen waren bei Arnel top“, erinnert sich der violette Nachwuchschef Ralf Muhr. Da die Torlawine auch in Favoriten rollt, stehen bald prominente Interessenten Schlange. Die Austria verabsäumt es, das Juwel in den Profikader hochzuziehen oder zumindest die Perspektive anzusprechen. Auch deshalb hat Middlesbrough leichtes Spiel. Bei der ersten Führung durchs Riverside Stadium machten die Verantwortlichen Jakupovic schnell klar, dass er nicht der erste Österreicher im rot-weißen Boro-Dress ist. „Auf dem Weg zum VIP-Club gibt’s an der Wand eine Liste bekannter ehemaliger Legionäre, darauf ist Emanuel Pogatetz verewigt.“ Der Steirer trug die Kapitänsbinde, hat bei den Fans als „Mad Dog“ bis heute Kultstatus. Für Jakupovic erhalten die Veilchen nur einen Teil der Ausbildungsentschädigung, sie sind aber an einem Weiterverkauf finanziell beteiligt. Den Deal handelte Igor Gluscevic aus. Den Kontakt zum smarten Montenegriner (42) stellte Ex-Admira-Kicker Damir Ozegovic, ein Freund der Familie, her. Die beiden kickten zusammen in Spanien. Gluscevic, einst selbst als Mittelstürmer aktiv, ist in der Szene bestens vernetzt. Bei Extremadura spielte er unter einem gewissen Rafael Benitez, später arbeitete er mit dem spanischen Trainerguru als Scout in Liverpool.

„Wir telefonieren oder schreiben uns nach jedem Match, haben sehr engen Kontakt“, beschreibt Arnel die Beziehung zu seinem Manager. Kann sein, dass er im Herbst selbst gegen die Reds randarf. Während die U21 eine Etage runtermuss, spielt Middlesbroughs erste Garnitur sieben Jahre nach dem Abstieg endlich wieder im Konzert der Großen mit. Trainer Aitor Karanka, bei Real Madrid José Mourinhos Co-Trainer, will drei bis vier von der jungen Garde in den Profikader holen. „Wär extrem cool, wenn ich dabei bin“, hofft Jakupovic auf ein Upgrade. Er ist auch körperlich bereit dafür, dank intensiver Extraschichten in der Kraftkammer. Beim Showdown ums Premier-League-Ticket gegen Brighton (1:1) fieberte er auf der Tribüne mit: „Die ganze Stadt war schon Tage vorher komplett beflaggt, alle sind mit Boro-Shirts herumgelaufen.“ Die Gazetten jazzten das Spiel zum teuersten Fußballmatch aller Zeiten hoch. Gar nicht einmal übertrieben: Die Experten von Deloitte hatten ausgerechnet, dass ein Aufstieg dank des neuen Mega-TV-Deals 250 Millionen Euro wert ist – selbst wenn man nach einer Saison wieder absteigen sollte.

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