Die Lösung hochkomplexer Aufgaben scheint Tanja Frank im Blut zu liegen. Im so kniffligen Olympiarevier vor Rio de Janeiro holte sich die attraktive Nacra-Vorschoterin mit Segel-Partner Thomas Zajac die so hell strahlende Bronze-Medaille.

//Fotos: Irene Schaur
//Text: Tobias Wimpissinger

Dieser Artikel erschien erstmals im August 2015

Mit zweieinhalb Jahren steuert sie erstmals ganz allein einen Optimisten über den Neusiedler See, mit vier lernt sie Rechnen und Schreiben. Bei der Einschulung überspringt die mit einem Intelligenzquotienten von 137 und einem mathematischen IQ von 158 gesegnete Wienerin gleich die erste Klasse, mit 14 ist sie die jüngste Studentin der Republik. Erst drei Jahre später absolviert sie die Matura – selbstverständlich mit Auszeichnung und nur so spät, weil sie aus sozialen Gründen auf das Auslassen einer weiteren Schulstufe verzichtet. Wer meint, das Profil deute auf eine hochnäsige, verzogene Hietzinger Göre hin, wird schnell eines Besseren belehrt. „Das Verhalten einer zickigen Primadonna passt so gar nicht zu mir“, lacht die stets bescheidene Tanja Frank, der man dank ihrer erfrischend lockeren Ausdrucksweise jedes Wort abnimmt. „Zu behaupten, supergescheit zu sein, würde mir also nie in den Sinn kommen.“

Ungeachtet des entzückenden Charmes überträgt die angehende Ernährungswissenschaftlerin ihre bedingungslose Zielstrebigkeit eins zu eins auf den Sport, zählt die attraktive Vorschoterin ja nächsten Sommer vor Rio de Janeiro mit Steuermann Tom Zajac zu den großen Hoffnungen im Mixed-Katamaran Nacra17. Als sie davon Wind bekam, dass eine neue Zweirumpfklasse ins olympische Programm aufgenommen werden sollte, war der im Multihull noch völlig unbefleckten 420er-Jugendweltmeisterin sofort klar, das Kufenflitzen möglichst schnell erlernen zu müssen. Und praktischerweise heißt ihr Stiefvater Norbert Petschel. Mit dem Tornado-Vierten von Seoul 1988 bestritt Tanja ihre Jungfernfahrt auf einem Kat sogleich bei einer Europameisterschaft, auch wenn „nur“ jener im Amateur-Boot Hobie16. Das Debüt gestaltete sich mit Bronze höchst vielversprechend.

 (c) oesv_marsano

In der Premierensaison des Nacra legte Frank mit Zajac ebenfalls gewaltig los, raste bei jeder Regatta in die Top Ten und beendete das Jahr an der Spitze der Weltrangliste – vielleicht wegen des gar nicht so ungewohnten Gefühls, mit einem Mann das Deck zu teilen, saßen doch schon im 420er andersgeschlechtliche Partner neben der Heeressportlerin: „Mir ist diese Konstellation fast angenehmer, weil du Burschen direkt die Meinung geigen kannst, ohne dass sie gleich angerührt sind.“ Ließ sie in der Nachwuchsklasse stets die kräftigen Jungs das Großsegel trimmen, ging man auch beim olympischen gemischten Kat davon aus, dass sich dieses Positionsmodell als erfolgreicher herausstellen würde. Weit gefehlt. „An der Pinne spielt die Erfahrung eine größere Rolle. Inzwischen kommen fast alle Männer im Feld vom Katamaransegeln.“ An Routine mangelt es ihrem Steuermann nicht, sechs Jahre lang waren Zajac und Vorschoter Tommy Czajka im Kielwasser der Tornado-Doppelolympiasieger Hagara/Steinacher gesegelt, mit WM-Silber bei den Echten untermauerten die Welt- und Europameister auf Juniorenebene ihren Anspruch auf die so schwierige Thronfolge.

Vergangenen September das Olympiaticket mit der ersten Tranche gebucht, kann der rotweißrote Nacra die WM Anfang Juli vor Aarhus nun entspannt angehen, als reinen Testlauf für die darauffolgenden Pre-Olympics will man die Titelkämpfe aber nicht sehen. „In der Flotte ist kein Boot dabei, das wir noch nicht geschlagen haben. Und von den Spitzenteams kann mir keines erzählen, dass es nicht das Ziel hätte, eine Medaille zu holen.“ Dennoch misst die 22-Jährige ihrer fünften Expedition nach Rio eine höhere Bedeutung bei, unter Wettkampfbedingungen soll endlich das Material für die Spiele gefunden werden. Das überaus komplexe Revier spricht dem Gespann jedenfalls zu, kein anderes Boot kommt mit allen Verhältnissen gleich gut zurecht. Und am Zuckerhut bläst es einmal stärker, einmal schwächer.

PASSPORT: Tanja Frank

Geboren am: 24. Jänner 1993 in Wien

Größe/ Gewicht: 1,68 m/57 kg

Beruf: Heeressportlerin, Studentin

Verein: UYC Neusiedl

Bootsklasse: Nacra17

Position: Vorschot

Steuermann: Thomas Zajac

Trainer: Angelo Glisoni, Norbert Petschel

Erfolge: 6. Platz EM (La Grande-Motte), 14. Platz WM (Santander), WC-Silber (Miami) 2014,4. Platz EM (Comer See), 10. Platz WM (Den Haag), EC-Sieg (Gardasee), Pre-Worlds-Sieg (Santander), Weltranglistenführung 2013, 420er-Jugendweltmeisterin mit Lara Vadlau (Zadar), Hobie16-EM-Bronze mit Petschel (Breitenbrunn) 2011

Web: www.goforgold2016.at