Superstar David Beckham: Becks unlimited

Er casht als Kick-Pensionist so viel wie die aktuellen Heroes Messi und Ronaldo und matcht sich demnächst mit Herzblatt Victoria um den Mode-Thron. Nebenbei bastelt er am Dream-Team für Miami und macht mit seinen vier Kids auf Daddy Cool. Gestatten: Beckham, David Beckham.

//Text: Tom Hofer

// Titelbild: (C) H&M

Drei Tage nachdem Oliver Kahn bei der Jubiläumsfete der Bayern in der Allianz-Arena in Fröttmaning Spalier gestanden ist, postet David Beckham Ende Mai seine Champions-League- Medaille auf Facebook: „What a year! 1999!“ Es ist der 16. Jahrestag des legendären Showdowns in Barcelona, als zwei Bananenflanken von Becks vor das Tor von Kahn das Match auf den Kopf stellen und Man Utd in der Nachspielzeit zum Champion krönen. Kahn meckert heute als TV-Experte an seinen Nachfolgern herum und streitet sich in launigen TV-Spots mit Ex-Manchester-Goalie Peter Schmeichel darum, wer der größere Titan zwischen den Pfosten war. Motto: einmal Grantler, immer Grantler. Beckham jettet derweil als Werbe-Ikone um den Globus, feiert mit Herzblatt Vici und Friends ausgelassen seinen 40er in einem Luxustempel in Marrakesch, trifft sich mit Genies wie Stephen Hawking, macht mit seinen vier Kids auf Daddy Cool – und lässt via Social Media die ganze Welt an all dem teilhaben.

Und vor allem: Auch zwei Jahre nach seinem Abgang von der Fußballbühne ist der smarte Brit Boy cashmäßig noch immer auf Augenhöhe mit den aktuellen Superheroes der Branche, Messi und Ronaldo: Stolze 70 Millionen Euro streifte Beckham allein letztes Jahr ein, nur Michael Jordan liegt im Verdienst-Ranking der Sportpensionisten vor ihm. Alle Firmen, die Rang und Namen haben, wollen ihre Kampagne mithilfe von Mister Universum aufpeppen – aber nur ausgewählte dürfen. Aktuell heißen die Glücklichen: Adidas (mit dem 3-Streifen-Klassiker hat Becks seit 2003 überhaupt einen Vertrag auf Lebenszeit), der Modediskonter H & M, die Luxuskarossen von Jaguar, die zeitlos protzigen Zeitmesser von Breitling, der Lederjacken-Trendsetter Belstaff, der New Yorker Kosmetikriese Coty (der exklusiv die Flakons mit der Aufschrift Beckham abfüllen darf) und die altehrwürdige schottische Destillerie Cameronbridge. Zudem ist Becks als Botschafter für Sky Sports und die chinesische Super League (der Deal verpflichtet ihn, dreimal im Jahr vor Ort zu sein) unterwegs. Und weil der Mann von Welt damit noch nicht ausgelastet sein kann, bastelt er zusätzlich an Mannschaft und Stadion seines noch namenlosen Fußballteams in Miami (der Klassiker „Miami Vice“ war bei der Vorstellung der Pläne Favorit). Das Recht auf eine eigene Franchise in der MLS – zum Schnäppchenpreis von knapp 25 Millionen Euro (ein Viertel des sonst üblichen Preises) – war schon 2007 beim überraschenden Wechsel zu LA Galaxy part of the deal.

Glückloser Funktionär …

Gut, die Zeit wird langsam knapp, denn der Einstieg des Teams ist eigentlich für 2017 geplant. Weil die von Beckham bevorzugte Variante – eine neue Arena mitten in der City – nicht und nicht zustande kommen will, ist die ursprüngliche Timeline jedoch kaum zu halten. Generell fällt auf, dass seine Versuche als Funktionär bisher von wenig Erfolg gekrönt waren. Zum Beispiel 2010, als ihm ein Happy End im Three-Lions-Shirt wegen einer gerissenen Achillessehne verwehrt blieb und er stattdessen mit Schirm, Charme und Melone als Assistent von Teamchef Fabio Capello nach Südafrika reiste. Optisch ein Hit, doch als Glücksengerl versagte Beckham. Nach dem 1:4 im Achtelfinale gegen Deutschland war wie üblich bei einer Endrunde vorzeitig Schluss für England. Noch im gleichen Jahr sollte er als Botschafter der Leidenschaft an der Seite von Delegationsleiter Prinz William die WM 2018 heim auf die Insel holen. Auch dieses Vorhaben ging daneben. Trotz – oder besser gesagt gerade wegen – der royalen Unterstützung war die Kandidatur von vornherein völlig chancenlos: Schon im ersten Wahlgang war für den sentimentalen Favoriten mit mickrigen zwei Stimmen game over. Heute darf man’s ohne Genierer sagen – damals war ohne Moos für die Exekutivmitglieder absolut nix los mit einer Bewerbung. Sorry, aber Bestechung ist für das Königshaus nun einmal nicht drin.

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… glücklicher Businessmann

Als Businessman hat Beckham bis jetzt keinen Bauchfleck hingelegt. Nur mit Englands strenger Werbeaufsicht gab’s kürzlich Ärger. Ein ehemaliger Fußballstar in einem TV-Spot locker-lässig mit einem Whiskyglas in der Hand? Geht gar nicht, befand die Behörde. Schließlich sei Beckham noch immer ein Teenie-Idol und müsse als solches seiner Vorbildwirkung gerecht werden. Seinem Einspruch, dass seine Fans längst keine Kinder mehr seien und drei Viertel seiner knapp mehr als 51 Millionen Facebook-Friends älter als 18 sind, wurde zähneknirschend stattgegeben, der coole Spot – von Ex-Madonna-Lover Guy Ritchie inszeniert – doch nicht verboten. Selbst wenn eine Ikone wie Beckham trotzig „Ich bin dann mal weg“ sagt und mit dem Motorrad in den brasilianischen Dschungel aufbricht, sind Filmcrew und Kameras klarerweise mit dabei. Das stylishe Roadmovie („Abenteuer Amazonas – mit David Beckham“), von der BBC finanziert, ist inzwischen auch in deutscher Synchronisation zu sehen – wobei die kompetenten Kollegen unserer Schwesterzeitschrift Motorradmagazin schwören, dass die 1300 Kilometer lange Tour mit der schweren Triumph Bonneville garantiert nicht zu packen ist. Schöne Bilder gibt der Lonely Rider mit seiner Maschin‘ im Urwald allemal her. Was die logische Frage aufwirft: Schafft Beckham auch noch den Sprung nach Hollywood? Die englische Ausgabe von „GQ“ widmet dem Thema ihre aktuelle Coverstory. Conclusio: Becks sei reif für die Traumfabrik und könnte in der Folge als Türöffner für viele nicht ganz so begehrte (richtige) britische Schauspieler fungieren. Doch der heftig Umgarnte will nicht so recht: „Ich hab keinen Bezug zum Film, das Einzige, was ich derzeit schaue, sind Kindersendungen mit meiner Tochter.“

Dass die Geschäfte wie geschmiert laufen, liegt auch daran, dass Beckham einen ganz gewieften Manager an seiner Seite hat: Simon Fuller (55) machte die Spice Girls groß, managte kurzfristig Formel-1-Starlet Lewis Hamilton und knackte als TV-Produzent (das von ihm erfundene Format „Pop-Idol“ wird weltweit vermarktet) den ganz fetten Jackpot. Laut „Sunday Times“ ist Fuller gigantische 450 Millionen Euro schwer – damit hat er um einiges mehr auf dem Konto als sein prominenter Klient. Und das soll’s noch lange nicht gewesen sein, the next big thing ist längst in Arbeit. Vergangenes Jahr unterzeichnete das dynamische Duo ein Joint Venture mit der Global Brands Group. Das in Hongkong beheimatete Megaunternehmen (Umsatz 2014: 3,1 Milliarden Euro) produziert Mode und Schuhe für mehr als hundert Fashion-Firmen, darunter Calvin Klein, Guess, Hilfiger und New Balance. Demnächst kommt ein neues Label dazu: „Beckham Menswear“.

Damit wildert der Spice Boy endgültig im Reich von Herzblatt Victoria. Misses Beckham hat den Wandel vom Popstar zur Spielerfrau und schließlich zur anerkannten Modedesignerin mit Bravour geschafft. Dabei war der Anfang alles andere als leicht. Gucci-Mastermind Tom Ford ließ ihr seinerzeit ziemlich uncharmant ausrichten, sie möge bitte keine seiner Kreationen tragen, Tussis wie sie würden dem Image der Marke schaden. Mittlerweile haben 500 Stores in 60 Ländern Kleidung, Taschen und Brillen der spindeldürren und stets schwarz gekleideten 41-Jährigen im Sortiment. Mehr als 100 Angestellte sind im coolen Londoner Headquarter im ehemaligen Industrieviertel Battersea beschäftigt. Knapp 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftete das Label zuletzt, Tendenz steigend – trotz des nahezu ausschließlich hochpreisigen Angebots. Kein Wunder, dass die ehrgeizige Business Lady angesichts derart beeindruckender Zahlen 2014 zu England Unternehmerin des Jahres gekürt wurde. Im Gegensatz zu früher nerven auch keine schmutzigen Berichte mehr über angebliche Seitensprünge ihres Göttergatten. Sollte auch nur die Hälfte davon stimmen, war Big Becks während seiner Karriere auch abseits des Rasens äußerst aktiv. Diverse Models, Callgirls und sogar eine Pfarrerstochter umfasst die Liste der vermeintlich gebrochenen Herzen. Ihre schlüpfrigen Storys haben sie alle für gutes Geld an die Yellow Press verkauft. Der Ehe der Beckhams konnte das erstaunlicherweise nichts anhaben. Seit der Schönling nicht mehr kickt, gibt’s auch keine Affären mehr. Nur noch das offene Bekenntnis von Victoria („Sex ist wahnsinnig wichtig für uns – David ist ein Tier im Bett“) und Familienidylle pur, wie zum Beispiel die 40er-Fete Anfang Mai im 5-Sterne-Tempel Amanjena in Marrakesch.

Allein der Hotelname (übersetzt: „friedliches Paradies“) ist Kitsch pur. Schon 2004 gönnten sich die Beckhams dort ein romantisches Liebes-Timeout. Neben den Spice Girls Emma Bunton, Mel B und Geri Halliwell waren Desperate Housewife Eva Longoria, die Hollywoodstars Liv Tyler und Tom Cruise, Davids Schwesterherz Joanne sowie die Eltern Sandra und Ted bei der exklusiven Birthday Party dabei. Das Gelage kostete gut 340.000 Euro. Wurscht, schließlich wird man nur einmal 40! Nicht ganz so lange, aber immerhin 32 Jahre waren Beckhams Eltern verheiratet, ehe sie sich 2003 scheiden ließen. Als Reaktion darauf brach David für viele Jahre den Kontakt zu seinem Vater ab, in seiner Biografie „My World“ geht er mit ihm dementsprechend hart ins Gericht. Ein gefühlskalter, grantiger Mann sei sein Dad gewesen. Doch als Beckham senior vor drei Jahren nach einem Herzinfarkt in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert wird und auf der Intensivstation um sein Leben kämpft, zögert David keine Sekunde und steigt in Los Angeles in den nächsten Flieger Richtung Heimat. Seit damals ist das Verhältnis der beiden wieder intakt.

Beckham: Der Glamour seiner Kids

Trotzdem in keinster Weise vergleichbar zu Beckhams inniger Beziehung zu seinen vier Kids, die selbst schon höchst aktiv auf Facebook und Co. sind. Nesthäkchen Harper (wen’s interessiert: Die Kleine ist seit Kurzem ohne Stützräder mit dem Bike unterwegs) hat dank zahlreicher Fans schon einen eigenen Modeblog. Englands Verband schickte der Vierjährigen vor Anstoß der Frauen-WM einen Teamdress mit der Nr. 7. Vielleicht tritt ja Harper in Papas Fußstapfen. Romeo, der zweite Spross, bessert sein Taschengeld als Kindermodel für Burberry auf und wickelt die Girls schon jetzt um den kleinen Finger. In diversen Best-dressed-Man-Rankings ist der 13-jährige Feschak längst vor seinem berühmten Daddy platziert. Eine Laufbahn als Profikicker dürfte maximal Plan B sein. Immerhin: Zusammen mit Bruderherz Cruz (10) kickt Romeo im Nachwuchs von Arsenal. Kein Leiberl mehr bei den „Gunners“ hat dagegen Brooklyn Beckham. Nach einem Kurzgastspiel in der U18 teilten der Klub Anfang des Jahres mit, keine Verwendung mehr für den Teenager zu haben. Dass er sich in der Arsenal-Akademie in Hale End rotzfrech das Leiberl mit der legendären Thierry-Henry-Nummer 14 schnappte, kann man selbstbewusst nennen. Oder überheblich. Den hohen Erwartungen wurde die Nr. 1 in der Becks-Thronfolge jedenfalls nicht gerecht. Bitter, denn zuvor hatte Brooklyn schon bei den Queens Park Rangers und Chelsea vergeblich sein Glück versucht. Laut Papa ist Brooklyn dennoch der Boss der Familie – der jetzt an den Wochenenden aushilfsweise in einem Café kellnert. Sein Vater war übrigens nur ein Jahr älter, als er einst seinen ersten Profivertrag bei den „Red Devils“ unterschrieb. Der Rest ist Geschichte.

PASSPORT: David Robert Joseph Beckham

Geboren am: 2. Mai 1975 in Leytonstone im Nordosten Londons

Wohnort: London

Größe/ Gewicht: 1,84 m/76 Kilo

Familie: seit Juli 1999 mit Victoria verheiratet, drei Söhne (Brooklyn/16, Romeo/13, Cruz/10), eine Tochter (Harper/4)

Karriere als Spieler: Manchester United (1992-2003; 1995 für einen Monat an Preston North End verliehen), Real Madrid (2003-2007), LA Galaxy (2007-2012; 2009 und 2010 an den AC Milan verliehen), Paris Saint-Germain (Frühjahr 2013) Erfolge: 10 x Meister (6 x England, 2 x USA, 1 x Spanien, 1 x Frankreich), 1 x Champions League, 1 x Weltpokal, 2 x FA Cup

Auszeichnungen: 2003 von Queen Elizabeth zum „Officer of the British Empire“ ernannt, 2001 Englands „Sportler des Jahres“

Geschätztes Vermögen: 300 Millionen Euro