Das ganze Interview mit Steffen Hofmann: Ich will’s machen wie Uli Hoeneß

Nach seiner Karriere wird Steffen Hofmann ins Rapid-Management einsteigen. Im Sportmagazin gibt der 36-Jährige Einblick in seine Zukunft, analysiert die triste sportliche Gegenwart und blickt zurück auf 15 Jahre in Hütteldorf.

//Interview: Markus Geisler und Rolf Heßbrügge//Foto: GEPA//

SPORTMAGAZIN: Können Sie sich eigentlich noch an Ihren allerersten Tag bei Rapid erinnern?

Steffen Hofmann: Natürlich. Am Montag war Trainingsstart. Ich fuhr, weil ich mich in Wien überhaupt nicht auskannte, am Sonntag schon mal den Weg zum Trainingsgelände ab. Auch damals wurde am Happel-Stadion trainiert. Nur hatte ich über­sehen, dass man sonntags dort nicht fahren durfte. Da bekam ich gleich meinen ersten Strafzettel. Am folgenden Morgen bin ich dann brav in die Kabine und hab allen die Hand geschüttelt.

Sie kamen nicht als Star, sondern als Nobody von Bayerns Amateuren.

Tja, damals war man mit 22 noch Perspektivspieler. Hinzu kam, dass Lothar Matthäus, der mich geholt hatte, inzwischen nicht mehr Rapid-Trainer war. Ich war neugierig auf Rapid, aber ich konnte mir damals nicht vorstellen, ewig zu bleiben – so ehrlich bin ich. Ich sah Rapid eher als Zwischenschritt, um anschließend in die deutsche Bundesliga zu wechseln.

Nun spielen Sie Ihre 15. Saison für den Klub. Was kommt nach der aktiven Karriere?

Ich habe einen Anschlussvertrag. Da steht drin: drei Jahre im Management. Eine genauere Stellenbeschreibung gibt es nicht. Es kann aber sein, dass ich mir erst einmal ein bisschen was anschaue und etwas später bei Rapid einsteige. Ich glaube, es wäre wichtig, sich auch bei anderen Klubs umzusehen.

Haben Sie diesbezüglich mit Ihrem alten Förderer Hermann Gerland telefoniert, der ab Sommer Nachwuchsleiter beim FC Bayern ist?

Er ist einer der Ersten, die ich kontaktieren werde, wenn es so weit ist. Bei Bayern zu hospitieren kann sicher nicht schaden, wenn man ein Gespür für erfolgreiches Arbeiten bekommen will. Ein Beispiel ist der Uli Hoeneß – wie der den Sprung vom Spieler zum Manager geschafft hat und den Verein zu dem gemacht hat, was er heute ist! Dabei ist er mit Spielern und Mitarbeitern immer vorbildlich umgegangen – stets im Sinne des Erfolges, aber in menschlicher Hinsicht absolut top. Das habe ich selbst erleben dürfen. Egal, in welchem Bereich ich später arbeite, so will ich es auch gern machen.

Gibt es weitere Vorbilder?

Helmut Schulte war ebenfalls ein guter Typ, auch Andreas Müller war für mich immer ein guter Ansprechpartner. Von ihnen allen konnte ich lernen. Und vom Fredy Bickel kann ich mir sicher auch noch einiges abschauen.

,,Es ist der sicherste Weg, sich alles zu zerstören, was man sich aufgebaut hat.”

Steffen Hofmann über eine Trainerkarriere

Der Trainerjob wäre nichts für Sie?

Eher nicht. Das ist sicher interessant, aber unglaublich stressig. Und: Es ist der sicherste Weg, sich alles zu zerstören, was man sich aufgebaut hat. Ich will schon im sportlichen Bereich arbeiten, aber mich interessieren dabei auch die wirtschaftlichen Aspekte.

Sehen Sie sich auf Lebenszeit bei Rapid?

Man wird sich nach den drei Jahren zusammensetzen und dann sehen, was Sinn ergibt. Stand heute weiß ich nicht mal, ob ich immer im Sport bleibe oder doch einmal etwas ganz anderes mache.

Ihnen fehlen nur noch wenige Einsätze zum Allzeit-Pflichtspielrekord bei Rapid, gehalten von Peter Schöttel (526; die Red.). Diese Marke würden Sie wohl spätestens nächste Saison knacken.

Das reizt mich schon, da bin ich ehrlich. Vor ein, zwei Jahren hab ich nicht daran gedacht, aber wenn man so kurz davor ist, will man einen Rekord auch brechen. Aber: Sollte ich eines Morgens aufstehen und merken, es geht nicht mehr, dann war es das – selbst wenn mir nur noch ein Spiel fehlt.

Wie fühlt es sich an, wenn man als 36-jähriger Profi in der Früh aus dem Bett steigt?

Ich muss mich und meine Knochen schon ein bissl sortieren. Man braucht einfach ­länger, bis man in die Gänge kommt. Andererseits geht es derzeit besser als vor zwei, drei Jahren.

Bei Rapid sind Sie nur mehr „Back-up“. In den ersten 28 Runden standen für Sie ganze 296 Einsatzminuten in der Liga zu Buche – enttäuscht?

Nein, weil ich von Mitspielern und vom Trainerteam höre, dass ich nach wie vor wichtig bin. Natürlich will ich lieber von Beginn spielen, aber ich hab genug andere Möglichkeiten, dem Team zu helfen, indem ich meine Erfahrung weitergebe. Zusätzlich versuch ich, fit zu bleiben, mit den Jungs mitzuhalten und den Trainer zu überzeugen, mich in der Startelf zu bringen.

Rapid hat die teuerste Mannschaft seiner Geschichte, war mit Meisterschaftsambitionen gestartet. Dann lief einiges schief.

Die Euphorie ums neue Stadion war riesig, der Verein holte Spieler, die man sich in den Jahren zuvor nicht leistete. Wir waren vorher dreimal in Serie Zweiter. Da haben natürlich alle gehofft, dass man vielleicht zuschlagen könnte, falls Salzburg schwächelt. Das ist misslungen. Wobei: Misslungen ist noch nett ausgedrückt. Wir sind super gestartet, aber dann ging’s schleichend bergab. Wir hatten viele Verletzte. Außerdem haben einige Spieler im Herbst zu viele Spiele machen müssen, andere haben dafür zu wenig gespielt. Und dann kam auch schon der erneute Trainerwechsel.

Barisic musste im Sommer gehen, Büskens flog nach wenigen Monaten, die Bilanz unter Canadi schaute auch nicht besser aus. Ist der Kader untrainierbar?

Wie gesagt, wir waren zuvor dreimal Zweiter mit diesem Kader, der nur punktuell ergänzt wurde. Daher stimmt das sicher nicht. Die Qualität ist nach wie vor gut. Aber natürlich hat nicht jeder Trainer die gleichen Vorstellungen, wie gespielt werden soll.

Hätte der künftige Sportmanager Steffen Hofmann alle sportlichen Entscheidungen so mitgetragen?

Die Frage stellt sich nicht, ich stehe nicht in der Verantwortung. Es wäre ja verrückt, wenn ich mir etwa meinen Chef selbst aussuchen könnte (lacht).

Man hat sicher Ihren Rat gesucht.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass niemand mit mir gesprochen hat. Aber da ging es eher um Wasserstandsmeldungen. Ich hatte sicher keinen Einfluss auf Entscheidungen.

Manche sagen, es war ein Fehler, Barisic vor die Tür zu setzen.

Wenn man auf die Tabelle schaut, kann man das sicher so sehen. Aber ich glaube, dass die Entscheidungen immer, auch im Sommer, nach bestem Wissen und Gewissen aller Beteiligten so gefällt wurden. Damit ist das Thema für mich erledigt.

War es ein Fehler, vom Titel zu sprechen?

Ich selbst gehe in jede Saison, um Meister zu werden. Die Frage ist, wie offen man das kommuniziert. Aber jeder, der bei Rapid unterschreibt, weiß, dass das Ziel immer mindestens die Meisterschaft ist. Man muss jedoch realistisch sein, solange ein Klub da ist, der über viel größere Mittel verfügt als alle anderen.

Kann niemand die Salzburger Dominanz brechen?

Wir waren relativ knapp dran in den letzten Jahren. Wir müssen schauen, dass wir da sind, wenn sie mal eine Schwächephase haben. Salzburg muss regelmäßig Spieler abgeben, hat aber mit Liefering eine tolle Talentquelle.

Die UEFA soll ein Auge auf Red Bulls Doppel-Engagement in Leipzig und Salzburg geworfen haben. Wäre es gut oder schlecht für die Liga, wenn der Konzern sich deshalb aus Salzburg zurückzöge?

Schwierige Frage. Für das Niveau der Liga wäre es schlecht, weil Salzburg fantastische junge Spieler nach Österreich holt.

Aber – die Spannung.

So gesehen dürfte Bayern in Deutschland auch nicht mehr mitspielen. Es ist, wie es ist.

Sie hatten vor Jahren selbst eine Anfrage aus Salzburg. Mussten Sie überlegen?

Nein. Ich habe sofort abgesagt, beim ersten Anruf. Mein damaliger Berater hat mir entgegnet, er wolle sich zuerst das Angebot anhören. Ich hab zu ihm gesagt: „Du kannst es dir gern anhören, aber ich geh nicht hin!“ Dann hat er mich noch mal angerufen und mir gesagt, das und das werde geboten. Ich hab gesagt: „Interessiert mich nicht!“

Heute erledigen Sie alles ohne Berater.

Warum nicht? Ich bin alt genug. Ich weiß, was ich möchte, und weiß auch, welche Möglichkeiten der Verein hat. Kein ­einziges Vertragsgespräch mit Rapid hat je länger gedauert als dieses Interview hier.

Während Sie Rapid treu bleiben, ist der zweite große Star der Bundesliga von Salzburg nach China abgewandert. Tut es Ihnen leid, dass Jonatan Soriano fort ist?

Ja, sehr. Er ist für mich ein überragender Spieler und war abseits des Platzes immer sehr sympathisch. Schade, dass er sich für eine neue Herausforderung entschieden hat und für eine neue Sprache (grinst). Aber es werden neue Gesichter kommen, die die Liga prägen. Die Frage ist nur, wie lange die bleiben. Louis Schaub kann so ein Aushängeschild werden, auch Stefan Schwab ist unheimlich gereift.

War es für Sie nie eine Überlegung, irgendwohin zu gehen, wo man „im Alter“ groß abkassieren kann?

Nein. Es gab ein, zwei Anfragen. Ich glaube, eine aus Indien, eine aus China. Aber ich wollte nicht gehen, schon gar nicht mit drei Kindern. Ich fühle mich hier heimisch.

War Ihr Wechsel zu 1860 München im Jahr 2006 ein Fehler?

Die sechs Monate dort waren eine wichtige Erfahrung, auch wenn es nicht lief wie gedacht (schmunzelt). Bei den Sechzgern war es damals noch unruhiger als heute. Es war sogar so, dass manche Spieler bestimmten Teamkollegen morgens nicht einmal die Hand geben wollten. Reibereien sind okay, aber dort war das Klima vergiftet. So was hab ich bei Rapid nie erlebt. Ich denke, das werde ich auch nie erleben – weder als Spieler noch in anderer Funktion.

Haben Sie selbst schon einen konkreten Fahrplan für die Zukunft im Kopf?

Nein, weil ich wirklich nicht weiß, ob ich noch ein Jahr dranhänge. Mir macht es nach wie vor Spaß, am Platz zu stehen. Auch der enttäuschende Saisonverlauf wäre Anlass zu sagen: So kann man nicht abtreten. Gegen ein weiteres Jahr als Spieler spricht allerdings mein Geburtsdatum. Ich muss mir das gut überlegen.

Der Verein hat da sicher auch mitzureden.

Es ist nicht so, dass ich einen Freibrief hätte, aber es hat schon Gespräche gegeben. Fredy Bickel hat mir gesagt, dass es durchaus Sinn haben könnte, noch ein Jahr zu spielen, wenn ich weiterhin in guter körperlicher Verfassung bin.

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