Special Olympics: Sportbalsam für die Seele

Vom 14. bis 25. März steigen in der Steiermark die Special Olympics World Winter Games 2017 – die Winterspiele einer Bewegung, die es sich zum  Ziel gesetzt hat, Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung ins Rampenlicht zu holen und so global wirksame Zeichen für einen stärkeren Zusammenhalt unter uns Weltenbürgern zu setzen. Schauen Sie sich das an.

//Text: Fritz Hutter //Fotos: GEPA-Pictures.com/Special Olympics

Obacht, da kommt etwas Großes! Wenn demnächst in Schladming-Rohrmoos, Ramsau und Graz die nach der Premiere im Jahr 1977 im nordamerikanischen Steamboat Springs mittlerweile elften Special Olympics World Winter Games steigen, dann bedeutet dies neuen Rekord. Gut 2700 Aktive werden erwartet, deutlich mehr als je zuvor bei einem internationalen Multisportevent im Staate Österreich. Und dazu ein weiterer Beleg dafür, dass auch die Winterspiele für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung längst zum Fixstern am Firmament der Sportwelt gereift sind. Die sommerliche Ver­sion glänzte dort schon bald nach ihrer „Erfindung“ durch Kennedy-Schwester Eunice Shriver im Jahr 1968 und darf mittlerweile längst über Teilnehmer­zahlen jenseits der 7000 strahlen.

Gegründet hat sie die 2009 verstorbene Ex-Schwiegermutter des mittlerweile ebenfalls langjährigen Special-Olympics-­Supporters Arnold Schwarzenegger aus ganz persönlichen Motiven. Ihre ältere Schwester Rosemary Kennedy blieb nach einer Gehirnoperation schwerstbehindert. Dank Shrivers hochkarätigem Netzwerk wurde aus der Idee schnell eine globale Bewegung, die heute mit ihren Trainings-, Inklusions- oder ­Gesundheitsprogrammen fast 4,5 Millionen mental beeinträchtigte Sportlerinnen und Sportler erreicht und damit wirksame Signale für Inklusion und Menschenliebe aussendet. Wie rief die Schirmherrin einst in ihrer viel ­beachteten Eröffnungsrede der Special Olympics Summer Games 1987 ihren Schützlingen zu: „Ihr seid die Stars und die Welt beobachtet euch. Mit eurer Präsenz sendet ihr eine Botschaft an jedes Dorf, jede Stadt, jede Nation – eine Botschaft der Hoffnung, eine Botschaft des Sieges. Das Recht auf jedem beliebigen Spielfeld zu spielen? Ihr habt es euch verdient!“ (Auszug).

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Wer echte Freude bei vollem Einsatz erleben will, der schaut Special ­Olympics.

2017 finden sich diese Spielfelder für insgesamt neun verschiedene Sportarten – vom Skirennlauf übers Langlaufen und Eistanzen bis zum Floor Ball oder Eisstockschießen – und für das völkerverbindende Gesamterlebnis eben in den steirischen Bergen, im Messe­congress Graz, im Eisstadion Liebenau und auch in den rund 100 Host Towns in allen Bundesländern. Dort bekommen die aus 107 Nationen anreisenden Athletinnen und Athleten die Tage unmittelbar vor der Eröffnung bei Gastfamilien, in teilnehmenden Pensionen und Hotels ­Gelegenheit zum Akklimatisieren und Kennenlernen des Landes Österreich und seiner Menschen. Danach werden sie von ihrem jeweiligen Gastgeber dann pünktlich zu den Spielen gebracht.

Dieses Logistikprojekt ist nur eine von vielen Herausforderungen, denen sich das 50-köpfige Organisations­team rund um die Geschäftsführer Marc Angelini und Markus Pichler zu stellen hat. Andere Beispiele für die einzigartige Komplexität sind unter vielem anderen die Abwicklung des gut achtstündigen Sportprogramms an allen acht Bewerbstagen oder die 1000 Siegerehrungen mit zahlreichen Stockerl-Novizen. Oder auch das durchaus ehrgeizige Healthy-Athletes-Projekt: „Dabei bieten wir einen Gesundheitscheck für alle Teilnehmer an – für nicht wenige die erste wirklich umfassende Untersuchung. Dafür wird mit 120 Medizinern und rund 900 Volunteers, etwa Medizinstudenten, eine komplette Diagnosestraße für sämtliche Bereiche errichtet und bei Bedarf werden beispielsweise Augengläser, Sonnen­brillen oder Hörgeräte zur Verfügung gestellt.“ Klar, dass hier ein reibungsloser Ablauf garantiert werden muss, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Den Benefit sieht der einstige Nationalteam-Handballer Pichler nämlich nicht nur in der medizinischen Betreuung, sondern auch im nachhaltigen Zusammentreffen. Angehende Ärzte oder Physiotherapeuten werden für die besonderen Bedürfnisse besonderer Patienten sensibilisiert und damit um ein gutes Stück Erfahrung für die berufliche Laufbahn reicher. Überhaupt ist diese Nachhaltigkeit das Hauptanliegen: „Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, das Licht auf unsere Sportler zu lenken und das Bewusstsein von jungen Leuten wie unseren 3000 Volunteers, sich mit deren in manchem besonderen Bedürfnissen zu beschäf­tigen. Nach diesen Zusammentreffen im Sport und im Spiel sind etwaige Behinderungen meist keine Thema mehr.“

Gleiches gelte auch für die hoffentlich zahlreichen Zuschauer bei den Wettkämpfen. Was diese erwartet? „Echte Emotion und totale Ehrlichkeit. Diese Menschen sind von einer entwaffnenden Direktheit und Begeisterung. Für alle, die sich darauf einlassen, sind ihre sportlichen Leistungen eine wahre Inspiration“, so Markus Pichler.

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Dream-Team in Flachau: Marlies Raich und Special-Olympics-Racer Daniel Schaberreiter (l.)

Bestätigt wird dies von einer, die in jeder ­Hinsicht weiß, wovon sie spricht. Als erfolgreichste Slalomläuferin der Weltcupgeschichte galt und gilt Marlies Raich vielen als Vorbild an Passion und Geradlinigkeit und als eine von zahlreichen prominenten Special-Olympics-Botschafterinnen als hochempathische Unterstützerin der anstehenden Spiele. Zusammen mit ihrem Mann und Ambassador-Kollegen Benni drehte sie ein gefühlvolles Promotion-Video, im Rahmen des Weltcups in Flachau bretterte sie bei der Star Challenge im Team mit Special-Olympics-Skiass Daniel Schaberreiter durch den Stangenwald. „Die Winter Games sind eine extrem gute Sache. Von der Freude, mit der diese Sportler bei der Sache sind, kann sich jeder etwas abschauen“, so Marlies Raich, die dann auch bei den Alpinbewerben in Schladming-Rohrmoos dabei sein wird und hofft, den einen oder anderen Tipp geben zu können. Die wohltuende Wirkung durch den näheren ­Kontakt mit ihren Schützlingen bestätigt die mittlerweile 35-jährige Mama eines nun eineinhalbjährigen Buben gern: „Ich hatte davor nicht wirklich oft Gelegenheit zu persönlichen Treffen. Anfangs war ich deshalb unsicher, aber die so direkte Art macht einen da schnell locker. Diese Menschen haben sich die Gabe erhalten, ganz direkt zu sagen, was sie denken. Das ist wirklich herzerfrischend!“

Wer nun den so positiven Effekt in der eigenen Seele spüren will, der macht den Check am besten live. Alles zum Sportprogramm, zu Fan-Aktionen etwa auch für Schulen und allen Side-Events der Special Olympics World Winter Games 2017 in Schladming-Rohrmoos, Ramsau und Graz findet man unter: www.austria2017.org