Schatten-Männer

Hütchenaufsteller war gestern. Heute sind Co-Trainer loyale Vertraute, unverzichtbare Bindungsglieder und Masterminds im Hintergrund. Wir holen mit Thomas Kristl (ÖFB), Peter Hermann (Bayern) und Thomas Hickersberger (Rapid) drei von ihnen vor den Vorhang.

//text: Markus Geisler // foto: Gepa Pictures //

Thomas Kristl – der Loyale Mittlerweile reicht ein kurzer Blick von Franco Foda und Thomas Kristl weiß genau, was sein Chef will. „Man kann schon sagen, dass wir uns auch ohne viel Worte verstehen“, sagt der 54-Jährige, der seit 2009 treuer Begleiter seines deutschen Landsmannes ist – mit einer kurzen Ausnahme: Als Foda 2012 sieben Runden vor Schluss bei Sturm gefeuert wurde, übernahm Kristl bis Saisonende. „Ich habe mich mit Franco abgesprochen, hätte er etwas dagegen gehabt, hätte ich es nicht gemacht.“ Zum Zeichen der Loyalität ließ er sich den Schriftzug „Danke, Franco“ auf die Jacke drucken. Deutlicher kann ein Bekenntnis kaum ausfallen. „Ich wollte mich damit nicht nur bei ihm bedanken, sondern auch zeigen, dass er sich so einen Abgang von Sturm nach all seinen Verdiensten nicht verdient hatte“, erzählt Kristl, der kurz nach dieser Episode beim 1. FC Kaiserslautern anheuerte – mit Foda als Vorgesetztem natürlich.

Dem Engagement beim ÖFB ging dementsprechend kein übertrieben langer Akt des Sinnierens voraus – obwohl es bei Sturm Graz durchaus handfeste Überlegungen gab, Kristl zum Cheftrainer zu machen. „Ich fand aber, dass wir mit unserem gemeinsamen Weg noch nicht am Ende waren“, sagt Kristl, „und es ist eine große Heraus­forderung und eine noch größere Ehre, Co-Trainer der öster­reichischen Nationalmannschaft zu sein.“ Dass er weiter in der zweiten Reihe steht und nur einen Bruchteil des Scheinwerferlichts abbekommt, das auf Franco Foda fällt, trägt er dabei mit Fassung. Seine Erfahrungen als Headcoach machte er in den 2000er-Jahren, als er zunächst in der deutschen Landesliga, später dann bei Jahn Regensburg in der 3. Liga das Zepter schwang.

Sein damaliger Assistent war übrigens ein gewisser Markus Weinzierl, später Trainer in Augsburg und Schalke und ebenfalls Kandidat für den ÖFB-Posten. „Manche sagen, er hat von mir den letzten Feinschliff bekommen“, meint Kristl mit einem Augenzwinkern. Seine Aufgabe im „Team Foda“, zu dem unter anderem auch Imre Szabics gehört, sind relativ leicht zu umreißen: „Wir sprechen alles ab, jeder bringt seine Meinung ein, da kann es durchaus auch zu unterschiedlichen Ansichten kommen. Am Ende entscheidet es natürlich Franco.“ Kristl ist der Typ Trainer, bei dem sich ein Spieler durchaus einmal „ausweinen“ kann, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt: „Sie wissen dann, dass ich die Angelegenheit so diskret behandle, wie es eben geht. Der gemeinsamen Erfolg steht in einem Team immer im Vordergrund.“ Und den haben die beiden Männer, die sich nach einigen Aufeinandertreffen als Bundesligaspieler 2004 bei der Ausbildung zum Fußballlehrer in Köln näher kennenlernten und auch privat befreundet sind, durchaus vorzuweisen.

Thomas Kristl (ÖFB), Thomas Hickersberger (Rapid) und Peter Herman (Bayern): Wir holen drei Schattenmänner des Fußballs vor denVorhang. Die ganze Story lesen Sie im neuen Sportmagazin.  Hier geht’s zum Sportmagazin-Abo: www.magazin-abo.com