Roger Federers Rezept: Kurzer Prozess

Mit seinem denkwürdigen Fünfsatzerfolg über Rafael Nadal im Endspiel der Australian Open 2017 krallte sich der 35-jährige Roger Federer bekanntlich seinen 18. Einzeltitel bei einem Grand-Slam-Turnier. Aber wie hat der nun schon seit fast 20 Jahren über die Profitour spukende Offensivgeist das geschafft? Kurz gesagt mit einem nicht mehr für möglich gehaltenen Plus an Angriffslust und Präzision. Genauer erzählt es die Statistik. Etwa in der Kategorie „First Strike“.

//Text: Fritz Hutter //Foto: IMAGO

MISTER FIRST STRIKE

Bei 71 Prozent all seiner Punkte während der Australian Open 2017 schlug der Schweizer nicht mehr als zwei Bälle, ging also besonders häufig in der Kategorie „First Strike“ (Ballwechsel von 0 bis 4 Schlägen) sofort auf den Punkt. Nur 8 Prozent aller Federer-Rallys dauerten neun oder mehr Schläge.

LÄNGE MAL BREITE

Ein weiterer Beweis für Roger ­Federers Vertrauen in sein Angriffstennis war das Risiko, das er mit seiner in der Vergangenheit vergleichsweise wackeligen Rückhand nahm. Bei 60 Prozent aller ein­armigen Backhands nahm der ­„Maestro“ die sogenannte Wide Zone, also den Bereich ganz nah an Seiten- und Grundlinie, ins Visier. Auf diese Art gelangen mehr Winner und Schläge, die zu unerzwungenen Fehlern führten, als in den beiden Aussie-Open-Pleiten gegen Nadal 2012 und 2014, als Federer noch fast zwei Drittel seiner Rückhände ­deutlich harmloser in der Mitte des Courts platziert hatte.

SERVICE TOTAL

Im Laufe der Australian Open 2017 gewann Roger Federer in 28 gespielten Sätzen 117 seiner Service-Games, nur 16 gingen verloren. Insgesamt gelangen Federer 108 Asse, während ihm nur 18 Doppelfehler unterliefen.

WINNER SATT

Über das ganze Turnier gesehen waren 366 Punkte nach einer Federer-Vorhand zu Ende. 120 Winner stehen 117 unerzwungenen und 129 vom Gegner erzwungenen Fehlschlägen gegenüber. Im Finale gelang es Nadal allerdings nur 13-mal, seinen Gegner zu einem Vorhandfehler zu verleiten. Hingegen musste der Spanier 26 direkte Vorhandgewinnschläge des Schweizers einstecken.

Fünf weitere, sehr gute Gründe für die Federer-Renaissance  in Australien finden Tennisfans im aktuellen Sportmagazin. Erhältlich ist dieses übrigens auch unter https://www.magazin-abo.com/