Rafael Nadal: Der Superlearner vom Dienst

Der neunfache Paris-Sieger Rafael Nadal ist trotz jüngster Federer-Klatschen ein ­Phänomen in Sachen Weiterbildung. Mit seinem 10. vollen Erfolg beim ATP-1000-Klassiker von Monte Carlo im Köcher steht das aktuelle Update nun für einen neuen Tennisrekord parat.

//Text: Fritz Hutter //Foto: imago sportfoto

Gewonnen hat das Endspiel der Australian Open 2017 ja Roger Federer, aber der Finalgegner des Schweizers verdient eindeutig den so oft unsinnig verwendeten Titel „zweiter Sieger“. Rafael Nadal (30) hat sich neu erfunden. Zum wiederholten Mal. Nach einem Seuchenjahr mit zwei zumindest achtwöchigen verletzungsbedingten – Handgelenk links – Tennis- bzw. Turnierpausen kehrte er bei einem Showevent vor Weihnachten mit zwei auf messerscharf geschliffenen Waffen zurück. Sowohl die schon immer solide, aber nur selten zwingende beidarmige Rückhand wie auch den ein weiteres Mal optimierten Aufschlag präsentierte der 14-fache Grand-Slam-Sieger dann in Melbourne als zusätzliche Optionen für rasche Punktgewinne. Als Verstärkung für die schon immer gefürchtete Vorhandpeitsche und als Entlastung für die legendäre, aber immer wieder kniebeleidigende Beinarbeit. Die Folgen: deutlich mehr Nadal-Winner als je zuvor, ein praktisch gleich hohes Servicedurchschnitts­tempo wie Roger Federer und, wahrscheinlich am wichtigsten, deutlich weniger Laufkilometer. In vier seiner sieben Aussie-Open-Partien rannten die Gegner teils signifikant mehr als die spanische Kampfmaschine, Scharfschütze Federer im Endspiel dann nur 90 Meter weniger. Daten wie eine Kampfansage an die Mitbewerber und an jene, die „Sandmann“ Nadal niemals einen Wimbledon-Triumph (erledigt 2008 und 2010), sicher keine 16 Hartplatztitel und schon gar keine Rückkehr als Konkurrent um die Nummer 1 zugetraut haben. Das spielerische Update zu Nadal 3.0 liefert einen feschen Beweis dafür, dass es den Allergrößten um weit mehr als Geld geht, etwa um die ewig verlockende Herausforderung, das Unmögliche möglich zu machen. Wenn nötig, holt man sich dafür auch noch 27 lange Jahre nach den ersten Tennisschlägen einen neuen Chefttrainer. Schauma mal, wohin Neo-Supercoach Carlos Moya, der im Herbst das Ruder von Rafael Nadals Onkel Toni gänzlich übernehmen soll, seinen Schützling noch pushen kann. Beim 10. Triumph in Monte Carlo – keinem anderen ATP-Profi sind derart viele Siege bei ein und dem selben Event gelungen – vibrierten jedenfalls beide Herren in der Box mit.  Und in ­Paris stünde für den glühenden Real-Fan Rafael Nadal von 28. Mai bis 11. Juni schon wieder etwas an. Das nächste La ­Décima nämlich …

Die Originalversion dieser nun aktualisierten Story erschien Ende März im Sportmagazin 3/2017.