Qualfahrtsorte, Teil zwei: Auf der Insel der Seligen

Mit 280 durch ein Dorf, Topspeed 332. Die Tourist Trophy auf der Isle of Man ist das gefährlichste Rennen der Welt, 243 Menschen sind dabei gestorben. Ein Österreicher hat es dreimal gewonnen. Ein Auszug: Die Isle of Man.

Der Wahnsinn kann skizziert werden: 250 meist nicht einsehbare Kurven, Kuppen, Brücken. Links und rechts stehen Pfosten, Mauern, Zäune. Oft hat es Nebel. Die 60 Kilometer lange Rundstrecke auf der Isle of Man spielt seit 1911 das Lied vom Tod, hier findet das älteste und gefährlichste Motorradrennen der Welt statt: die Tourist Trophy. Wo man an normalen Tagen eine 30-km/h-Beschränkung mehr oder weniger respektiert, erreichen die Piloten plötzlich 235 km/h.

332.60 Kilometer und tausend Chancen zu sterben

Topspeed: 332.60 Kilometer und tausend Chancen zu sterben, auf der ruppigen und schlecht asphaltierten Straße abzuheben. Piloten sind schon hunderte Meter eine Böschung runtergeflogen, in Hausmauern gekracht oder haben sich in einen Garten gegraben. Trotzdem kommen immer mehr und mehr Roadracer, um hier an der Tourist Trophy teilzunehmen. „Wer hier keine Angst hat, der ist irre.“

Das sagt der Steirer Horst Saiger und trägt sich wieder in die Nennliste ein. Klaus Klaffenböck, der Seitenwagen-Weltmeister aus Wels, hat sogar dreimal gewonnen. Jetzt lebt er hier und führt Touristentouren. Legenden zu erzählen gibt’s genug. Etwa die von Rekordsieger Joey Dunlop, der 26-mal gewann und dann, 2000, in Estland verunglückte. Acht Jahre später erwischte es seinen Bruder, drei Tage später siegte dessen Sohn. Ein schrecklicher Algorithmus aus Siegen und Sterben scheint hinter diesem Rennen zu stehen. Überall in der Welt sind solche Veranstaltungen längst Geschichte und verboten, doch die Nachfrage hier ist so enorm, dass niemand es wagen würde, die Tourist Trophy zu verbieten. Zu groß ist der Mythos, zu wichtig der Tourismus, zu stark der Reiz der Todesverachtung. Selbst die Autoindustrie ist fasziniert: Der Audi TT ist nach der Tourist Trophy benannt.

Der Event Motorrad-Straßenrennen auf der Isle of Man, Distanz pro Runde: 60 km Seit 1911 Der erste Sieger Charles Collier; gründete gemeinsam mit seinem Bruder die Firma Matchless Opfer 243 Österreich-Bezug Klaus Klaffenböck siegte dreimal, Rupert Hollaus 1954. Martin Loicht verunglückte 2010 tödlich.

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