Pöltls Chancen: Ein Wiener in Toronto

Aufgrund chronischer Harmlosigkeit der einst heiligen Maple´Leafs und des gleichzeitigen Aufstiegs der so zielsicheren Raptors vollzieht Toronto gerade den Wandel vom Eishockey- Paradies zum Basketball-Hotspot einer ganzen Nation. Auch ein junger Wiener versucht sich nördlich der US-Grenze zu verwirklichen – mit durchaus erbaulichen Aussichten.

//Text: Tobias Wimpissinger
//Titelbild: (c) GEPA Pictures

In der Nacht auf Donnerstag (1.30 MESZ) endet für Jakob Pöltl der Traum von der NBA. Mit dem Auftakt zur neuen Saison gegen die Detroit Pistons wird sein Platz in der größten Basketball-Show der Welt tatsächlich Realität. Doch wie stehen die Chancen für den Rookie

Der Wiener, in seiner Rookie-Saison mit einer Aufwandsentschädigung von 2,7 Millionen Dollar entlohnt, stößt zu einem fertigen Team, das auf die erfolgreichste Spielzeit seiner noch jungen Geschichte zurückblickt und dessen Angestellte großteils auf dem Höhepunkt ihres Schaffens agieren. Da NBA-Franchises aufgrund der Paritätsmechanismen der Liga meist nur ein sehr kurzes Zeitfenster auf eine echte Titelchance bleibt, sollen der Neuner-Draft der University of Utah und der ebenfalls in Runde eins gezogene Pascal Siakam nicht für Zukunftsvisionen herhalten, sondern sofort in die Rotation integriert werden. Die Guards DeMar DeRozan und Kyle Lowry tragen das Spiel der Raptors gemeinsam mit dem abartig effektiven Jonas Valanciunas, einem von nur sieben NBA-Centern, denen heuer mehr Dollars aufs Konto gebucht werden als Pöltl. Doch während der Balte unter dem Korb praktisch permanent einen zweiten Verteidiger bindet, wird seine vehemente Weigerung bekrittelt, einen Pass zu spielen.

So errechnete die US-Sportbibel Sports Illustrated, dass der Pöltl-Konkurrent unter dem Korb über vier Saisonen lediglich alle 41 Minuten einen Assist leistet. Dem nominellen Back-up scheint durchaus bewusst zu sein, dass er den Starter in seiner Rookie-Saison kaum aus der Mannschaft spielen wird, doch gilt der 21-Jährige als extrem pflegeleicht mit einer imposant schnellen Auffassungsgabe. „Anweisungen gut umsetzen zu können hat immer schon zu meinen Stärken gezählt. Ich denke, diese Fähigkeit ohne Probleme auch auf die NBA übertragen zu können.“

Erstmals sah General Manager Masai Ujiri einen direkten Vergleich seiner Center bei einem Länderspiel 2015 in Litauen, in dem Pöltl trotz 71:86-Klatsche bemerkenswerte 27 Punkte beisteuerte.„Jonas gehört sicherlich zu den besten Big Men in der NBA und auch wenn ich am Anfang um jede Minute Spielzeit kämpfen muss, bin ich zuversichtlich, in Zukunft in der Liga eine größere Rolle einnehmen zu können.“ Wie lange es dauern wird, hänge von vielen Faktoren ab: „Als Rookie musst du zunächst dort sein, wo du gebraucht wirst, und für alles offen sein.“

Warum gerade den Toronto Raptors goldene Zeiten bevorstehen und warum Basketball Eishockey (ja, richtig gelesen!) in Toronto bald den Rang abläuft, lesen Sie in der neuen Ausgabe des SPORTMAGAZINS!