Paralympics Rio: Wieder Gold für Pepo Puch

Österreichs heißester Anwärter auf eine Goldmedaille bei den Paralympics in Brasilien ist Pepo Puch. Der ­gebürtige Grazer schrieb bereits vor vier Jahren rot-weiß-rote Reitsport­geschichte, als der damals 46-Jährige als erster Österreicher Gold in der ­Para-Dressur gewann. In Rio zählte der Steirer abermals zum Favoritenkreis. Und siegte neuerlich. Hier unser Porträt aus dem vergangenen Juli.

//Text: Jürgen Garneyr //Fotos: Picturedesk.com, ÖPC/Franz Baldauf, Imago Sportfoto

Den 30. August 2008 wird Pepo Puch nie vergessen. An diesem Tag verändert sich das Leben von Österreichs bestem Vielseitigkeitsreiter schlagartig: Der Murtaler stürzt bei einem Turnier im deutschen Schönefeld schwer, wird bald danach jedoch nicht müde zu erklären, dass es sich um keinen Reitfehler, sondern um ein technisches Problem an seiner neu entwickelten Airbag-Weste gehandelt habe. Bei dem Turnier strauchelte sein Pferd und die Weste explodierte irrtümlich. Dadurch erschrickt das Pferd, Puch fällt und kann sich aufgrund der aufgeblasenen Weste nicht abrollen. Die erschütternde Diagnose: Bruch des dritten und vierten Halswirbels – inkomplette Querschnittslähmung. „Die Diagnose war brutal und ich konnte es zuerst gar nicht glauben“, so Puch.
Für die Operationen und die anschließende Reha bringt Pepo Puchs Frau Michele ihren Mann in die Schweiz. So schnell als möglich wird mit der Reha begonnen, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Die Therapie schlägt bei dem gelernten Rauchfangkehrer sehr gut an. Nach zwei Wochen kann er bereits seinen linken Zeh bewegen – das erhoffte Erfolgserlebnis. „Ich wollte es nicht akzeptieren, den Rest meines Lebens im Rollstuhl zu sitzen. Darum habe ich mental hart gearbeitet, denn am Anfang kann man sich seine Bewegungen nur denken, aber Leben heißt Arbeiten und außerdem hatte ich ja sonst nichts zu tun“, scherzt der frischgebackene österreichische Meister. Immer an seiner Seite: Frau Michele und Tochter Lou. Sechs Monate nach dem Unfall kann sich Puch schließlich mit der Hand ins Gesicht greifen. Und schon kurze Zeit später sitzt der Murtaler wieder auf dem Pferd. Aufgrund der Steifheit seines Oberkörpers schafft es der Steirer sogar, aufrecht zu stehen. „Das funktioniert wie ein Dreibein und ich war sehr stolz, als ich diesen Meilenstein geschafft hatte“, betont der 50-Jährige im Sportmagazin-Gespräch.
Der Therapieaufenthalt veranlasst Pepo Puch, seinen Lebensmittelpunkt vom steirischen Wasendorf in die Schweiz zu verlegen, die Heimat seiner Frau, denn am Fohlenhof in Wermatswil findet er optimale Trainingsbedingungen vor. In der Folge wird der Steirer Europameister, führt lange Zeit die Weltrangliste an und gewinnt als erster Öster­reicher Gold bei den Paralympics 2012 in London. „Es war wahnsinnig lässig, in London zu sein. Bei der Siegerehrung war es im Stadion so laut, dass man fast nichts gehört hat“, erzählt Puch. Davor hatte der Wahlschweizer mit seiner Stute „Fine Feeling“ schon die Bronzemedaille in der Einzelwertung (Championshiptest) geholt. Umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass zwischen den beiden Wettbewerben seine Schwiegermutter überraschend an einem Herzinfarkt stirbt.

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Derzeit läuft die Vorbereitung auf die Paralympics in Rio de Janeiro auf Hochtouren. „Schön langsam werde ich selber immer nervöser“, gesteht der Reitsportler. Doch dazu besteht kein Grund: Auch 2016 gewinnt Puch die öster­reichischen Meisterschaften in Wattens, es ist der vierte Staatsmeistertitel hintereinander. Als Favorit sieht sich Puch in Brasilien allerdings nicht. „Wir studieren gerade eine neue Kür ein und die Konkurrenz ist sehr stark. Ich muss nur demütig bleiben und den Druck von mir fernhalten“, verrät er seine Strategie für Rio. Unterstützung erhält der Steirer wie immer von seiner Familie. Zum Großereignis in Rio reisen wieder Frau Michele und Tochter Lou (Foto oben), beide selbst begeisterte Reitsportler, an.

PS: Letztlich lief neuerlich alles nach Wunsch und Pepo Puch eroberte auf Fontainenoir auch in Rio de Janeiro Paralympisches Gold im Dressurreiten.

Passport: Pepo Puch
Der 50-jährige Steirer lebt mit seiner Frau Michele und seiner Tochter Lou in der Nähe des ­Zürichsees in der Schweiz. Zu seinen größten Erfolgen als Behindertensportler zählen seine Gold- und Bronzemedaille bei den Paralympics 2012 in London sowie seine zwei Europameister­titel 2013 in Herning. Vor seinem Unfall war Puch Österreichs bester Vielseitigkeitsreiter und nahm sogar an den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen teil. Neben seiner Leidenschaft für den Reitsport ist Puch auch ein erfolgreicher Unternehmer, der Paralympics-Goldmedaillengewinner führt seit dreißig Jahren einen Rauchfangkehrerbetrieb in seiner steirischen Heimat.