Österreichs Stürmerhoffnung wechselt nach Italien: Jackpot Jakupovic

Wie der Transferpoker um Österreichs Offensiv-Versprechen wirklich lief, was den Zlatan-Fan Arnel Jakupovic in Empoli erwartet und warum auch die Austria von dem Deal profitiert.

//Text: Tom Hofer //Fotos: Christian Hofer

Die Reise in die Zukunft beginnt für Arnel Jakupovic am 1. Februar um 4 Uhr früh. Papa Amir chauffiert seinen Sohn von Wien aus 800 Kilometer Richtung Süden. Das Ziel heißt Empoli, eine 50.000-Einwohner Kleinstadt in der Toskana. Beim aktuell 17. der Serie A, will der 18-jährige Striker groß rauskommen. Eine Million Euro werden die Italiener als Ablöse nach Middlesbrough überweisen. Nie hat ein Klub für einen heimische Kicker in diesem Alter mehr bezahlt. Doch wie kam’s zu dem Deal und vor allem – was bringt er? „Alles Gute und viel Glück! Das ist der größte Fehler, den wir machen konnten“, lautete die Abschiedsbotschaft von Neil Bausor, Chief Executive bei Middlesbrough, an den jungen Österreicher. Ein Riesen-Kompliment für den Nachwuchsstürmer, der vor eineinhalb Jahren von der Austria Akademie zum Schnäppchenpreis von 160.000 Euro (soviel beträgt die Ausbildungsentschädigung) auf die Insel gewechselt war. Jakupovic, den sie in England der Einfachheit halber Arnie nennen, schlägt auf Anhieb ein und wird Torschützenkönig in der U23-Premier-League. Die Trainer halten große Stücke auf ihn, doch der Österreicher will mehr als Lob und Anerkennung – einen Platz im Kader der Kampfmannschaft! Aber ein Klub, der ums Überleben in der reichsten Liga der Welt kämpft, hat weder Zeit, Geduld noch den Mut zum Talentefördern. Der Kontakt mit Chefcoach Aitor Karanka, einst viele Jahre Cotrainer von José Mourinho, hält sich in Grenzen. „Eine weitere Saison in der zweiten Mannschaft bringt mich nicht weiter, ich muss jetzt den nächsten Schritt machen“, erzählt Jakupovic am Abend vor der Abreise nach Empoli im exklusiven Sportmagazin-Talk. Es waren größere Klubs als Empoli an ihm dran, aus Italien und Spanien. Doch er will jetzt vor allem eines: Spielen! Und zwar mit den Erwachsenen.

,,In Italien wird mehr Fußball gespielt als in England, wo die Bälle immer nur hoch zu mir nach vorne geschlagen wurden. Das sollte ein Vorteil für mich sein”

Die Verhandlungen zogen sich wie ein Kaugummi. Die komplizierte Ausgangslage: Die Engländer wollen ihr Juwel nicht hergeben, höchstens verleihen – aber ohne Kaufoption. Das wiederum ist für die Italiener inakzeptabel. Jakupovic-Manager Igor Gluscevic (der Montenegriner verdiente einst selbst als Mittelstürmer seine Brötchen) reist nach dreitägigem Poker frustriert aus Middlesbrough ab. Das ist der Stand vier Tage bevor sich das Transferfenster schließt. Einen Tag vor der Deadline dann doch noch das überraschende Happyend: Middlesbrough lenkt ein, kassiert eine Million (einen vertraglich fixierten Teil davon casht die Austria!) und Empoli einigt sich mit Jankupovic auf einen Viereinhalb-Jahresvertrag, Platz im Kader der Kamfmannschaft inklusive. „Ich freu mich riesig auf die neue Herausforderung, jetzt kann’s losgehen!“ ist die rotweißrote Stürmerhoffnung voll motiviert.

ARNEL JAKUPOVIC (ÖFB ÖSTERREICH U19,  FC MIDDLESBOROUGH); ©FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER, 27.5.2016
Arnel Jakupovic im Gespräch mit Sportmagazin-Fußballexperten Tom Hofer

Das ist auch notwendig, denn Empoli, das mit 9700 Fans den zweitschlechtesten Zuschauerschnitt der Serie A hat, geizt diese Saison mit Toren. Nur 13 Treffer in 22 Runden sind kein Ruhmesblatt für die Offensiv-Abteilung von Coach Giovanni Martusciello (45), der letzten Sommer vom Co- zum Cheftrainer befördert wurde. Ein Wunder, dass angesichts dieser mageren Ausbeute der Abstand auf die Abstiegszone beruhigende 11 Punkte beträgt. Der Georgier Levan Mchedlidze (26) ist mit fünf Volltreffern aktuell Topscorer. Kapitän Massimo Maccarone hat drei Mal getroffen. Der 37-jährige Glatzkopf hängt am Saisonende die Schuhe an den Nagel. Mit Jakupovic („Mein Idol ist Zlatan Ibrahimovic“) wird ein Youngster sein Nachfolger. „Das Alter spielt keine Rolle, ich will mich in einer der besten Ligen der Welt durchsetzen. In Italien wird mehr Fußball gespielt als in England, wo die Bälle immer nur hoch zu mir nach vorne geschlagen wurden. Das sollte ein Vorteil für mich sein“, meint der spielstarke Linksfuß zum Sportmagazin. Auch kein Nachteil ist es, dass mit dem Vorarlberger Marcel Büchel, der von Juventus ausgeliehen ist, aktuell ein weiterer Österreicher bei Empoli spielt.

Die Mama und Arnels kleiner Bruder werden aber ohnehin in Bälde in die Toskana nachkommen, während Papa Amir weiter im 22. Bezirk in Wien seine Transportfirma leitet. Die Arbeitsaufteilung hat sich schon in England bewährt, auch wenn sich dadurch die Familie splitten muss. Schon Ende März kommt Jakupovic wieder in die Heimat. U19-Teamchef Manfred Zsak will bei der Eliterunde in Tschechien (Gegner des ÖFB-Teams sind neben dem Gastgeber noch Schottland und Ungarn) und nicht auf seinen besten Mann im Sturm verzichten. Auch U21-Teamchef Werner Gregoritsch hat den Neo-Empoli-Legionär fix für die kommenden Aufgaben eingeplant. Bleibt zu hoffen, dass Jakupovic auch im A-Team einmal gefragt ist. Die Frage, ob er künftig für Österreich (wo er geboren ist) oder doch für Bosnien (der ursprünglichen Heimat seiner Eltern) stürmen wird, ist noch nicht restlos geklärt. „Das ist jetzt kein Thema, ich mach mir mit dieser Frage keinen Stress.“