Mythos Ajax

Seit einem halben Jahr ist Ex-Rapidler Maximilian Wöber (20) Teil eines der sagenumwobensten Klubs Europas. Wir besuchten ihn in Amsterdam – ein Report über totalen Fußball, verblassten Ruhm und Scouting auf höchstem Niveau.

//text: Fabian Zerche // foto: Imago //

Im vergangenen August wechselte der zweifache österreichische Nationalspieler Maximilian Wöber für 7,5 Millionen Euro von Rapid Wien zu Ajax. Dabei lehnte der 20-Jährige einige Wochen zuvor bereits ein Angebot von Ajax ab. Für den jungen Innenverteidiger sprach seine Perspektive bei Rapid. Ende August rief Ajax-Sportdirektor Marc Overmars, der in seiner aktiven Zeit für Barça und Arsenal zangelte, persönlich an und vermittel­te Wöber, dass ein Wechsel unabdingbar sei. „Zu diesem Zeitpunkt waren meine Eltern auf Urlaub und ich zwei Wochen allein daheim. Mama und Papa waren nicht wirklich erreichbar“, erinnert sich Wöber, der bis dahin alle wichtigen Entscheidungen mit seiner Familie besprochen hatte.

„Herr Overmars sagte zu mir: ‚Du hast bis morgen in der Früh Zeit, um dich zu entscheiden.‘ Ich hatte eine schlaflose Nacht.“ Davinson Sánchez’ Blitztransfer zu Tottenham für 40 Millionen Euro bescherte Ajax zwar einen willkommenen Geldregen, brachte den Verein aber auch unter Zugzwang. Schließlich segnete Wöber den Wechsel ab und setzte seine Unterschrift unter den Vierjahres­vertrag. Ganz druckbefreit startete das Abenteuer Ajax für Wöber aber nicht. Die Fußstapfen von Sánchez waren groß und Wöbers Preisschild nicht gerade schmal. „Viele Leute in Amsterdam haben gemeint: ‚Wenn wir einen Österreicher für über sieben Millionen holen, dann muss der schon einiges draufhaben‘“, sagt Wöber und fügt lachend hinzu: „Holländer bezeichnen sich gern als Fußballnation, die Österreicher sind hier eher fürs Skifahren bekannt.“

Der Verkauf von Sánchez und die Akquisition von Wöber stellen ein Musterbeispiel für die Vereinspolitik des Hauptstadtklubs dar. Seit jeher bemüht sich Ajax, im Scouting der Konkurrenz um einen Schritt voraus zu sein. So auch bei Wöber. Seit 14 Jahren sucht Fred Arroyo nun schon für Ajax nach Ausnahmetalenten. Wöber entdeckte er vor drei Jahren bei einem internationalen Jugendturnier in der Slowakei. „Durch einen bürokratischen Fehler agierte Rapid mit einer zwei Jahre jüngeren Mannschaft gegen Gegner aus Spanien und Argentinien“, erinnert sich Arroyo.­ „Trotzdem war Max richtig gut: intelligent, spielstark, technisch versiert.“ Exakt jenes Anforderungsprofil, das Ajax für die Umsetzung seiner stolzen Spielkultur benötigt. Spielerische Qualität auf allen Positionen, ständige Positionswechsel, Pressing und Attraktivität, immer verbunden mit dem Sinn des Spiels: Tore zu schießen. Eben ein Hauch „Totaalvoetbal“, zu Deutsch „totaler Fußball“, der in den 70er-Jahren von Ajax und der niederländischen Nationalmannschaft in Perfektion zelebriert wurde.

Mit Lorbeeren will sich Arroyo aber nicht schmücken: „Bis zu Max’ Verpflichtung hat ihn jeder unserer Scouts mindestens einmal beobachtet. Wenn möglich, versuchen wir das vor jedem Transfer umzusetzen.“ Im Bereich zwischen der U19 und der Kampfmannschaft beobachten für Ajax vier Talentspäher in Holland und drei im Ausland. Zusätzlich beschäftigt der Verein fünf Jugend­scouts für den Bereich darunter. Doch auf der Suche nach Spielern mit Potenzial hat sich die Landschaft längst verändert. „Ajax war im Scouting ein Pionier in Europa, heute macht das leider jeder Verein. Die Riesenklubs beschäftigen teilweise sogar dreißig Scouts.“

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