Monsieur 100.000 Volt

Zusammen mit seinem Partner ist der Steirer Herwig Straka Herr über drei Tennisturniere von Weltruf und bereits seit 1997 Veranstalter zahlreicher Daviscup-Partien des rot-weiß-roten Teams. Auch Österreichs herbstlichen Sturm auf die Weltgruppe wird er ausrichten.  Schon jetzt erzählt er von den ganz speziellen Matches, die er in Wien, Stuttgart, Mallorca oder Graz zu gewinnen hat.

//Text: Fritz Hutter //Fotos: GEPA-Pictures.com, Imago, emotion

Der Platz für ein Gespräch mit Herwig Straka, mit Kompagnon Edwin Weindorfer Gründer und Geschäftsführer der Agentur emotion, hätt nicht besser gewählt werden können. Der galaktische VIP-Klub der von Ion Tiriac ausgerichteten ATP Masters 1000 von Madrid, wo Österreichs Weltklasse-Caterer Do & Co. täglich zweimal 2500 Gästen den gastronomischen Himmel auf  Erden bereitet, ist auch für Österreichs umtriebigsten Veranstalter von Tennis- und Sport-Events das Non-Plus-Ultra: „Es gibt auf der ganzen ATP-Tour nichts Vergleichbares.“

Parallelen zwischen dem so speziellen Universum des rumänischen Milliardärs Tiriac im futuristischen, 2004 für Madrids letztlich allesamt gescheiterte Olympia-Bewerbungen errichteten und atmosphärisch durchaus etwas blechern wirkenden Sportkomplex Caja Mágica am Ufer des Manzanares und den emotion-Turnieren bestehen trotzdem. Etwa das Bemühen, allen, also Spielern, Fans, Gästen und Sponsoren, das optimale Erlebnis zu bieten.

Wo die Musik spielt

Die Herausforderungen dabei präsentieren sich für Herwig Straka (oben mit Wien-Sieger 2017 Lucas Pouille)  und an die 30 Mitarbeiter in heute vier Büros je nach Ort des Geschehens freilich immer völlig unterschiedlich. Seit 2009 etwa hat man das traditionsreiche Turnier in der Wiener Stadthalle im Portfolio und konnte dieses 2015 in die zweithöchste Kategorie  ATP World Tour 500 beamen.  Die von 22. bis 28. Oktober anstehenden Erste Bank Open  warten 2018 mit einem Preisgeld von insgesamt 2,75 Millionen Euro auf. Addiert man noch die nötigen Startgelder für Wunschstars wie Novak Djokovic, Japans Sportidol Kei Nishikori, Koreas Super-Rookie Hyeon Chung oder natürlich auch Österreichs Top-10-Mann Dominic Thiem, so wird heuer wohl ein Gesamtbudget von über 4 Millionen nötig sein. Trotz dieser beeindruckenden Summe sieht jener Mann, der einst in seiner Heimatstadt Graz für über zehn Jahre mit einem internationalen Tennisturnier auf einem Supermarktdach für Furore sorgte, die besondere Challenge in Wien wo anders: „Das Schwierigste ist es, einem Turnier, das es derart lange gibt und das jeder von der Atmosphäre und vom Stadion her kennt, einen eigenen Stempel aufzudrücken. In der Stadthalle ist es extrem schwer, deine Handschrift darzulegen. Du bist durch die Lokalität aber auch die Geschichte eingeschränkt. Wir sind aber schon sehr weit mit einem Konzept, das Turnier bereits ab 2019 noch unverwechselbarer zu machen.“

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Neben Local Hero Dominic Thiem (hier nach einem von Sky organisierten Pressegespäch) will Herwig Straka bei den Erste Bank Open 2018 weitere Superstars vom Kaliber Rafa Nadal oder Novak Djokovic präsentieren

Für die neue Strategie hat man drei für Wien typische Markenkerne herausgearbeitet und will dem Turnier in drei Bereichen zusätzliches Flair verpassen. „Natürlich Top-Hallentennis, dann die Gastfreundschaft und drittens die Musik, genauer die klassische Musik, und eine ihrer weltberühmten Bühnen, die Staatsoper – das sind jene Bereiche, in die wir uns aktuell vertiefen, um das Turnier wirklich einzigartig zu machen. Das Ziel muss sein, dass man das Fernsehgerät einschaltet und sofort weiß, das ist Wien“, so die sehr konkrete Vision des Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlers, der einst als Schwimmer selbst zu Meisterehren kam und nun die Bekanntheit der Donau-Metropole noch intensiver für eines der größten Tennis-Events Europas nutzen will. Idealerweise mit künftig mehr Support durch die Stadt, „die sich bei uns auf ein Top-Event draufsetzen und damit möglicherweise noch mehr erreichen könnte als mit extra zu schaffenden Werbe-Events im Ausland. Immerhin bespielen wir 183 Länder im TV“.

Mehr Österreich für Deutschland

Gänzlich anders liegen die Dinge beim ebenfalls höchst traditionsreichen Mercedes Cup am Stuttgarter Weißenhof. Dort wirken Herwig Straka und Turnierdirektor Edwin Weindorfer seit 2007 als Veranstalter des Vertrauens und haben seither an vielen Schrauben gedreht.   Vom Belag – seit 2015 spielt man ja unmittelbar nach Paris auf Rasen – über die Infrastruktur des 1914 gegründeten Klubs bis hin zum Mindset: „Man darf sagen, dass alles im positiven Sinne, auch vom Lösungsansatz, „österreichischer“ geworden ist. Man hat uns anfangs  im Schwabenland gesagt, dass es dauern wird, bis wir die Herzen erobert haben. Aber wenn das dann geschafft ist, dann hält es ewig. Und genau dort sind wir jetzt.“ Der Belagwechsel war nach außen natürlich die auffälligste Veränderung, aber besonders die Art, wie sie ein Jahr zuvor mit John McEnroe als Testimonial  und der ganzen Promotion drumherum eingeleitet wurde, sei  als „unschwäbisch“ aber mit Begeisterung aufgenommen worden. „Trotzdem haben wir auch in Stuttgart einiges dazulernen müssen. Ein VIP-Bereich wie hier in Madrid  wäre dort undenkbar, weil das Klientel einfach nicht da ist. Viele Leute haben dort Geld, wollen es vielleicht auch ausgeben aber sicher nicht herzeigen. Da mussten wir manche Produkte anpassen.“

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Seit 2016 ist Roger Federer Dauergast beim Mercedes Cup und Turnierdirektor Edwin Weindorfer (li.)

Dass Stuttgart, wo heuer von 9. bis 17. Juni unter anderem zum dritten Mal am Stück auch wieder Roger Federer aufschlagen wird, ganz anders als Wien, ungebrochen ein Klubturnier ist, stellt die steirischen Organisatoren auch vor andere Aufgaben. „Du hast dort beispielsweise einen sehr schönen Spielerbereich im Klubhaus. Aber es ist klar, dass dort neben einem Federer oder Nadal  auch die Mitglieder reindürfen, denn es ist und bleibt ihr Klubhaus. Da geht es aber nicht darum, dass man den Stars nahe sein will, sondern es einfach gewohnt ist, dort das ganze Jahr aus und ein zu gehen.“

Ladies ticken anders

Das jüngste Tennis-Event im emotion-Kalender sind die 2016 erstmals ausgetragenen Mallorca Open, die zu den offiziellen Vorbereitungsturnieren für Wimbledon zählen, aber ausschließlich den Damen vorbehalten sind. „Und das ist wieder etwas ganz anderes. Beispiel Trainingsplätze: Da sind die Damen vielfach deutlich sensibler. Meist wollen sie allein, nur mit dem eigenen Coach am Platz stehen, während es den Männern oft sogar egal ist, wenn sie zu viert trainieren. Das heißt, du brauchst für ein Damenturnier schon einmal doppelt so viele Trainingscourts. Und weil die WTA derartige Sonderwünsche ihrer Spielerinnen auch noch massiv unterstützt, kannst du als Veranstalter auch nicht auf Vernunft pochen – das ist einfach so“, erklärt Herwig Straka, der im Damentennis aktuell zudem die Superstars dünn gesät sieht und deshalb in der Promotion andere Weg einschlagen muss. So wird verstärkt das Gesamterlebnis und das Drumherum statt purer Sport allein präsentiert. Den Besuchern bietet man einen schönen Tag – mit Tennis als Anlass. Die Frequenz in der VIP-Area sei mittlerweile sehr erfreulich, die breite Masse der Tennisfans hingegen schwerer anzusprechen.

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Anastasija Sevastova ist Titelverteidigerin bei den Mallorca Open und wird zudem von Herwig Straka als Manager betreut

Dass man überhaupt auf der so traditionsreichen Ferieninsel spielt, fußt auf einer Empfehlung von Wimbledon. Dadurch, dass der Rasen-Slam seit 2015 eine Woche später als einst gewohnt steigt, ist eine zusätzliche Rasenwoche im Turnierkalender frei geworden und die Verantwortlichen im All England Club haben der WTA Straka & Weindorfer als Ausrichter eines neuen Turnieres ans Herz gelegt. „In Sachen Location hatten wir freie Wahl und wollten ursprünglich ins für Damentennis so begeisterte Deutschland. Weil aber dort zum selben Termin das Turnier in Halle läuft, sind wir eben nach Mallorca, bekanntlich die zumindest zeitweilige Heimat von über einer Million Deutschen. Und deshalb arbeiten wir daran, ein „Heimturnier“ von Kerber, Görges und Co zu schaffen. Ganz sind wird da aber ehrlicherweise noch nicht angekommen“, so Herwig Straka vor der dritten Auflage der Mallorca Open die von 17. bis 24. Juni mit dem noblen Ambiente des Country Clubs von Santa Ponsa aber auch mit Angelique Kerber oder Victoria Azarenka aufwartet.

Back to the Roots

Ein lupenreines Heimspiel wird hingegen das von 14. bis 16. September anstehende Daviscup-Playoff um den Aufstieg in die Weltgruppe zwischen Österreich und Australien. Einmal mehr erhielt Strakas Agentur emotion den Zuschlag des ÖTV als Veranstalter und die vom Team wohl zu Recht eingeforderten Sandplätze werden am so weitläufigen Gelände der Grazer Messe installiert. „Graz hat das beste Gesamtangebot gemacht, auch weil die Location das mit Abstand geringste Risiko mit sich bringt. Die haben dort zum Beispiel einen überdachten Freibereich mit 4000 Quadratmetern. Ideal, sollte es im September einmal zwischendurch regnen. Und auch der Rest der Infrastruktur ist auf höchstem Niveau.“

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Von 14. bis 16.9. spielt Österreich gegen Australien in Graz um den Aufstieg in die Daviscup-Weltgruppe. Bei der Bekanntgabe freuten sich ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda, Herwig Straka, Sportstadtrat Kurt Hohensinner, Vizebürgermeister Mario Eustacchio (Graz),ÖTV-Präsident Werner Klausner, Bürgermeister Sigfried Nagl, STTV-Präsidentin Barbara Muhr (STTV) und Daviscup-Captain Stefan Koubek

Dazu wähnt Straka, der auch als Manager von Sportstars wie Thomas Muster, NHL-Striker Thomas Vanek, Ex-Schwimmerin Mirna Jukic, Sturm-Legende Markus Schopp oder auch der weißrussischen Mallorca-Siegerin von 2017, Anastasija Sevastova fungiert, die Steiermark als hungrig auf Tennis: „Ich habe jetzt schon sicher zehn Anfragen für VIP-Logen von Unternehmen, die ich gut kenne, die aber noch nie etwas im Tennis gemacht haben. Die Zeit ist wieder reif.“

Nachdem man 1997 in Graz-Liebenau die erste Daviscup-Partie (Anm.: gegen Kroatien) erfolgreich auf die Beine stellen konnte, sind die großen Unbekannten in der Straka-Rechnung überschaubar. „Damals hatten wir von der Vergabe bis zum Event nur fünf Wochen Zeit. Zieht man eine Woche Vorlaufzeit ab, bleiben vier. Wenn ich heute sechs Wochen vor einer Veranstaltung stehe, denke ich an 1997 und weiß, dass sich alles ausgehen wird. Das war ein wichtiger Lernprozess für mich. Die Herausforderungen liegen vor allem darin, sich auf die Location einstellen zu können und im Denken flexibel genug zu sein, die regionalen Gegebenheiten für die bestmögliche Stimmung zu nutzen. In Österreich tickt jedes Bundesland anders“, weiß jener Mann, der schon Daviscups in Eishallen, Radstadien oder auch Mehrzweckarenen realisiert hat.

Es ist auch diese Erfahrung, die Herwig Straka als wichtigen Teil des Erfolgsrezepts seines Unternehmens dick anstreicht. Erfahrung, aus der auch das Wissen entspringt, dass einem im Sportbusiness kaum jemand etwas vormachen kann: „Das ermöglicht uns in kürzester Zeit wirklich wichtige Entscheidungen zu treffen. Wenn du mit den Managern von Federer oder Nadal an einem Tisch sitzt und einen Vertrag hingeknallt bekommst, musst du binnen einer Minute entscheiden, ob du dir das leisten kannst bzw. wie du einen Star dieses Kalibers refinanzieren wirst.  Das geht nur mit der nötigen Kompetenz. Und mit der Gabe, mit möglichst vielen Menschen jeglicher Prägung zu können.“

Und  beim finalen Espresso in Attila Dogudans kulinarischer Wunderwelt zu Madrid schweift Herwig Strakas Erinnerung dann noch auf jenes Ereignis zurück, für das er Österreichs buchstäblich beste Pferde aus dem Stall holte. Zum 200-jährigen Jubiläum des Lipizzaner-Gestüts Piber brachte er 1998 die tierischen Superstars der Spanischen Hofreitschule erstmals auf der Höhe ihres sportlichen Schaffens an ihre Kinderstube und ihr späteres Ausgedinge. Vier Tage hintereinander war das damals extra importierte, größte Zelt der Welt bei der Lipizzaner Gala in Piber ausverkauft. „Ich habe sonst mit Pferden nicht sonderlich viel am Hut, aber als die weißen Hengste dann erstmals über die Weiden von Piber galoppiert sind, wären mir fast die Tränen gekommen“, blickt spürbar gerührt einer zurück, der sonst selbst noch bei den Startgeldforderungen von Federer und Co. oder jener der Stars der ebenfalls von emotion veranstalteten Shot Clock Masters (7. bis 10. Juni, Atzenbrugg) im Golf  cool bleibt.

 

Links:

www.emotion.at

http://www.erstebank-open.com

http://www.mercedescup.de

http://www.mallorcaopen.org

http://www.oetv.at

http://www.shotclockmasters.com