Mira Antonitsch: „Mein Trainer vergleicht mich in manchen Dingen mit Thiem“

Nach den US Open als letztes Juniorinnenturnier will Österreichs beste Nachwuchsspielerin Mira Antonitsch (17) in der Qualifikation der Generali Ladies Linz die Tennis-Matura absolvieren. Die echte soll die Tochter der Ex-Profis Karin und Alexander Antonitsch dann 2017 nachlegen. Wissen tut die junge Dame schon jetzt so einiges. Etwa, dass sie auf dem Platz mehr kann als andere und in manchem Kumpel Dominic Thiem ähnelt.

//Text: Fritz Hutter
//Fotos: GEPA-Pictures.com, Picturedesk.com

SPORTMAGAZIN: Kannst du dich an den Tag erinnern, an dem die Entscheidung für eine professionelle Tennis­karriere gefallen ist?

Mira Antonitsch:
Einen echten Stichtag hat es nicht gegeben. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, nicht Profi zu werden. Meine Eltern waren da vorsichtiger und wollten immer, dass ich möglichst viele Dinge ausprobiere.

Dein drei Jahre älterer Bruder Sam strebt in der North American Hockey League im Dress der Wilkes-Barre/Scranton Knights eine Karriere als Eishockeyprofi an. War der große Bruder ein Vorbild für dich?

Nun, zumindest habe ich alles mitgemacht, was er gemacht hat. Eishockey habe ich probiert und Tennis haben wir auch zusammen gespielt. Das hat meistens damit geendet, dass ich ihm mit dem Schläger in der Hand wütend nachgerannt bin. So was härtet ab (lacht).

Um die Basis für die eigene Karriere legen zu können, hast du früh den Regelschulbetrieb verlassen und arbeitest jetzt für die Reifeprüfung die Lernpakete einer Maturaschule ab. Wie läuft diese „duale“ Laufbahn?

Nachdem ich die vierte Klasse übersprungen habe, ist die fünfte Klasse Gymnasium dementsprechend hart gewesen – besonders wenn du lernen, aber eben auch viel trainieren und Turniere spielen willst. Jetzt, im Fernstudium, muss ich auch den Stoff für sämtliche Gegenstände lernen und dann über jede Klasse eine Prüfung und am Ende, nächstes Jahr, eben die Matura machen. Mit den Skripten klappt das eigentlich sehr gut, ­etwas schwierig ist halt, dass man die Noten nicht durch gute Mitarbeit beeinflussen kann. Aktuell bin ich grad an Chemie dran. Dass ich neben dem Sport auch einen Schulabschluss mache, ist übrigens eine Bedingung meiner Eltern.

Auch am Platz giltst du als Perfektionistin. Nach deinem ersten, internationalen Damentitel vergangenen Sommer bei einem 10.000-Dollar-Event in Wien hast du dich zwar über den Turniersieg, nicht aber über die Art, wie du ihn errungen hast, gefreut. Gab es Momente in deiner noch jungen Karriere, wo du so richtig zufrieden warst?

Natürlich, sonst wäre ich ja permanent unglücklich. Und mit Wien bin ich wirklich zufrieden. Es ist super, wenn gelingt, was man unbedingt erreichen will. Dieser Wille war über die ganze Partie da – obwohl ich eigentlich immer hinten war und bei Weitem nicht so locker gespielt habe wie im Training.

Wie stellst du dir dein optimales Spiel vor?

Aggressiv, druckvoll, aber trotzdem sicher von der Grundlinie spielen – das ist die Basis im modernen Damentennis – und, wenn es passt, nachgehen, um den Abschluss am Netz zu suchen.

In der Theorie klingt das einfach. Was ist die größte Hürde, die du mit deinem Trainer Thomas Strengberger nehmen musst, damit es wunschgemäß klappt?

Ich muss fester daran glauben, was mir der Papa und der Thomas seit Jahren sagen, nämlich, dass ich am Platz Dinge kann, die andere nicht können. Das ist bei mir übrigens immer so, dass ich Dinge erst verstehen bzw. selber draufkommen muss.

Was ist der Unterschied zwischen der Nummer 50 bei den Juniorinnen und den Top-Spielerinnen der WTA Tour?

Letztere spielen ein ganzes Match lang auf konstant hohem Niveau durch. Dass ich daran noch viel zu arbeiten habe, war beispielsweise letztes Jahr in der ersten Qualirunde von Linz zu sehen. Gegen die Kikki Bertens, heuer im Paris-Semifinale, habe ich den ersten Satz relativ locker 6:2 gewonnen. Dann hab ich zu überlegen begonnen – und 3:6, 3:6 verloren.

Wobei wir bei der mentalen Komponente des Spiels sind. Du kannst dich sicher sehr intensiv pushen. Manchmal kippt das auch ins Negative, wie etwa im Semifinale von Wien, wo du deiner Unzufriedenheit derart lautstark Luft gemacht hast, dass der Coach sogar temporär den Platz verlassen hat.

Da hatte ich mich definitiv nicht im Griff. Es war aber auch eine neue Situation. Viele Zuschauer und ich, die den Sieg so sehr wollte, dieser Druck war ungewohnt. Was das Pushen betrifft, bin ich der Meinung, dass das schon so passt, solange ich dabei positiv bleibe. Aber insgesamt lohnt es sich natürlich, daran zu arbeiten, seine Emotionen zu kontrollieren. Da gibt es ja verschiedene Methoden. Aktuell probiere ich gerade etwas in Richtung Meditation aus.

Da du mit deinem Trainer früher Teil der Bresnik-Akademie warst, kennst du Österreichs Top-10-Mann Dominic Thiem schon quasi dein ganzes Leben lang. Sein Aufstieg muss motivierend wirken.

Auf jeden Fall, sehr motivierend. Es ist unglaublich, wie gut er schon ist und wie gut er noch werden kann. Und zusätzlich motiviert mich auch, dass mich mein Trainer, der ja früher auch immer wieder mit Dominic gearbeitet hat, in manchen Dingen mit ihm vergleicht, speziell,­ was den Biss und die spielerischen Möglichkeiten betrifft. So etwas baut natürlich dann schon auf.

Letzte Frage: Was ist neben dem Tennis das Wichtigste in deinem Leben?

Definitiv die Familie. Die steht immer hinter mir und gibt mir Sicherheit. Dazu plant und checkt meine Mama sowohl die Turnierreisen wie auch meinen Lernplan für mich. Und der Papa begleitet mich des Öfteren zu Turnieren. Das klappt mittlerweile sehr gut, aber ein bisserl zusammenwachsen mussten wir da schon (lacht).

Generali Ladies Linz: Die Stars

Eugenie Bouchard: Bezaubernde „Genie“ in der Tips-Arena

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2014, auf der Höhe ihres Schaffens, kam die heute 22-jährige Kanadierin als Nummer 6 der Welt nach Linz, um dann in Runde 2 w.o. geben zu müssen. Damals versprach Eugenie Bouchard wiederzukommen. Heuer will die sechsfache WTA-Titelträgerin diese Ansage einlösen. Und, nach ein­einhalb Jahren Berg-und-Tal-Fahrt, auch das sportliche ­Versprechen, das sie damals mit dem Wimbledon-Finale oder dem Semifinale von Paris gegeben hat.

Barbara Haas: Das Heimspiel beim Generali Ladies Linz

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Zum ersten Mal hat sich die Oberösterreicherin Barbara Haas (20), betreut von Jürgen Waber und der ehemaligen Weltklassespielerin Sybille Bammer, unlängst bei den US Open in den Hauptbewerb eines Grand Slams gekämpft. In Runde 1verlor sie dann knapp gegen Timea Babos, die Nummer 34 der Welt. In Linz will die Rechtshänderin, heuer bereits Siegerin bei zwei 25.000-Dollar-Events, von Rang 135 aus einen Schritt Richtung Top 100 tun.

Karolína Plíšková: Als US-Open-Finalistin zur Titelverteidigung?

LINZ,AUSTRIA,12.OCT.14 - TENNIS - WTA Tour, Generali Ladies Linz, final, award ceremony. Image shows tournament director Sandra Reichel, Karolina Pliskova (CZE) and Barbara Schett-Eagle. Photo: GEPA pictures/ Matthias Hauer

Nach einem Quali-Out 2012 und einer Erstrunden­niederlage 2013 krallte sich die nun 24-jährige Karolína Plíšková im Vorjahr dann den Linz-Titel (Foto: links Turnierdirektorin Sandra Reichel, rechts Turnierbotschafterin Babsi Schett). Ein weiteres Glanzlicht setzte die 1,86 m ranke Rechts­händerin zuletzt bei den US Open, wo sie das Endspiel gegen die Deutsche Angelique Kerber (Linz-Champion 2013) ­erreichte. Auf ihrem Triumphzug ins ­Finale besiegte die Tschechin übrigens sowohl Venus Willimas wie auch deren Schwester Serena. Der Erfolg von New York brachte die vom einstigen Top-80-Spieler Jiří Vaněk gecoachte Hobby­fischerin aus der Nähe von Prag auch ihr Ranking-High: Platz 6 in der Weltrangliste (Stand: 12.9.).

Generali Ladies Linz: Das Programm

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