Maxismus in der Formel 1

Max Attack! Mit 20 Jahren ist Max Verstappen der beste Formel-1-Pilot der Herbstsaison. Rücksichtslos, reif, ruppig, rasant. Sein Stil, seine Skandale, seine Siege und das System, mit dem ihn sein Vater zum Superstar peitschte. Was ihn von Schumacher unterscheidet und was er in den Kurven anders macht.

// text:  gerald enzinger // foto: red bull content pool/kobayashi //

Manche Karriere beginnt im Sitzen. „Da ist der Max auch gesessen“, sagt Dr. Helmut Marko. Er schmunzelt stolz wie der Firmpate nach der Messe und zeigt zu mir und auf meinen Sessel in seinem Penthouse-Büro in der Grazer Altstadt. Hier also hat sich Max Verstappen im Sommer 2014 an Red Bull gebunden und so die Formel 1 ein für allemal verändert. Unterschrieben hat er freilich höchstens im Gästebuch des ­Hotels. Er war 16 und brauchte dafür einen Erziehungsberechtigten an seiner Seite. Marko sagte in jenen Tagen öffentlich, dass man Max nur mit einem Piloten vergleichen könne: mit Ayrton Senna. Er sprach über einen Pubertierenden von 16 Jahren, der nicht einmal einen Führerschein besaß. Dann sagte er noch: „Ich erwarte, dass du von der ersten Runde an wettbewerbsfähig bist.“ Er meinte dessen ersten Einsatz in einem Formel-1-Auto ­wenige Wochen danach und zu einem Zeitpunkt, als ­Verstappens erster Einsatz in einem richtigen Auto ein knappes Jahr zurücklag. Nie zuvor war wohl ein Renn­fahrer so unter Druck gesetzt worden. Und nie zuvor sollte einer damit so schnell klarkommen. 

„Er war zwar erst 16“, sagt Marko und blickt in die Richtung, in die er auch damals gesprochen hatte, „aber er hatte den Kopf eines 26-Jährigen.“ Das Treffen in Graz fand wenige Tage nach dem Formel-3-Rennen am Norisring statt: „Das habe ich mir angeschaut. Es war mal trocken, mal nass, wechselnd. Alle anderen sind durch die Gegend geschlittert und er ist zwei Sekunden schneller gefahren als sie. Allein sein Anbremsen …“ Es war die Stunde der Erleuchtung. „Ich bin ja ein Early Bird – am nächsten Morgen habe ich seinen Vater angerufen, ganz in der Früh, und gesagt: Wir reden nicht mehr über das Red Bull Junior Team, wir reden gleich über die Formel 1! Es hat lange gedauert, bis Jos Worte fand.“ Doch: „Mir war klar, dass wir das jetzt angehen, auch wenn viele Kart-Stars in höheren Klassen gescheitert sind. Aber wir hatten die Zeit, um ihn bei Toro Rosso trainieren lassen zu können.“ Es war der Moment, in dem sich Toro Rosso wohl mit einem Schlag rechnete, denn auch Toto Wolff und Mercedes waren an Max dran, aber, so Toto damals: „Geh zu Red Bull. Ein Formel-1-Cockpit können wir dir nicht anbieten, wir haben kein B-Team.“

Binnen wenigen Monaten brach Verstappen Rekord um Rekord, vor allem sein Fahrstil jedoch sorgte für Aufsehen. David Coulthard meint: „Seine Zweikämpfe sind absolut herausstechend.“ Und Max fährt Kurven fast im Kart-Stil, er lenkt extrem früh ein, verändert dadurch den Scheitelpunkt und öffnet dann das Lenkrad schon von der Kurvenmitte an. Das braucht enorm viel Vertrauen in die Bremsen und sorgt dafür, dass die Reifen weniger belastet werden. Das ist ein Stil, der am ehesten an Jim Clark und Michael Schumacher erinnert. Der englische F1-Experte Peter Windsor, seit fünfzig Jahren im Business, wagt einen Vergleich zum Tennis: „Max ist ein Serve-and-Volley-Spieler ohne Spielraum für Fehler, aber mit einer Perfektion wie Federer.“

Wie ihn Niederlagen reifer machen, seine umstrittenen Schimpftiraden und die außergewöhnliche Beziehung zu seinem Vater: Die ganze Inside-Story lesen Sie im neuen Sportmagazin. Hier geht’s zum SPORTMAGAZIN-Abo: www.magazin-abo.com