Matthias Schwab: Austria’s next Golf Star?

Der nun 22-jährige Steirer Matthias Schwab ist dereinst ausgezogen, um in den USA zu einem der allerbesten Golf-Amateure weltweit zu reifen. Diese Mission und die letzten Uni-Prüfungen sind positiv erledigt. Nun kehrt er heim und startet bei den Lyoness Open 2017 (8. bis 11. Juni) offiziell ins Profileben. Was das heißt, erzählt er dem Sportmagazin.

//Text: Fritz Hutter //Foto: Markus Berger/Red Bull Content Pool

Eben bist du mit der Mannschaft der Vanderbilt University Conference-Meister im College-Golf geworden, und das als Kapitän! Wo reiht sich dieser Erfolg ein?

Matthias Schwab: Der Sieg bei den SEC Championships war von meiner College-Karriere her sicher der größte Sieg als Team. Es war das erste Mal in der Geschichte von Vanderbilt Men’s Golf, dass unser Team den Titel gewinnen konnte. Für das Team und unsere Uni ist das großartig. Es freut mich sehr, dass ich am Ende meiner Laufbahn hier in Vanderbilt dazu beitragen konnte, dass wir einen großen Titel gewinnen.

Heißt, dass du ausgerechnet im Matchplay gegen Texas keinen Sieg beisteuern konntest?

Klar hätte ich gern auch meinen Beitrag zu unserem Sieg im Finale gegen Texas A&M geleistet, aber am Ende hab ich es leider nicht geschafft, mein Match zu gewinnen. Ich hab mich voll reingehaut und zum Schluss ist es sich zum Glück trotzdem für unser Team ausgegangen. Ich hab mich nach der Niederlage aber schnell erholt und sehr über unseren Sieg gefreut.

Bitte nenne deine drei, vier wichtigsten Erfolge mit deiner ganz persönlichen Begründung.

Einer meiner wichtigsten Erfolge war das Finale bei den British Amateur Championships 2012. Zwar hab ich damals gegen den Nordiren Alan Dunbar verloren, aber das Turnier hat mir gezeigt, dass ich mit den Top-Amateuren mithalten und sie schlagen kann. Gut waren auch einige meiner Leistungen in Atzenbrugg. Als Amateur bei Profiturnieren mitzuspielen und dann auch noch relativ gut abzuschneiden ist motivierend und gibt Hoffnung auf mehr. Und mein Comeback 2015, nach fast einjähriger Verletzungspause wegen Rückenproblemen, war sehr speziell, weil ich lange nicht wusste, ob ich überhaupt wieder Turniergolf spielen kann. Das erste Turnier nach der Pause war mäßig, aber das war mir egal, ich hab mich einfach nur gefreut, wieder spielen zu dürfen.

Du hast dich im Vorjahr durch den Sieg mit den acht besten europäischen College-Golfern über die US-Kollegen beim Palmer Cup für das zur PGA Tour zählende Palmer Invitational im März in Orlando qualifiziert. Nach einem famosen Auftakt hast du an Tag zwei den Cut verpasst. Wie war das Eintauchen ins Haifischbecken der Aller­besten?

Es war eine geile Erfahrung, ich konnte mich mit den besten Spielern der Welt messen. Mir wurden etwas die Grenzen aufgezeigt, was aber sicher gut war, weil ich daraus lernen kann. Ich hab nicht mein bestes Golf gespielt, war aber trotzdem nicht sehr weit weg von einer guten Leistung. Das Umfeld, den Platz und die Atmosphäre zu erleben war super und ich hab viel Positives aus dem Turnier mitgenommen.

Gibt’s generell bzw. auch von der Spielanlage/Technik her jemanden, an dem du dich orientierst?

Von der Technik her mache ich mein eigenes Ding mit meinem Coach Willi Hofmann. Sicher schaut man sich hin und wieder mal was von anderen Spielern ab, aber am Ende ist es doch immer dem Spieler selbst überlassen, herauszufinden, was am besten funktioniert. Von der Spielanlage her, der Strategie am Platz, Shotshapes, Short Game usw. kann man sich viel von den Top-Spielern abschauen. Auch zu sehen, wie sie trainieren und Proberunden spielen, ist manchmal hilfreich.

,,Meine Stärke ist, dass ich die Bälle gerade schlagen kann.”

Wo liegen deine Stärken und wo deine Reserven?

Meine Stärke ist, dass ich die Bälle gerade schlagen kann. Ich glaube, ich habe große Reserven im kurzen Spiel. Natürlich kann man den Ball auch immer noch weiter schlagen und sich dadurch einen Vorteil erarbeiten. Generell habe ich in allen Bereichen Verbesserungspotenzial, das ich ausschöpfen will.

Du hast eben erfolgreich dein Uni-Studium „Europäische ­Studien“ beendet. Warum grad dieses Fach?

Europäische Studien und Management. Europäische Studien umfasst Vorlesungen über Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Europa. Ich bin interessiert an all diesen Themen und wollte die Möglichkeit nutzen, mich in diesem Bereich weiterzubilden. Der Management-Part ist für einen angehenden Profi natürlich ebenfalls sehr interessant, besonders weil ich über das Erstellen von Businessplänen, das Gründen von Firmen usw. viel lernen konnte.

Die Außensicht Europas aus US-Perspektive muss ja gerade jetzt spannend sein. Was sind die Themen, die euch da zuletzt beschäftigt haben?

Natürlich die Flüchtlingskrise, Brexit, Terrorgefahr und Attentate sowie deren politische Auswirkungen auf Europa und die USA.

Seit wann bist du dir sicher, dass Golf einmal dein Beruf werden soll, und gab es in der Kindheit andere Ideen?

Ich denke so mit 12 oder 13 Jahren hab ich mir das feste Ziel gesetzt, einmal Golfprofi zu werden. Früher war ich auch immer am Skifahren und Fußballspielen interessiert, aber es hat sich bald Golf als Lieblingssport herauskristallisiert. Ich habe dann auch mit dem Skifahren und Kicken aufgehört, um mehr Zeit für das Golftraining aufbringen zu können.

Wie ready bist du als aktuelle Nummer 4 der Amateur-Weltrangliste und Europas Nummer 2 (Stand: 23.4.) für die Profitour?

Das werde ich nach meiner ersten halben Saison als Profi sehen. Prinzipiell freue ich mich sehr auf den Wechsel, ich hab ja fast schon mein halbes Leben darauf ­hingearbeitet und jetzt kommt dann endlich der Schritt zum ­Profizirkus. Ich kann schwer sagen, wie „ready“ ich bin, da gibt es einfach zu viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Planen kann man den Erfolg nicht, aber ich trainiere hart, um ready zu sein.

Was muss man alles tun, um quasi offiziell Profi zu werden?

Zunächst an einem Profiturnier teilnehmen und erstmals ein Preisgeld akzeptieren. Danach zähle ich nicht mehr zu den Amateuren, sondern bin Profi. Die Vorbereitungen für den Wechsel laufen auf Hochtouren, ich habe einen Manager gefunden (Anm.: dem Vernehmen nach die renommierte Agentur ISM des englischen Ex-Profis Chubby Chandler), der sich um mich kümmert. Der hilft bei der Turnierplanung, mit Sponsoren und Ähnlichem. Dabei unterstützt mich auch mein Papa. Ich bin auch dabei, mir einen fixen Caddie zu suchen, und die Suche verläuft sehr gut. Dazu kommen noch Dinge wie etwa gute Trainingsanlagen für Golf und Fitness, gute Betreuer usw.

Wo holt man sich Rat?

Bei meinem Dad, bei anderen Profigolfern oder Personen, die sich in diesem Bereich gut auskennen. Markus Brier ist da von großer Hilfe. Hier in den Staaten habe ich oft Kontakt zu Brandt Snedeker und Luke List, beide gingen in Vanderbilt auf die Uni und geben mir wertvolle Tipps. Auch mein Uni-Coach Scott Limbaugh hilft mir sehr. Er hat schon viele Tourspieler wie etwa Justin Thomas trainiert und weiß, worauf ich beim Wechsel achten muss.

Um im Profigeschäft voll konkurrenzfähig sein zu können, sind nach unseren Recherchen bis zu 150.000 Euro Jahresbudget zu veranschlagen. Was sind die wesentlichen Posten, die berappt werden müssen?

Die Reisekosten sind sicher die größte Ausgabe: Flüge, Hotels usw. zu Turnieren und Trainingslagern. Dazu kommen die Kosten für einen Swingcoach, einen Fitnesscoach, den Physiotherapeuten oder auch jene für einen eigenen Caddie.

Am Beginn bist du ja auf Einladungen nicht nur zu European-Tour-Events wie Atzenbrugg, sondern auch auf jene zu kleineren Turnieren der Challenge Tour angewiesen. Was steht da an und was soll am Ende der halben Saison 2017 rausschauen?

Ja, genau. Ich habe keine Spielberechtigung und keinen Status auf einer der Touren und muss deshalb zunächst auf Einladungen spekulieren. Mit meinem Amateurranking kann ich hoffentlich einige bekommen. Die Turnierplanung läuft zurzeit. Schwierig zu sagen, wo ich reinkomme. Das wird alles kurzfristig ablaufen. Es kann auch sein, dass ich zwischen European Tour und Challenge Tour hin und her pendeln werde. Am Ende der halben Saison 2017 hoffe ich, dass ich eine Spielberechtigung auf einer der Touren für 2018 habe (Anm.: Für einen Startplatz auf der European Tour muss man zu Saisonende unter den Top 15 der Challenge Tour stehen oder sich das Startrecht über die drei Stationen der PGA European Tour School Qualifying Stages sichern).

Der 14. Platz bei den Lyoness Open 2013 in Atzenbrugg war sicher ein Magic Moment.

Ich hab in dieser Woche gutes Golf gespielt. Es war kurz vor der Matura, also eine gute Ablenkung zum Lernstress. Ich war bis zum Ende hin in den Top 10. Leider sind mir auf der 17 und 18 zwei Bogeys passiert, was mir am Ende das Turnier verhaut hat. Der Fansupport war super, ich wurde wirklich herzlich empfangen und sehr gut betreut.

Wie sehr taugt dir der Platz bei den Austrian Open?

Er taugt mir sehr. Schon beim ersten Antreten hatte ich ein gutes Gefühl, mir gefallen einfach das Layout und das Design. Der Platz ist sicher einer der schwierigsten in Österreich und immer in einem Top-Zustand.

Passport Matthias Schwab

Geboren am 9.12.1994 in Schladming Wohnort Rohrmoos, ­zuletzt Nashville, Tennessee Größe 1,83 m Gewicht 76 kg Ausbildung Matura, European Studies an der Vanderbilt University Family Mutter Angela, Vater Andreas (früher u. a. GF Österreichische Sporthilfe, NADA), Geschwister Nora, Andreas und Johannes Hobbys Sport, PlayStation, Chillen Erfolge Vizeeuropameister mit Österreichs Juniorenteam 2011, 2. bei den British Amateur Championships 2012, Internationaler Amateurmeister von Österreich (2010), Slowenien (2012), der Schweiz (2015), Platz 14 beim European-Tour-Event in Atzenbrugg 2013, Platz 3 mit Österreich bei der Team-WM 2016

Web: http://www.matthiasschwab.com