Zu Land und zu Wasser versucht die smarte Boardercrosserin Maria Ramberger ihre „verlorene Kindheit“ fernab der Bergwelt zu kompensieren – nicht ohne ihren charmanten Hang zur Selbstironie zu entlarven.

//Fotos: Rafaela Pröll
//Text: Tobias Wimpissinger

Maria Ramberger lächelt gern. Maria Ramberger lacht viel. Maria Ramberger nimmt sich selbst nicht zu ernst. Und Maria Ramberger versteht es, mit einem Augenzwinkern auf eigene Defizite zu verweisen. „Wenn du von zwei möglichen Kurven eine nicht fahren kannst, ist es ein bisschen tragisch“, schmunzelt die bildhübsche Boardercrosserin etwa über ihren einst so mühsamen Umstieg vom alpinen Schuhwerk zu den nachgebenden Softboots. Ganze sieben Lenze zählte die sympathische Klosterneuburgerin, als sie das Snowboard für sich entdeckte, doch sollten fünf weitere Winter verstreichen, ehe sich die wilden Ritte über den Schnee auf mehr als nur kurze Ferienintermezzos beschränkten. „Ich bin schnell draufgekommen, dass ich schlechter bin als alle anderen. Da habe ich mir die Frage gestellt, was ich tun kann, um den Rückstand aufzuholen.“

Paradoxerweise sucht sich die 27-Jährige stets Disziplinen aus, die ihr anfänglich schwerfallen. Mangels Gefühl für das Rund in Ballsportarten für untauglich erklärt, erschien es naheliegend, sich für den sommerlichen Ausgleich auf alternative Bretter zu stellen, die ebenfalls schräg zu besteigen sind. „So ein depperter Sport“, fiel das Resümee nach einem Surfcamp an der Algarve in ihren Teen-Ages allerdings verheerend aus. „Nie wieder, habe ich mir gedacht. Das Wasser war kalt, am Abend ist es mir beim Bücken aus der Nase geronnen und das Surfen selbst stellte sich als irrsinnig frustrierend heraus. Ich habe es gehasst.“ Den Dreh, auf einem großen Board im weißen Teil der Welle gerade gen Strand zu fahren, hatte sie ja bald heraus, aber der Schritt zum seitlichen Gleiten über das Blau zog Maria den letzten Nerv. Die Jahre vergingen, das Trauma verschwamm, im warmen Nass vor Costa Rica gab sie Neptun noch eine Chance. „Inzwischen kriege ich es ganz gut hin. Und wenn die Wellen nicht dreimal so groß sind wie ich, überlebe ich es auch“, grinst die längst von der Komplexität des Sports gefesselte Flachländerin. Denn um Wasser, Strömung und Break lesen zu können, benötige man gute Ortskenntnisse, als Konsequenz reifender Technik und erweiterten Knowhows schrumpfen die Brettlängen: „Und dann beginnt die Frustration von vorne.“

(C) SPORTMAGAZIN/Rafaela Pröll

Vor drei Sommern begann sich die wohl größte Kilometerfresserin des ÖSV auch für kleinere Holzstücke mit Rädchen zu interessieren. In Park City, der Heimat von Herzblatt und US-Boarder Jonathan Cheever, wagte sich die studierte Juristin, die neben dem Gerangel am Schnee-Parcours an ihrem Doktorat tüftelt, in gewaltige Skater-Bowls, in denen sie mit Begeisterung ihre Achter zog. Dabei habe sie mit Actionsportarten ursprünglich wenig anfangen können, die Kids mit ihren weiten Hoodies und flachen Schuhen empfandRamberger eher als seltsam: „Heute lasse ich mir von den Achtjährigen, die allesamt besser skaten als ich, die Tricks erklären. Meine Fähigkeiten beschränken sich darauf, sämtliche Räder am Boden zu lassen.“ Dennoch bietet der Balanceakt auf dem Asphalt gegenüber jenem auf dem Wasser einen wesentlich ausgeprägteren Effekt für ihren Brotberuf, obwohl das Spiel mit den Gezeiten andere Vorteile hervorkehrt: „Wenn du nicht gerade einen Stein erwischt, dich das Brett erschlägt oder derHai frisst, besteht beim Surfen keine gröbere Verletzungsgefahr. Du wirst in der Regel auch nicht ertrinken, selbst wenn es sich manchmal so anfühlt. Und es stellt ein super Ausdauertraining dar, weil du verhältnismäßig weich fällst und es immer wieder probieren kannst. Schmeißt es dich aber vom Skateboard, ist gleich einmal etwas hin.“ Zurück auf dem Schnee, sieht sich die Frohnatur für die Spiele in Sotschi nun bestens gerüstet. Die Ausrichtung für das Saisonhighlight definiert sie mit gewohnt entspanntem Humor. „Also ich will, wie auch meine zirka 23 Mitbewerberinnen, eine Medaille“, sagt Mariaund setzt dabei ihr bezauberndstes Lächeln auf.

PASSPORT: Maria Ramberger

Name: Maria Ramberger 

Geboren: 12. Oktober 1986 in Wien

Wohnort: Klosterneuburg

Größe/Gewicht: 166 cm/56 kg

Familienstand: Beziehung Ausbildung: Juristin, seit 2010 Doktoratsstudium

Disziplin: Snowboardcross

Verein: Union Trendsport St. Pölten

Weltcupdebüt: 5. Jänner 2004, Bad Gastein

Erfolge: Weltcupsieg 2013 Montafon im Team, 4. Platz X Games 2010 Aspen, 8. Platz WM 2013 Stoneham, vierfache Staatsmeisterin

Projekt: Produktion SBXtheMovie (Premiere Frühjahr/Sommer 2014)

Website:www.mariaramberger.at