Kampf um die Hochburg: Manchester never united

Wenn nach Pep Guardiola auch noch sein Erzfeind José Mourinho kommt, wird Manchester endgültig zum Hotspot der Fußballwelt. Red Devils vs. Sky Blues – der ultimative Vergleich zweier außergewöhnlicher Stadtrivalen. Das Motto: Bigger, better, best!

//Story: Tom Hofer

//Titelbild: (C) IMAGO

Money makes the world go around! Knapp 24 Stunden nachdem in München die Bombe geplatzt war, gingen vor dem Etihad-Stadion die blau-weißen Schals mit dem Konterfei von Pep Guardiola weg wie die warmen Semmeln. Sind eben flinke Burschen, die Straßenhändler in Manchester. „Make hay while the sun shines“ heißt das in England -„Blitzgneißer“ würde Toni Polster mit seinem breiten Grinser dazu sagen. Schon kurios, obwohl Mister Pep erst ab Sommer den Kick der Citizens aufpeppt, ist er schon jetzt omnipräsent in der britischen Fußballmetropole. Die bald zum Mittelpunkt der Welt werden könnte, falls José Mourinho demnächst wirklich bei United andocken sollte.

In einem Punkt sind sich alle Experten auf der Insel einig: Mit dem neuen Coach steigt Manchester City endlich auch in sportlicher Hinsicht zum Big Player in Europa auf. Klar, insgesamt hat der rote Stadtrivale mit 20 Meistertiteln noch ewig die Nase vorn, doch im Head-to-Head der letzten fünf Jahre steht’s diesbezüglich 2:2. Ähnlich schaut es bei den Finanzen aus: Stolze 519,5 Millionen Euro setzten die Red Devils letzte Saison um, und das sogar ohne Schlemmerei am Futtertrog der Champions League. Die für gewöhnlich seriösen Analysten der „Deloitte Money League“, des Rankings der finanziell potentesten Fußballklubs des Planeten, lassen sich im aktuellen Jahresbericht schon auf Seite 2 zur forschen Prognose hinreißen, dass United 2016 wieder an Real und Barcelona vorbeiziehen und die Spitze übernehmen wird. Dem neuen TV-Deal, der den 20 Premier-League-Klubs künftig Saison für Saison fette 3,5 Milliarden Euro beschert, sei Dank. Die Sky Blues erwirtschafteten als Sechster der Rangliste zwar „nur“ 463,5 Mille, doch lediglich drei der großen zehn (Barça, Arsenal, Liverpool) konnten ihren Umsatz in den letzten zwölf Monaten steiler nach oben pushen. Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wer und was ist cooler – die rote oder die blaue Reichshälfte von Manchester?

Unbenannt-2

Wie hoch der Stellenwert ist, den Wayne Rooney bei Man United genießt? Nur so viel dazu: Am 3. August veranstaltet Englands Rekordmeister sogar ein eigenes Match für ihn. Aus lauter Freud, dass Rooney (30) nun schon seit12 Jahren das rote Shirt trägt! Dass er dann (gegen seinen Ex-Klub Everton) als bester Torschütze der Red Devils aller Zeiten einläuft, wird sich wohl knapp nicht ausgehen. Egal, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann er die All-Time-Bestmarke von Bobby Charlton (249 Treffer) knackt, 7 Tore fehlen ihm noch. Und noch was: Vergiss China, Wayne! Gut, 32 Millionen im Jahr sind kein Lercherl, aber ManU braucht dich! Und mit 2000 Euro in der Stunde kommt man schließlich auch ganz gut über die Runden.

 

Unbenannt-2

Ist der Typ crazy? Drei Jahre noch, dann will Sergio Agüero (27) Manchester City fix den Rücken kehren. Der Lebensplan des Argentiniers sieht vor, die Karriere daheim bei seinem Stammklub Independiente ausklingen zu lassen. Einzige Hoffnung: Vielleicht kann ihn ja Pep Guardiola noch umstimmen. Auch diese Saison ist Agüero wieder top: Trotz der schon obligatorischen Verletzungspause hat er sogar eine bessere Torquote als Leicesters „Rocketman“ Jamie Vardy vorzuweisen. Aber bitte was ist denn das für eine abartige Statistik: City hat in der laufenden Punktejagd ohne Agüero mehr Spiele gewonnen als mit seinem Super-Striker.

José Mourinho: Der Provokateur

99 Prozent Coolness


Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, auch wenn sie in der Coachingzone einschlägt! Klar, die Slapstick-Einlage von Louis van Gaal am Spielfeldrand gegen Arsenal war legendär, doch richtig warm wurden die United-Fans mit dem grantelnden Holländer eh nie richtig. José Mourinho ist in puncto Unterhaltungsfaktor ein ganz anderes Kaliber. Gerüchte, dass der streitbare Portugiese bei den Red Devils andocken würde , sind seit Herbst im Umlauf, die dazugehörenden Schals (siehe oben) auch. Super-Agent Jorgé Mendes, der neben Mourinho auch CR7, James Rodriguez, Angel Ddi Maria und Diego Costa managt, war kürzlich in London. Der Deal soll beschlossene Sache sein. Denn ganz ehrlich, seit Sir Alex‘ Abgang im Sommer 2013 läuft nix mehr beim Kultklub. Mourinho und Guardiola in einer Stadt – das wär’s! Zur Einstimmung für alle Daten-Freaks: Mourinho hat bisher mehr Titel (17) gewonnen als Pep (14). In den direkten Duellen steht’s allerdings 7:3 für den Katalanen!

(C) Getty Images

Pep Guardiola: Der Revolutionär

99 Prozent Coolness


Die Sehnsucht nach dem katalanischen Heilsbringer ist so groß, dass der spendable Premier-League-TV-Partner BT Sport unlängst vorm Hit gegen Leicester einen Beitrag vom Guardiola-Deal über die Vidiwall des Etihad-Stadions flimmern ließ. Angeblich unabsichtlich, das Sorry folgte umgehend. Noch-City-Coach Manuel Pellegrini nahm’s locker. Dass der Chilene keine lame duck ist, beweist der Triumph im Capital One Cup. Da mit Aitor „Txiki“ Begiristain und Ferran Soriano schon seit Jahren zwei seiner Kumpel aus Barcelona auf der Kommandobrücke der Citizens stehen, war’s absehbar, dass Pep irgendwann kommen würde. Damit der 45-Jährige, der das Spiel mit dem Ball revolutioniert hat, an seinem Dream-Team basteln kann, sind gut 200 Millionen Euro an Shopping-Budget reserviert. Der Auftrag ist ist klar definiert: Champions League oder nix! Doch Vorsicht, auch diesmal wird’s höchstwahrscheinlich nur einer der beiden Manchester-Giganten in die Königsklasse schaffen! Auf den Loser wartet der Trostpreis Europa League.

Scheich Mansour: Millionen zählen nicht

20 Prozent Coolness


Anders als die geizige Glazer Family hat Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan richtig viel Geld in seinen Lieblingsverein investiert: mehr als eine Milliarde Euro in acht Jahren! Der 45-Jährige aus Abu Dhabi hat auch einen Österreich-Bezug: Als Chairman des Erdölriesen IPIC ist er Großaktionär der OMV. National galoppiert der begeisterte Reiter mit City von Erfolg zu Erfolg. International läuft’s erst heuer richtig gut. Mit ein Grund, warum kürzlich chinesische Investoren mit knapp 400 Mille in die City Football Group eingestiegen sind.

Joel & Avram Glazer: Money for Nothing

2 Prozent Coolness


Als sich der US-Tycoon Malcolm Glazer 2005 für eine Milliarde Euro bei den Red Devils einkaufte, war der Zorn der Hardcore-Fans riesig. Daran änderte sich bis zum Tod des Patriarchen vor knapp zwei Jahren nichts. Irgendwie verständlich: Glazer (zu dessen Imperium auch das NFL-Team der Tampa Bay Bucs und -zumindest zwischenzeitlich – der Motorrad-Klassiker Harley-Davidson gehörten), verrechnete die Kaufsumme als Kredit retour, investierte also in Wahrheit keinen eigenen Cent in den Klub. Mittlerweile sind seine Söhne Joel und Avram, die das Vermögen des Papas verwalten, die Chefs. Ed Woodward, ein kühler Investmentbanker, der die Familie bei der Übernahme beriet, fungiert als Geschäftsführer. Der aus Protest gegründete FC United of Manchester kickt übrigens derzeit in der National League North, der sechsthöchsten Spielklasse, vor durchschnittlich 2800 Fans.

Marcus Rashford: Der nächste aus der Talentfabrik

80 Prozent Coolness

Eines muss man Louis van Gaal lassen: Der Holländer hat sich noch nie davor gescheut, junge Spieler in die Schlacht zu schicken. Bei Bayern waren es Alaba, Badstuber, Müller, in Manchester kaufte er die Youngsters Depay und Martial für teures Geld ein, aber das größte Juwel bekam er gratis: Marcus Rashford, 18 Jahre jung (geboren an Halloween!), 1,82 m groß, verzaubert als Ersatz für den verletzten Wayne Rooney (der Captain casht übrigens das 600-Fache von ihm!) die Fans: Doppelpack beim Debüt in der Europa League gegen Midtjylland, drei Tage später die gleiche Gaudi bei der Liga-Feuertaufe gegen Arsenal! Rashford ist das nächste Talent, das von den Fletcher Moss Rangers den Sprung nach ganz oben schaffte. Dass die Klubfarben von Uniteds Partnerklub ausgerechnet Blau-Weiß sind, ist hart, aber verschmerzbar.

Bastian Schweinsteiger:  Hangover ohne Ende

30 Prozent Coolness


Hand aufs Herz, wir hätten schon erwartet, dass der ehemalige Bayern-Turbo in Manchester etwas mehr PS auf den Rasen bringt! Ein Tor und zwei Assists in 27 Pflichtspielen sind eine unwürdige Ausbeute. Eigentlich stottert Schweinis Motor ja schon seit der Party nach dem WM-Titel in Brasilien. Ob zu den 17 Titeln, die der 31-Jährige im Bayern-Dress gewann, noch einer dazukommt? Derzeit schwer vorstellbar. Wenigstes stimmt die Gage (14 Mille im Jahr) – und privat passt’s auch: Das Lovegame mit Tennis-Beauty Ana Ivanovic soll im Sommer vor dem Traualtar sein Happy End finden.

Kevin De Bruyne:  Frecher Milchbubi

60 Prozent Coolness


75 Millionen Euro machte City letzten Sommer kurz vor Transferschluss für den „Spieler des Jahres“ in der deutschen Bundesliga locker. Sehr gscheit investiertes Geld. Im zweiten Anlauf in England will es der belgische Ehrgeizling allen zeigen. Was er bis zu seiner Knieverletzung im Jänner auch eindrucksvoll tat. Egal, ob Meisterschaft, Champions League, F.A.-oder Capital-One-Cup, der 24-jährige Milchbubi traf rotzfrech in jedem Bewerb. Unter Guardiola wird er garantiert noch besser werden!

Kelechi Iheanacho: Joker mit Stichgarantie

60 Prozent Coolness


Der 19-jährige Striker aus Nigeria drückt das Durchschnittsalter im City-Kader auf bescheidene 29,1 Jahre. Fixleiberl hat er dennoch keines, aber: Kelechi trifft als Joker vom Dienst regelmäßig. Neun Tore in drei verschiedenen Bewerben (Stand: 1. März) sind eine exzellente Bilanz für eine Premierensaison als Profi. In ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen, bewunderte er als Kind vorm Fernseher vor allem einen Spieler: Yaya Touré -der damals allerdings noch im Barcelona-Dress trickste: „Dass ich heute mit ihm zusammenspiele, ist ein Traum!“ Als Kelechi bei der U17-WM 2013 in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum „Spieler des Turniers“ gewählt wird, ist zuerst der FC Porto an ihm dran. Doch Papa James sprach ein Machtwort und empfahl seinem Sohn den Wechsel in den verregneten Norden Englands. Warum er die Nummer 72 trägt? Eine ganz einfache Rechnung: 7+2 =9, die einzig wahre Nummer für einen echten Goalgetter!

Old Trafford: Kult-Tempel braucht frisches Blut

95 Prozent Coolness


Zugegeben, die Heimat der Red Devils hat an Fear-Factor ziemlich eingebüßt. „Früher wussten die Gegner schon im Tunnel, dass sie verlieren werden“, erinnert sich Mark Hughes, Ex-United-Striker und derzeit Coach von Marko Arnautovic in Stoke. Zuschauermagnet ist das „Theatre of Dreams“ immer noch: 75.300 Fans kommen diese Saison im Schnitt, europaweit ziehen nur Dortmund und Barcelona mehr! Vielleicht nicht mehr lange, denn jetzt liegt ein Ausbauplan auf dem Tisch. Demnach soll die Gesamtkapazität auf 94.000 erweitert werden. United will vor allem wieder mehr junge Fans anziehen. Verständlich, wenn man sich den Altersschnitt der Dauerkartenbesitzer anschaut, der beträgt nämlich stolze 52 Jahre. Doch halten Sie sich fest: Laut einer brandneuen BBC-Studie ist jeder zehnte Erdenbürger Manchester-United-Fan!

Etihad Campus: Willkommen im Märchenland

90 Prozent Coolness


Seit Dezember 2014 ist der neue Trainingskomplex für die Profis und den Nachwuchs der Citizens in Betrieb. Rund 260 Millionen Euro hat die megacoole Anlage in unmittelbarer Nähe des Etihad-Stadions gekostet. Zweimal war sogar schon royaler Besuch da: Prince Edward und seine Schwester Anne waren genauso beeindruckt wie Chinas Staatspräsident Xi Jinping. „Ich bin sogar lieber hier als bei mir zu Hause“, grinst City-Verteidiger Pablo Zabaleta. Apropos Stadion: Im Sommer wird die Heimstätte der Sky Blues um 6000 Plätze erweitert, 61.000 Fans passen dann rein. Hintergrund: Mit der aufgepimpten Arena will sich City als Schauplatz für den finalen Showdown in der Champions League bewerben.

(C) Manchester City

Noch kein SPORTMAGAZIN-Abo? Hier zuschlagen!