Garics: „Wenn du um das Leben deines Vaters kämpfst, ist alles anders“

Ein Interview, in dem der Fußball nur eine Nebenrolle spielt, denn Gyuri Garics hat das härteste Jahr seines Lebens hinter sich. Nicht als Fußballer, sondern als Mensch. Im SPORTMAGAZIN spricht er erstmals über den tragischen Tod des geliebten Vaters und erklärt, warum er seinen Vertrag bei Darmstadt 98 auflöste. Und er kündigt an: „Ich brenne auf eine
neue Aufgabe.“ Ein Auszug.

//Interview: Markus Geisler
//Bild: (c) GEPA-Pictures

Der Tod des Vaters …

SPORTMAGAZIN: An dem Tag, als die EURO eröffnet wurde, erlag dein Vater nach langem Kampf einem Krebsleiden. Nach der EM hast du, für viele überraschend, deinen Vertrag in Darmstadt aufgelöst und dich zurückgezogen. Hast du die Geschehnisse des Sommers schon verarbeitet?

GYURI GARICS: Das ist ein Prozess, der noch andauert und auch noch andauern wird. An sich ist es ja nichts Ungewöhnliches, den eigenen Vater begraben zu müssen, aber er war nicht nur mein Vater, sondern auch mein Trainer, Berater, Begleiter. Noch dazu war er viel zu jung, er wurde im April 62. Das ist kein Alter zum Sterben. Und auch wenn es dafür nie den richtigen Zeitpunkt geben kann, so kurz vor der EURO, vor dem Spiel gegen Ungarn, das für mich auch so schon brisant gewesen wäre … das hätte sich ein Regisseur für ein Drama nicht besser ausdenken können.

Die schwere Zeit in Frankreich …

Ich würde gern zur EM zurückkommen: Zwischen dem Tod deines Vaters und dem Ungarn-Spiel vergingen vier Tage. Das muss ja ein irrsinniges Spannungsfeld gewesen sein, in dem du dich da bewegt hast.

Das war sicher eine der schwierigsten Phasen. Wenn ich an die Emotionen denke, die mir mein Vater beim Abschied mitgegeben hat, habe ich jetzt noch Wasser in den Augen. Und das wird bis zum Ende meines Lebens auch so bleiben. Dann auf dieses Spiel hinzuarbeiten, das war für mich fast so etwas wie ein Begräbnis, ein Abschiednehmen (schmunzelt). Im Nachhinein haben wir es so interpretiert, dass mein Vater vorausgesehen hat, dass die EURO nicht so erfolgreich verlaufen würde, und er es vorgezogen hat, sich das Ganze nicht anzuschauen.

,,Wenn ich an die Emotionen denke, die mir mein Vater beim Abschied mitgegeben hat, habe ich jetzt noch Wasser in den Augen.”

Gyuri Garics

Der überraschende Abschied aus Darmstadt …

Nach vier Wochen Urlaub bist du zurück nach Darmstadt gefahren und hast zunächst die Vorbereitung aufgenommen.

Ich habe eine Woche trainiert, dann hat sich abgezeichnet, wie schwer die Situation mental für mich war. Zurück an dem Ort, an dem alles begonnen hat. Alles hat mich an diesen Kampf, diesen Krieg erinnert, den ich im Vorjahr geführt habe. Wenn du zehn Monate um das Leben deines Vaters kämpfst, dann ändert sich plötzlich alles. Und im vergangenen Jahr gab es etwas, wofür ich zu kämpfen hatte. Mit dem Tod meines Vaters habe ich gespürt, dass etwas Entscheidendes weggebrochen ist. Ich habe dann gesagt: Es hat keinen Sinn mehr, ich kann diesem tollen Verein nicht das zurückgeben, was er verdienen würde. Und noch einmal Hut ab davor, wie mir der Verein bei der Vertragsauflösung entgegengekommen ist!

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