Freeride Filmfestival: Die Suche nach dem weißen Gold

Am 2. November startet das Freeride Filmfestival in Innsbruck mit einer spektakulären Europapremiere: Snowboard-Vorreiter Jeremy Jones hat höchstpersönlich angefragt, ob für seinen neuen Film „Life of Glide“ noch ein Platzerl im Programm wäre …

//Text: Hannes Kropik  //Foto: Tim Manning

Bereits zum achten Mal zeigt das Freeride Filmfestival eine Auswahl der besten Ski- und Snowboardfilme aus der unpräparierten Welt jenseits gesicherter Pisten. Die Veranstalter, Volker Hölzl und Harry Putz, legten bei ihrer Auswahl besonderen Wert auf Filme, „die ein authentisches Herangehen ans Freeriden zeigen“, wie Ex-Snowboard-Profi Putz erklärt. Und sein Kollege Volker Hölzl ergänzt: „Zu den wichtigsten Kriterien gehört natürlich, welche Geschichte erzählt wird. Entscheidend ist aber auch: Wie kommen die Akteure auf den Berg? Welche Motivation steckt dahinter und welche technischen Hilfsmittel werden verwendet? Im Optimalfall wird auf den Einsatz eines Helikopters oder anderer technischer Transportmittel verzichtet.“

Beim Freeride Filmfestival, das am 2. November im Innsbrucker Metropol-Kino startet und über Luzern, Zürich, München, Darmstadt, Köln und Berlin am 9. November ins Wiener Gartenbaukino führt, werden die Protagonisten ihre Filme selbst präsentieren und auf der Bühne zusätzlich von ihren Abenteuern erzählen. Etwa Freeride-World-Tour-Champion Lorraine Huber, die mit ihrem neuen Film „Struktur – Eine Skispur in der Kulturlandschaft“ (Regie: Hanno Mackowitz) durchaus kritische Worte zum Eingriff des Menschen in die Natur findet. Eva Walkner, Lorraines Vorgängerin als Freeride-Weltmeisterin, erzählt in „Evolution of Dreams – The Beginning“ gemeinsam mit ihrer Kollegin Jackie Paaso, wie sich ihre persönlichen Ziele verändert haben – vom (geplatzten) Traum von Olympiagold zu Erfolgen auf der World Tour und weiter darüber hinaus.

„Evolution of Dreams“ von Eva Walkner und Jackie Paaso

Roman Rohrmoser fand mehrere Jahre nach seinem fatalen Sturz in der Pallavicini-Rinne (Großglockner) in den Dolomiten zurück in die Welt der steilsten Eishänge und beschreibt in „Cima Tosa – Stairway to Heaven“, was ihn immer wieder an die persönlichen Grenzen herangehen lässt: „Vielleicht ist es ein innerer Trieb, der mich immer wieder bewegt, neues Terrain zu erkunden. Das Material hat solche Geschichten in den vergangenen Jahren natürlich einfacher gemacht. Aber man muss die Gefahren richtig abschätzen. Es bringt dir nix, auf einer Liste von Menschen mit extremen Abfahrten zu stehen, wenn du selber am Friedhof liegst.“

Mitch Tölderer, Johannes Hoffmann, Fabian Lentsch und Michael Troyer haben ihr Glück und ihr „weißes Gold“ in Kirgistan gesucht und kehren mit „Searching for Gold“ zurück auf die Leinwand. Fabian Lentsch war mit seinem umgebauten Feuerwehrauto aber auch anderwertig unterwegs und fand im tiefverschneiten Griechenland ein vollkommen unterschätztes Freeride-Paradies, wie er in „Yamas“ zeigt: „Der Olymp ist ein mächtiger Berg, auf dem du riesige Felswände queren musst. Im Norden hat er drei Rinnen, alles ist verelst und du kommst nirgends g´scheit runter. Es ist aber ein genialer Aufstieg, bis du auf 2800 Meter stehst und das Meer unter dir siehst. Du kannst dir da oben schon vorstellen, was es früher mit all den Göttersagen auf sich hatte.“

„Searching for Gold“ von Mitch Tölderer, Johannes Hoffmann, Fabian Lentsch und Michael Troyer

Leider nicht anwesend wird US-Superstar Jeremy Jones sein. Er hatte aber bei Harry Putz persönlich angefragt, ob er seine neue Produktion „Life of Glide“ im Rahmen des Freeride Filmfestivals den Fans in Österreich, Deutschland und der Schweiz präsentieren könne. In seiner Ode an den geschmeidigen Schwung übt Jones mit seiner „Make America Deep Again“-Kappe subtile Kritik an US-Präsident Trump: „Die Wahl eines Klimawandel-Leugners hat mich tief in der Seele getroffen. Aber jetzt aufgeben? Das ist keine Option für mich! Wir können doch nicht stillsitzen, während vor unseren Augen so großes Unrecht geschieht! Natürlich, ich würde auch manchmal gerne einfach wegsehen und mich nicht um die Zerstörung unseres Planeten sorgen. Aber das kann ich nicht. Im vergangenen Jahr ist mein Kampf für den Klimaschutz intensiver denn je geworden.“ Das Snowboard ist für den zweifachen Familienvater mehr als bloß unterhaltsame Ablenkung vom Alltag: „Wenn man Snowboarden aufs Wesentliche reduzieren will, dann ist es die größte Form von Freiheit, Kreativität und Verbundenheit mit der Natur. Nirgends fühle ich mich so lebendig, so im hier und jetzt wie beim Snowboarden. Es ist kein Wunder, dass ich mein Leben lang versucht habe, diese Erfahrung so intensiv als möglich zu erleben.“

„Life of Glide“ by Jeremy Jones


Weitere Infos und Tickets gibt es auf http://www.freeride-filmfestival.com

Das nächste Sportmagazin mit seinem großen Freeride-Teil erscheint am 16. November und liegt zusätzlich am 22.11. in 40.000 Exemplaren der Presse am Sonntag bei