Im Skiweltcup zählt Eva-Maria Brem nach zwei Top-Wintern zu den großen Hoffnungsträgerinnen des ÖSV. Vor der Sportmagazin-Kamera tut sie das, was ihr beruflich wie privat liegt: ihren eigenen Weg gehen. Und das mit Stil.

//Fotos: Jürgen Knoth
//Text: Fritz Hutter

Manchmal muss es einfach sein und dann geht die Eva-Maria Brem halt einmal allein auf einen Kaffee oder auf die Laufstrecke: „Ich trainiere sehr gern in der Gruppe und bin auch keine, die am Berg sagt, dieser Lauf ist allein meiner und niemand anderer außer mir darf durchfahren. Aber manchmal brauche ich meinen Rückzugsraum. So bin ich auch als Privatperson.“ Und wenn man, wie die ÖSV-Damen zuletzt in Neuseeland, einen Monat am Stück mit der Mannschaft unterwegs ist, dann ist man klarerweise eben häufig auch Privatperson.

Aber auch beruflich, als Skirennläuferin, geht die mittlerweile 27-Jährige konsequent, aber trotzdem mit einer Extraportion Empathie gesegnet ihren eigenen Weg. Bald nach den ersten Bogerln mit zwei fielen die Würfel: „Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, wollte immer nur das eine machen.“ Erste Europacuprennen mit 16, das Weltcupdebüt mit 17 beim Heimslalom in Lienz, die erste volle Saison samt ersten Top-10-Resultaten dann mit 19 – seit damals ist die Stams-Maturantin („ausgezeichneter Erfolg“) aus Münster Mitglied der heimschen Ski-Elite und dort sozusagen die Spezialistin für die Disziplin „Riesenslalom“. Und tatsächlich passt dies ausgezeichnet für eine junge Frau, die ihr sportliches Leben der Suche nach dem perfekten Schwung, nach der möglichst reibungsfreien Gradraserei zwischen Topspeed und Idealline geweiht hat.

,,Du musst es zulassen und auf der Welle mitreiten. ”

Eva-Maria Brem

Im Vorfeld der letzten WM in Vail und auch schon in Vail, wo Fräulein Brem der ersehnte erste Weltcupsieg gelungen ist, meint sie in manchen Läufen schon ziemlich nah dran gewesen zu sein am Ultimo: „Da hat sich für mich eine neue Welt aufgetan.Das Gefühl selbst ist schwer zu beschreiben. Du musst es zulassen und auf der Welle mitreiten. Wenn ein Schwung wirklich gut ist, dann denkst du nicht daran, ob jetzt die Außenhand da und das Becken dort ist.“ Damit es aber nicht das viel beschriebene Flow-Feeling allein sein muss, das die Teamweltmeisterin 2015 – der WM-Riesenslalom endete für die Co-Favoritin mit einem Torfehler -zur echten Podest-Konstanten machen soll, setzt sie auf totale Professionalität. Auch in Sachen Umfeld. Seit 2013 sorgt Stefan Bürgler, der langjährige Erfolgscoach von Marlies Schild, als „echte Naturgewalt (Zitat)“ für gnadenlos offene Kritik, aber auch ehrlich gemeintes Lob: „Wir arbeiten sehr gut zusammen, weil er einfach straight ist und ich genau das brauche.“ Ähnliches spräche auch für Konditionstrainer Gerhard Außerlechner: „Er weiß mittlerweile besser, worauf mein Körper anspricht, als ich selber.“

Eva-Maria Brem im Training

Abgerundet wir das „Team Brem“ von Servicemann Richard „Richie“ Weissenbacher, mit dem sie seit einem Skimarkenwechsel vor drei Jahren nicht nur die „Aggressivität“ des Materials auf die idealerweise recht schwierigen Pistenbedingungen („Am besten läuft’s bei mir oft in Rennen, wo ich nach der Besichtigung noch keine Ahnung habe, wie ich es anlegen soll.“) abstimmt, sondern auch aus den 30 bis 50 Paar Testskiern ihre ein, zwei echten „Schatzis“ filtert: „Der Richie ist ein großer, tätowierter Kerl, mit dem in der Zusammenarbeit der Ton auch schon mal rauer werden kann, der mir aber auch zu einem echten Freund geworden ist.“ Insgesamt dürfte Eva-Maria Brems beruflichem „3-Manderl-Haus“ auch deren kurze No-No-Liste einigermaßen fern liegen: „Ich mag keine Unprofessionalität und hasse Jammerer, die sich ständig über etwas beschweren, obwohl sie selbst was dagegen tun könnten.“

Jammern ist definitiv nix für eine, deren Unterschenkel im April 2010 brach und in der Reha erstmals sogar für angstvolle Momente auf Skiern sorgte: „Die ersten Schwünge haben wirklich Überwindung gekostet. Auch wegen der Schmerzen im Schuh, die man aber nur durch Gewöhnung, also eben durch Skifahren in den Griff bekommt.“ Schon gut, dass Freund Andreas als langjähriger Schuh-Servicemann und nunmehriger technischer Koordinator im Herrenbereich auch dafür Verständnis hatte. Was ihn noch auszeichnet?“Er hat Charakter und Rückgrat. Und er akzeptiert wie ich, dass es Dinge im Leben gibt, die wir gemeinsam machen, und andere, die jeder für sich selber tun muss.“

PASSPORT: Eva-Maria Brem

Geboren: 13. September 1988 in Schwaz

Größe/Gewicht: 1,60 m/55 kg

Family: Mutter Maria, Vater Freidrich, Bruder Matthias und Freund Andreas

Beruf: Skirennläuferin

Schulisches: UYC Volksschule Münster, Bischöfliches Gymnasium Paulinum Schwaz, Matura am Skigymnasium Stams, Ausbildung samt Staatsprüfung zur Vertragsbediensteten beim BMF

Hobbys: Relaxen, Tauchen, Tennis spielen und Shoppen

Disziplinen: Riesenslalom und Slalom FIS-Weltranglistenpositionen: 2. (Riesenslalom), 44. (Slalom) Top-Resultate: 19 Top-10-Platzierungen im Weltcup, darunter seit März 2014 sieben Stockerlplätze und der Sieg im Riesenslalom von Aspen; Teamweltmeisterin 2015

Web: www.evamariabrem.com