Ein Feuerwehrmann holt Gold: „Wie eine Nähmaschine“

Mit spektakulärem Stil und unbändigem Kampfgeist gewinnt Maurilio De Zolt bei der nordischen WM 1987 als erster Langläufer aus Südeuropa Gold über 50 Kilometer – im hohen Alter von 36.

//Text: Markus Geisler//Fotos: imago/Sven Simon//

Alles war angerichtet für den mit Spannung ­erwarteten Showdown der schwedischen Langlaufgötter. Die hoch dekorierten Thomas Wassberg (amtierender Olympiasieger) und der Weltcupführende Torgny Mogren gingen als haushohe Favoriten ins Königsrennen über 50 Kilometer, das traditionell den Abschluss der nordischen WM bildet, die 1987 erstmals im bayrischen Oberstdorf stattfand. Doch dann fuhr ihnen einer um die Ohren, der bis dahin (und auch danach) genau einen Weltcupsieg in den Beinen hatte: Maurilio De Zolt, genannt „il grillo“, die Grille. „Der war so klein und schmächtig, wirkte wie eine Mickymaus zwischen all den Henkern und Bären“, erinnert sich Österreichs Langlauf-Held Alois Stadlober, der damals Platz 29 belegte.

Bildnummer: 01431176 Datum: 20.02.1987 Copyright: imago/Sven Simon Maurilio de Zolt (Italien) kämpft sich den Anstieg hinauf; 50km, 50 km, Kilometer, Vdia, quer, Nordische Ski Weltmeisterschaft 1987, Ski Nordisch, Nordischer Skisport, Langlauf, Skilanglauf, Oberstdorf Dynamik, Nordischer Skilauf WM Herren Einzel Einzelbild Aktion Personen

Seine geringe Körpergröße zwang den Spätstarter, der 1994 mit der italienischen Mannschaft sogar noch Staffel-Gold bei Olympia in Lillehammer holte (mit 44 Jahren als ältester Langlauf-Olympiasieger aller Zeiten), zu einem spektakulären Laufstil. Wo andere zwei Schritte skateten, brauchte er vier, was eine irrsinnige Ausdauer erforderte. „Der ist gelaufen wie eine Nähmaschine“, so Stadlober. „Das hat das Publikum natürlich fasziniert, weil es noch schneller aussah, als es in Wirklichkeit war. Die Fans haben fast nur von ihm gesprochen, obwohl er längst nicht so viel gewonnen hat wie seine Konkurrenten.“ Dazu kam, dass De Zolt der erste Südeuropäer war, der sich die Krone in der Königsdisziplin der Langläufer aufsetzte. Bis dahin kannte die WM-Siegerliste nur Läufer aus Schweden (15 Titel), Finnland (10), Norwegen (7) und  Russland (2), dazu je einen Athleten aus den damaligen Ländern Tschechoslowakei und DDR.

In seiner Dolomiten-Gemeinde San Pietro di Cadore, rund 60 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, arbeitete De Zolt neben seinem Brotberuf als Maschinentechniker auch als Feuerwehrmann – und gewann bei der WM der Florianijünger die Silbermedaille im Feuerwehrleiter-Klettern. Das war aber nicht der Grund, warum er 1987 das Verdienstkreuz der Republik Italien verliehen bekam. Das war sein genialer Start-Ziel-Sieg in Oberstdorf, nach dem er seiner Frau versprochen haben soll, die Langlaufskier demnächst an den Nagel zu hängen. Wirklich getan hat er es aber erst zehn Jahre später – als unsterblicher Held der Tifosi, der in die Annalen des Langlaufsports einging. Und heute? Genießt der mittlerweile 66-Jährige seinen Ruhestand mit ausgiebigen Radtouren und Nordic Walking, neben dem Langlaufen die zwei großen Leidenschaften des Maurilio De Zolt.

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