Dominic Thiem: Im Club der großen Lichter

Wurscht, wo Österreichs Top-10-Mann antritt, Dominic Thiem zählt mittlerweile zu den Top-Favoriten. Auch, weil der nun zweifache Paris-Semifinalist mit seinen Allrounderqualitäten ­etwas geschafft hat, was nur einem ­wahrlich elitären Zirkel vorbehalten ist.

//Text: Fritz Hutter //Fotos: Imago

Im Mai, in Barcelona schlug Chelsea-Fan Dominic Thiem mit dem Briten Andy Murray erstmals eine regierende Nummer 1, unlängst im Paris-Viertelfinale mit Titelverteidiger Novak Djokovic bekanntlich endlich jenen Mann, der ihn im Vorjahr erst im Semifinale aus den French Open geschubst hatte. Nach dieser Niederlage enterte der Niederösterreicher die Top-10 und ist seit damals dort Stammgast.

Aber noch etwas ist ihm im Vorjahr, in genau dieser Phase der Tennissaison gelungen. Etwas nämlich, das bislang nur einem höchst exklusiven Club vorbehalten war. Jener junge Mann, der sich zuletzt erinnerte, „dass 2016 für mich noch jeder Sieg über einen Spitzenspieler eine Sensation war“ und seinen mittlerweile entspannteren Umgang auch mit Erfolgen als Produkt eines Reifeprozesses sieht, hat nämlich nicht nur etwas mit Federer, Nadal und Murray gemeinsam. Nein, auch sonst war es in der Geschichte der Open-Ära seit 1968 nur noch den Allstars Sampras, Lendl, Becker, McEnroe und Nastase vergönnt, unmittelbar nach dem Erreichen von Semifinale oder Finale auf dem Sand von Roland Garros eines der Wimbledon-Vorbereitungsturniere auf Rasen zu gewinnen. Dominic Thiem schaffte dies 2016 mit seinem Einzug ins Paris-Halbfinale und dem Sieg beim zurzeit wieder laufenden Mercedes Cup am germanischen Gras von Stuttgart – und damit die belagstechnisch noch immer größtmögliche Umstellung.

Hier die Highlights von Thiems Semifinal-Sieg über Roger Federer in Stuttgart 2016: 

Grundsätzlich wird es schon stimmen, dass Sand der Lieblingsbelag des Rechtshänders mit dem Raketenarm ist. Er selbst bestätigte dies kürzlich, bei der Präsentationspressekonferenz eines neuen Sponsors, eher lapidar: „Natürlich mag ich das Spiel auf Sand sehr, ich bin dort aufgewachsen. Und selbstverständlich sind Paris und die ­großen Sandturniere davor echte Höhepunkte, aber es ist nicht so, dass wir die ganze Saison darauf hinplanen.“

Letzteres wär wohl auch wegen der wirtschaftlichen Relevanz einer sportlich möglichst machtvollen Ganzjahrespräsenz ­patschert, angesichts des Siegeswillens und des Perfektionismus des Gespanns Thiem/Bresnik aber geradezu absurd. Immerhin ist die Mission des Trainer-Managers, den ultimativen Tennisspieler zu schaffen, längst noch nicht abgeschlossen. Ein weiterer Schritt in die für beide wohl richtige Richtung wurde im Vorjahr gesetzt. Thiem fixierte das Outdoor-Triple in Sachen Untergrund aus Titeln auf rotem Ziegelmehl, Hartplatz (Acapulco 2016) und eben Gras. Was Dominic Thiem zum Quartett nun noch fehlt, ist der erste Turniersieg in der Halle.

Eine ausgezeichnete Gelegenheit, diesen zu erledigen, böte sich vom 21. bis 29. Oktober bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle. Mit einem erfolgreichen Antreten dort wäre für den schlagtechnisch so eindeutig zum Allrounder prädestinierten Industrieviertler dann gleichzeitig auch das nicht unspannende Kapitel „erster Heimsieg“ gelesen …

Infos: https://dominicthiem.tennis/de/