Die Wolffjagd – Fahrer und Teams 2018

Seit vier Jahren dominieren Toto Wolffs Silber­pfeile nun die Formel 1. Wie sich Ferrari, Red Bull & Co. gerüstet haben, damit die Sterne schon bald verglühen.

//Text: Sven Haidinger // Fotos: F1-Teams//

Mercedes – Für eine Handvoll Titel?

Teamchef: Toto Wolff
Technikchef: James Allison
Fahrer: #44Lewis Hamilton (GBR/33), #77 Valtteri Bottas (FIN/28)
Ersatzfahrer: Pascal Wehrlein (GER), George Russell (GBR)
Chassis: F1 W09 EQ Power+
Motor: Mercedes
Nationalität: Deutschland

mercedes

Toto Wolff hat im Vorjahr bewiesen, wie gut er sein Team wirklich im Griff hat, denn spätestens nach dem Jahr der Reglementrevolution, in dem die Silberpfeile den vierten Titel in Serie holten, kann niemand mehr behaupten, dass er nur die Früchte von Vorgänger Ross Brawn erntet. Das neue Auto, das erstmals unter Verantwortung von James Allison entstand, zeigt, dass man auf die eigenen Stärken setzt und sich von Trends nicht verleiten lässt. Lewis Hamilton bleibt durch das Duell mit Vettel motiviert, Valtteri Bottas fährt um seine Karriere.

Ferrari – Vettels offene Rechnung

Teamchef: Maurizio Arrivabene
Technikchef: Mattia Binotto ­
Fahrer: #5 Sebastian Vettel (GER/30), #7 Kimi Räikkönen (FIN/38)
Ersatzfahrer: Daniil Kwjat (RUS)
Chassis: SF71H
Motor: Ferrari
Nationalität: Italien

ferrari

So gut hat im Vorjahr alles begonnen, doch in der zweiten Saisonhälfte brachte man sich mit Antriebsdefekten um die WM-Krone. 2018 soll Sebastian Vettel nach zehn Jahren Pause endlich den Titelfluch der Scuderia beenden. Das Auto ist wieder unter der Leitung von Heilsbringer Mattia Binotto entstanden, der der Technikabteilung neuen Mut eingeimpft und 2017 ein cleveres Auto gebaut hat. Auch aus der Motorenabteilung hört man positive Signale. Der Verlust von Großsponsor Santander wird sich dank des Top-Budgets kaum auswirken.

Red Bull Racing – Nur ja kein Bullen-Fehlstart

Teamchef: Christian Horner
Technikchef: Pierre Wache
Fahrer: #3 Daniel Ricciardo (AUS/28), #33 Max Verstappen (NED/20)
Ersatzfahrer: Pierre Gasly (FRA)
Chassis: RB14
Motor: Renault
Nationalität: Österreich

redbullracing

Nach Red Bulls Fehlstart im Vorjahr hat sich Designguru Adrian Newey beim RB14 wieder mehr eingemischt, außerdem wurde der Bolide so früh wie nie fertig, um perfekt aussortiert zu sein. Kein Wunder, denn die erste Saisonhälfte wird darüber entscheiden, ob Daniel Ricciardo verlängert und Max Verstappen motiviert bleibt. Das Zünglein an der Waage wird der Renault-Motor sein, denn Red Bull hat mit dem geplanten Wechsel 2019 zu Honda die Franzosen einmal mehr vergrault. Das könnte einen potenziellen Titelkampf entscheiden.

Force India – Pink Panthers im Clinch

Teamchef: Vijay Mallya, Robert Fernley
Technikchef: Andy Green Fahrer #11 Sergio Perez (MEX/28), #31 Esteban Ocon (FRA/21)
Ersatzfahrer: Nicholas Latifi (CAN)
Chassis: VJM11
Motor: Mercedes
Nationalität: Indien

forceindia

Auch wenn der Force India wegen des österreichischen Sponsors BWT erneut zuckerlrosa ist, süße Geschenke werden sich die Stallfeinde Sergio Perez und Esteban Ocon, die sich im Vorjahr mehrmals ins Auto fuhren, wohl auch 2018 nicht machen. Beide kämpfen um den Sprung zu einem Topteam. Man darf gespannt sein, ob die ­finanzschwache Truppe auch heuer ihrem Ruf als Weltmeister der Effizienz gerecht wird, denn das neue Auto ist bloß ein weiterentwickelter Vorjahresrenner. Updates sind erst während der Saison geplant.

Williams – Mit dem Rücken zur Wand

Teamchef: Frank Williams, Claire Williams
Technikchef: Paddy Lowe Fahrer #18 Lance Stroll (CAN/19), #35 Sergei Sirotkin (RUS/22)
Ersatzfahrer: Robert Kubica (POL)
Chassis: FW41
Motor: Mercedes
Nationalität: Großbritannien

williams

Williams steht 2018 vor einer Schlüsselsaison: Der FW41 ­entstand zwar erstmals unter der Leitung von Ex-Mercedes-Erfolgstechnikchef Paddy Lowe, dafür fehlt das Geld in der Teamkasse. Nach Randstad und Avenade verliert man Ende der Saison auch Hauptsponsor Martini. Um das Loch zu stopfen, verpflichtete Claire Williams neben dem 19-jährigen Milliardärssohn Lance Stroll mit dem russischen Rookie Sergei Sirotkin einen weiteren Paydriver. Kann die nicht gerade berühmte Fahrerpaarung Williams aus der Krise katapultieren?

Renault – Wolffs Geheimtipp

Teamchef: Cyril Abiteboul
Technikchef: Bob Bell
Fahrer: #27 Nico Hülkenberg (GER/30), #55 Carlos Sainz (ESP/23)
Ersatzfahrer: Jack Aitken (GBR)
Chassis: R.S.18
Motor: Renault
Nationalität: Frankreich

renault

„Renault wird heuer von allen Teams den größten Schritt machen“, tippt Mercedes-Boss Toto Wolff. Im dritten Jahr des Fünfjahresplans, an dessen Ende der Titel steht, sollen endlich Podestplätze ­gelingen. Das ist auch Nico Hülkenbergs Traum, der immer noch aufs erste Stockerl wartet. Das Werksteam zieht alle Register: Mit Marcin Budkowski werkt trotz des Widerstands der Gegner ab April der Mann in der runderneuerten Fabrik in Enstone, der als Ex-FIA-Technikchef alle Geheimnisse kennt. Carlos Sainz ist nur eine Red-Bull-Leihgabe.

Toro Rosso – Hondas letzte Chance

Teamchef: Franz Tost
Technikchef: James Key
Fahrer: #10 Pierre Gasly (FRA/22), #28 Brendon Hartley (NZL/28)
­Ersatzfahrer: –
Chassis: STR13
Motor: Honda
Nationalität: Italien

tororosso

Toro Rosso hat 2018 die Rolle des Versuchskaninchens: Da sich Red Bull nach der McLaren-Honda-Scheidung ab 2019 die japanische Werksunterstützung sichern will, testet man die viel kritisierten Honda-Triebwerke heuer beim B-Team Toro Rosso. Der Deal kam erst im September zustande, also musste Technikchef James Key das Konzept des STR13, der eigentlich auf einen Renault-Motor ausgelegt war, über den Haufen werfen. Die Fahrer Gasly und Hartley kamen im Vorjahr aus dem Nichts zum F1-Debüt und müssen sich heuer beweisen.

Haas – In den Fängen Ferraris

Teamchef: Günther Steiner
Technikchef: –
Fahrer: #8 Romain Grosjean (FRA/31), #20 Kevin Magnussen (DEN/25)
Ersatzfahrer: Antonio Giovinazzi (ITA)
Chassis: VF-18
Motor: Ferrari
Nationalität: USA

haas

Im dritten Formel-1-Jahr muss sich das US-amerikanische Team endlich stabilisieren, 2017 verstand man die Reifen gar nicht und fuhr bei manchen Rennen hinterher, was bei Routinier Romain Grosjean schon zu Arbeitsverweigerung führte. Vielleicht liegt es auch da­ran, dass man viele Teile nicht selbst entwickelt und von Ferrari bezieht. Dadurch könnte man im bevorstehenden F1-Machtkampf zum Spielball von Ferrari werden. Ferrari-Boss Marchionne plant bereits, Haas mit Sponsor Maserati noch weiter in die Abhängigkeit zu treiben.

McLaren – Ende eines Albtraums?

Rennleiter: Eric Boullier
Technikchef: Tim Goss
Fahrer: #14 Fernando Alonso (ESP/36), #2 Stoffel Vandoorne (BEL/25)
Ersatzfahrer: Lando Norris (GBR)
Chassis: MCL33
Motor: Renault
Nationalität: Großbritannien

mclaren

Nach drei Horrorjahren mit Honda zog McLaren die Notbremse und reichte die Scheidung ein, zu groß war die Angst, dass Schlüsselmitarbeiter – darunter Starpilot Fernando Alonso, der 2018 übrigens mit Toyota in Le Mans fremdgeht – das sinkende Schiff verlassen und man den Nimbus als Top-Team endgültig verliert. Dafür fehlen nun die 100 Millionen Dollar aus Tokio im Budget und man muss für die Renault-Motoren Geld ausgeben. Es wäre gelacht, wenn Honda nun mit Toro Rosso die Kurve kratzt und Alonsos Albtraum weitergeht …

Sauber – Schweizer Alfa-Tiere

Teamchef: Frederic Vasseur
Technikchef: Jörg Zander
­Fahrer: #9 Marcus Ericsson (SWE/27), #16 Charles Leclerc (MON/20)
Ersatzfahrer: Antonio Giovinazzi (ITA)
Chassis: C37
Motor: Ferrari
Nationalität: Schweiz

sauber

Sauber versucht nach dem Absturz ans Ende des Feldes den Neustart in den Farben von Alfa Romeo. Statt Monisha Kaltenborn sitzt nun Ex-Renault-Teamchef Frederic Vasseur am Ruder, der als erste Amtshandlung den Deal mit Honda für 2018 auflöste und einen Pakt mit Ferrari schloss. Neben den Motoren erhält Sauber auch Ferrari-Supertalent Charles Leclerc und Alfa Romeo als Sponsor, dafür muss das Team nach der Pfeife von Ferrari-Boss Sergio Marchionne tanzen. Der rüstet sich für den bevorstehenden F1-Machtkampf.