Die Unfassbaren: Die kultigsten EURO-Typen

Brave, nicht brav. Lässig, nicht lieb. Was andere über sie denken, ist ihnen wurscht. Ohne sie wäre Fußball nur ein Spiel mit Ball. Arnautovic, Bale, ­Müller, Pogba & Co. – die kultigsten Typen der EURO lassen niemanden kalt.

//Text: Tom Hofer
//Titelbild: (c) picturedesk.com/Action Press

Thomas Müller

Keine Tattoos, keine Muskeln (zumindest laut Eigendefinition), kein Bling-Bling, Durchschnittsfrisur – taugt so ein Typ ­trotzdem zum Weltstar? Ja, gerade weil er so anders ist wie die Glamour-Boys der Branche! Im Gegensatz zu den Phrasen­dreschern ­unter den Kollegen gibt’s zum Beispiel kaum ein Interview mit Thomas Müller, das nicht höchsten Unterhaltungswert hat. Dass er seine Urlaube mit Herzblatt Lisa (die Pferdenärrin ist als Dressurreiterin erfolgreich) am liebsten daheim in Oberbayern oder in Österreich verbringt? Sympathisch! In ­Otterfing, unweit der ­Grenze, baut er übrigens gerade ein Haus. Dass er als einer der wenigen Bayern-Stars beim Feiern die Sau rauslässt? Respekt! Dass er am liebsten am Golfplatz relaxt? Fad, aber authentisch. Und dass sich der 26-Jährige (aktueller Marktwert: 75 Mio. Euro) lieber im historischen Kicker-Outfit als overdressed im feinsten Zwirn foto­grafieren lässt? Cool – oder nicht?

Paul Pogba

Als er Anfang Jänner bei der Ballon-d’Or-Gala in Zürich ­neben Ronaldo, Messi, Neymar & Co. auf der Bühne steht, ist er nicht nur der jüngste, sondern auch der schrägste Typ am Gruppenfoto: Irokese mit blonden Spitzen, dazu Designerbrille mit Fensterglas und dann noch dieses goldverzierte Sakko! Erstmals hatten ihn die Kollegen in die „Elf des ­Jahres“ gewählt – mit 22! Völlig verdient, eh klar. Dass er in absehbarer Zeit der Hauptact der Veranstaltung sein wird, scheint sonnenklar. CR7 ist 31, bei Messi steht nächstes Jahr der Dreier vorn. Pogbas Zeit kommt. „Ich will der beste Mittelfeldspieler der Geschichte werden!“, posaunt der Frenchman keck in die Welt hinaus. Mit Provokation hat das nichts zu tun. Wer sich seit seinem 16. Lebensjahr einen eigenen Physiotherapeuten leistet, einer Legende wie Sir Alex die Stirn bietet und seit vier Jahren jede Saison mit dem Meistertitel abschließt, der weiß, was er will. „Es schaut alles so leicht aus bei ihm“, schwärmt Teamchef Didier Deschamps. „Er ist schon jetzt ein außergewöhnlicher Spieler, aber ich bin überzeugt, dass er noch 30 bis 40 Prozent Luft nach oben hat“, meint Juve-Coach Massimiliano Allegri. Muss so sein, sonst hätte ihm sein Bruderherz Florentin, seinerseits Captain von Guinea, beim Voting für den „Weltfußballer des Jahres“ wenigstens einen Punkt gegeben. Knacken Pogba & Co. am 10. Juli den EURO-Jackpot, schaut’s bei der nächsten Wahl garantiert anders aus. Nach Raymond Kopa, Michel Platini, Jean-Pierre Papin und Zinedine Zidane wäre Pogba der fünfte Franzose in der ehrenwerten Liste. Eine inter­essante Vorstellung – allein schon wegen des Outfits …

 

Radja Nainggolan

Die Terrorangst steckt alle an. Nervöse Hotelgäste hatten Mitte November letzten Jahres, wenige Tage nach den Anschlägen in Paris, die Polizei ins Radisson in Antwerpen gerufen, weil ihnen diese Gestalt mit dem Kapperl und den vielen Tattoos (aktuell sind’s genau 50 Peckerln!) verdächtig vorgekommen war. Die Beamten eilten herbei, checkten aber zum Glück sofort, dass der „gefährliche“ Typ Belgiens Teamkicker Radja Nainggolan war. Gschwind noch ein Selfie mit dem Star und schon war der Einsatz beendet. Abseits des Rasens ist der Sohn eines Indonesiers und einer Flämin ­nämlich fromm wie ein Lamm. Auf dem Spielfeld schaut’s freilich anders aus, da wird der 28-Jährige (Spitzname: „Ninja“) zum Krieger und verbreitet durchaus Angst und Schrecken. Schon mit 17 wechselte der Mittelfeldabräumer nach Italien, über Piacenza und Cagliari dockte er bei Roma an. Dort ist er nicht der Einzige aus seiner Familie, Zwillingsschwester Riana kickt im Damenteam der Römer. Sie hat zwar bei weitem weniger Tattoos am Körper, ist aber frisurtechnisch genauso ausgeflippt wie ihr Bruderherz unterwegs.

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