Die letzte Chance

In seinen Landesfarben gilt Lionel Messi als klassischer Underachiever, Cristiano Ronaldo als vergötterter Heilsbringer. Am Zenit ihres Schaffens bietet sich für die unbestritten besten Fuß­baller der Welt die wohl finale Gelegenheit, ihre so imposanten Lebensläufe zu vervollständigen.

Text: Tobias Wimpissinger // Fotos: imago/UPI Photo (l.), imago/ITAR-TASS (r.)

Als Romario Ibarra am letzten Spieltag der Südamerika-Qualifikation Argentinien nach nur 37 Sekunden das schnellste Gegentor in 116 Jahren bescherte, drohte der stolzen Fußballnation das erstmalige Verpassen einer WM seit 1970 mehr denn je. Eine Endrunde ohne Lionel Messi? Dagegen stemmte sich dieser höchstselbst. Mit einem Dreierpack in der 12., 20. und 61. Minute drehte der Superstar die Partie in Ecuador im Alleingang und versetzte ein ­ganzes Volk in Ekstase. „Die Angst auszuscheiden war ­definitiv da“, zeigte sich der Erlöser nach seinem Geniestreich erleichtert. Nationaltrainer Jorge Sampaoli rang indes im Freudentaumel auf 3000 Meter Höhe nach Luft: „Wenn Messi fit ist, ist es seine Mannschaft – mehr seine als meine.“ Erst vier Monate zuvor hatte der 58-Jährige die Albiceleste mitten in der Quali übernommen, nach drei Remis zum Start war der Sieg in Quito sein erster Erfolg als Argentiniens Coach. Er rettete Sampaoli den Job.

Kaum zu glauben, aber im Argentinien-Trikot haftet Messi das Stigma des Verlierers an. Zwar netzte er in 123 Länderspielen beachtliche 61-mal, aber nicht immer, wenn es darauf ankam. Bei der WM 2010 und der Heim-Copa 2011 war er gar ohne Torerfolg geblieben, für sein Land kann der 30-Jährige lediglich den im Fußball wenig bedeutenden Olympiasieg 2008 vorweisen. Zuletzt verlor Messi drei Endspiele in Serie, schon davor war er im Showdown um die Südamerika-Meisterschaft 2007 gescheitert. Neben den jüngsten Finalniederlagen bei der Copa América 2015 und 2016 beschäftigt den Barce­lona-Angreifer vor allem der Genickbruch in der WM-Verlängerung 2014 gegen Deutschland. TV-Bilder vom Finale habe er sich danach nie wieder angeschaut. Nach dem Penaltydrama 2016 in den USA war Messi, der seinen Versuch in den Abendhimmel von New Jersey gejagt hatte, frustriert aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

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