Der Bundesliga-Start: Drama, Baby!

Vier Teams im Titelfight, drei Mannschaften im Abstiegskampf – das Frühjahr verspricht so viel Spannung wie lange nicht mehr. Wir legen die Finger in die Wunden der Klubs und fragen nach, wie man ein böses Frühlingserwachen verhindern will.

//Text: Markus Geisler, Tom Hofer//Fotos: GEPA-Pictures.com

SCR Altach

Die Produzenten des Ländle-Wunders sind nicht kleinzukriegen, nicht einmal die Abwerbung von Erfolgscoach Canadi konnte die Winterkrone verhindern. Was vor allem daran liegt, dass in der Cashpoint-Arena Zahltag für jeden Gegner ist und niemand dort gewinnen konnte. Mit Martin Scherb soll nun ein Bundesliga-Rookie dafür sorgen, dass Altach das Leices­ter Österreichs wird.

Wer Erster ist, kann nicht Platz zwei als Ziel ausgeben, oder, Herr Zellhofer?

„Ich bitte Sie, wir träumen weder von Platz eins noch zwei, das ist für Altach nicht die Realität. Aber ich gebe zu: Das Team hat Lunte gerochen, wir werden uns nicht freiwillig von dort oben verabschieden.“

Red Bull Salzburg

Die meisten Tore erzielt, die wenigsten kassiert, die jüngste Startelf ins Rennen geschickt – unter rein statistischen Aspekten war es ein zufriedenstellendes Halbjahr. Gefühlt hält sich die Begeisterung aber in Grenzen: Aus im Europacup, wenige Zuschauer, in der Liga nur Jäger statt Gejagter. Was auch daran liegt, dass keiner der Neuzugänge wie Dabbur, Stangl oder Rzatkowski stach.

Haben Sie vergangenen Sommer schlecht eingekauft, Herr Freund?

„Unsere Neuzugänge verfügen über großes Potenzial, haben aber eine gewisse Anlaufzeit benötigt, was auch der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, geschuldet war. Mittlerweile sind wir gut unterwegs und werden mit ihnen noch viel Freude haben.“

Sturm Graz

Vier Millionen Euro für ­Matic und Edomwonyi (beide waren ablösefrei gekommen) – kaufmännisch betrachtet waren die Blackies höchst erfolgreich. Bleibt abzuwarten, wie man die beiden Stützen ersetzen kann. Beim überraschenden Titel 2010/11 hatte das Foda-Team nach 20 Runden drei Punkte weniger auf dem Konto. Ein gutes Omen?

Welche Parallelen gibt’s zur Meistersaison 2010/11, Herr Foda?

„Damals haben wir das Feld in den letzten Runden von hinten aufgerollt. Diesmal haben wir schon jetzt ex­trem viele Punkte, waren sogar 13 Runden lang Erster. Damit konnte keiner rechnen. Wir werden auch im Frühjahr versuchen, jedes Match zu gewinnen. Das ist unsere Intention. Mal sehen, was am Ende rauskommt.“

fink

Austria Wien

Mittendrin im Titelrennen, mehr Zuschauer (7229 im Schnitt) als Meister Salzburg, zehn Punkte Vorsprung auf Erzrivale Rapid – trotz bitterem Europacup-Aus und Kreuzbandriss bei Captain Robert Almer lief’s bisher ganz gut. Geht noch mehr?

Liefert die Austria im Frühjahr ihr Meisterstück ab, Herr Fink?

„Wenn wir gut aus den Startlöchern kommen, wäre es natürlich eine tolle Sache. Bisher haben wir alles sehr gut gemacht. Die Salzburger haben aber die Nase vorn, sie sind klarer Favorit. Wir geben uns aber nicht von Haus aus geschlagen, wollen das natürlich angehen.“

Rapid Wien

Hinter vorgehaltener Hand wird Neo-Trainer Canadi bei Rapid gern „Napoleon“ genannt. Nicht wegen seiner geringen Körpergröße, sondern wegen der eisernen Hand, mit der er Hütteldorf revolutionieren will. Gelingt zum Auftakt gegen die Austria kein Sieg, wird es im Sommer keinen Europa-Feldzug geben – eine Katastrophe für den selbst ernannten Titelanwärter.

Wie wollen Sie diesen GAU noch verhindern, Herr Canadi?

„Mein persönliches Ziel ist es, in der Rückrunden-­Tabelle unter die Top 3 zu kommen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass es über den Cup auch noch eine Chance gibt. Die nehmen wir sehr ernst.“

,,Mein persönliches Ziel ist es, in der Rückrunden-­Tabelle unter die Top 3 zu kommen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass es über den Cup auch noch eine Chance gibt. Die nehmen wir sehr ernst.”

Damir Canadi

Admira Wacker

Der neue Coach Damir Buric hat sich bei seiner ersten Station als Cheftrainer (bei Hajduk Split) nicht mit Ruhm bekleckert. Vorrangiges Ziel des Kroaten in der Südstadt? Die Defen­sive stärken. Ex-Coach Oliver Lederer schaffte das Kunststück, mit 19 Toren 23 Punkte einzufahren und auf Platz 6 zu überwintern, deshalb baten wir ihn um eine Prognose.

Ist die Admira nach 36 Runden besser als Sechster, Herr Lederer?

„Eine provokante Frage, das hängt von vielen Faktoren ab. Unser einziges Problem im Herbst: Wir waren körperlich nicht in der Lage, einen Rückstand aufzuholen.“

Wolfsberger AC

Der Herbst war eine Achterbahnfahrt der Gefühle: einmal top, dann wieder Flop! Eine Folge des Kaderumbruchs im Sommer. Rapid-Leihgabe Philipp Prosenik (mit 7 Treffern Topscorer) traf gegen seinen Ex-Klub zweimal – noch ist offen, ob der WAC im Sommer die (Kauf-)Option zieht.

Bekommt der WAC im Frühjahr seine Formschwankungen in den Griff, Herr Pfeifenberger?

„Wir haben im Kalenderjahr 2016 neben Red Bull Salzburg die meisten Zu-null-Spiele abgeliefert, zu dieser Stärke müssen wir zurückfinden. Außerdem gilt es, die Langzeitverletzten Drescher, Palla und Topcagic wieder in Rhythmus zu bringen.“

SV Ried

18 mickrige Tore in 20 Herbstpartien – was der Rieder Angriff fabrizierte, ging schon in Richtung Arbeitsverweigerung. Kein Spieler traf öfter als dreimal, weswegen den Innviertlern 2017 der Abstiegskampf nicht erspart bleibt. Hoffnung macht, dass Gernot Trauner nach seinem Kreuzbandriss wieder voll bei Kräften ist, für hochkarätige Neuzugänge fehlt das Geld.

Hätten Sie sich vom deutschen Trainer Benbennek mehr versprochen, Herr Reiter?

„Nein, wir sind mit seiner Arbeit sehr zufrieden, haben nie an einen Wechsel gedacht. Er kann nichts dafür, wenn unsere Stürmer nicht treffen. Wir sehen uns auch nicht unter den letzten drei, sondern schauen nach oben.“

SKN St. Pölten

Als Aufsteiger direkt wieder abzusteigen, das schaffte zuletzt Vorwärts Steyr 1998/99. Stopft St. Pölten nicht die Löcher in der Abwehr (38 Gegentore sind Liga-Höchstwert), kann es eng werden. Auf Coach Jochen Fallmann wartet die Doppel­belastung Abstiegskampf plus Trainerkurs. Für die UEFA-Pro-Lizenz hospitiert er bei Bayern-Coach Carlo Ancelotti!

Wie wollen Sie Ihre Defensivabteilung stabilisieren, Herr Fallmann?

„Indem wir die Fehler gut analysieren und das Besprochene in die Tat umsetzen. Das bedeudet viel Arbeit im Training. Wir dürfen aber das Spiel nach vorne nicht vernachlässigen, das ist der Schlüssel zum Klassenerhalt.“

SV Mattersburg

Aktionismus in Mattersburg: Eine Woche vor der Konkurrenz nahm das Schlusslicht das Wintertraining auf – und dann auch noch mit neuem Coach. Gerald Baumgartner löste den glücklosen Ivo Vastic ab und soll vor allem die peinliche Auswärtsschwäche beheben. Ganze zwei Punkte holten die Burgenländer in der Fremde – die Bilanz eines Absteigers.

Ist Mattersburg noch zu retten, Herr Lederer?

„Sicher! Der Herbst hat gezeigt, dass die Bundesliga extrem ausgeglichen ist. Mit einem ordentlichen Start und daraus resultierendem Selbstvertrauen ist für uns einiges möglich.“

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