David Alaba: Vom Fanliebling zum Problemboy?

2016 war für David Alaba das komplizierteste Jahr seiner Karriere. Öffentliche Kritik, schlechte Außendarstellung, verpatzte EURO, die ewige Positionsdebatte: Kann der Fan-Liebling a. D. seine erste große Krise nutzen, um wirklich ein Großer zu werden?

//Text: Markus Geisler //Foto: Tibor Bozi

Früher war es ja so: David Alaba rauchte auf Facebook nur irgendein nichtssagendes Posting – sagen wir: „Tolles Wetter heute“ – zu veröffentlichen und die Community lag ihm zu Füßen. „Super, David!“, „Genieß es!“, „Wir sind stolz auf dich!“, lauteten die Kommentare. Heute sind die Postings immer noch meist nichtssagend, die Reaktionen haben sich aber geändert. „Konzentrier dich aufs Kicken!“ oder „einfach nur peinlich“ ist jetzt oft zu lesen. Und ganz und gar überzogen Unfreundliches wie „Vertschüss dich aus dem Nationalteam!“ ist auch dabei. Nun muss man irgendwelche Poster in den unendlichen Tiefen der Social-Media-Welt nicht übertrieben ernst nehmen, sie zeigen aber eines: Für David Alaba hat sich der Wind 2016 gedreht, aus dem über alle Maßen geliebten Everybody’s Darling wurde ein kritisch beäugter Fan-Liebling außer Dienst. Nicht für alle, aber für eine durchaus kritische Masse. Das Sportmagazin sprach mit vier Experten, die Alabas Karriere aus verschiedenen Blickwinkeln seit Langem beobachten. Und geht dabei der Frage nach: Kann der 24-Jährige die erste Krise seiner Karriere nutzen, um gestärkt daraus hervorzugehen

,,Was ist das für ein Land? David ist nicht nur eine Marke für Österreich, sondern eine Weltmarke, die wir zusammen mit dem FC Bayern aufgebaut haben.”

George Alaba

Der Sportdirektor Dunkle Hose, weißes Hemd, gestreifte Krawatte – wenn ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner zu etwas Stellung bezieht, hat es immer auch etwas Staatstragendes. „Keine Frage, das war sicher Davids schwierigstes Jahr“, sagt er beim Gespräch mit dem Sportmagazin. „Wie er wahrgenommen wird, ist aber auch geprägt vom Hype 2015 und den unbefriedigenden Ergebnissen 2016. In der erfolgreichen Qualifikation für die EURO war er ein Schlüsselspieler, der in ganz entscheidenden Situationen großartige Leistungen gezeigt hat – als Führungsspieler. Dann ist es normal, dass genau diese Spieler jetzt damit konfrontiert werden, warum es aktuell nicht mehr so läuft.“ Wobei der 54-Jährige Wert darauf legt, dass Alabas Leistungen 2016 in Wahrheit nicht so schlecht waren, wie sie von der Öffentlichkeit gesehen wurden: „Ich werte die Daten jedes Spielers aus. Und ich kann sagen, dass David im Schnitt immer zu den drei besten Spielern auf dem Platz zählte.“

Preisgeben kann er die Werte aus Datenschutzgründen nicht. Und in der Tat spiegeln sie nicht das wider, was Fans und Journalisten beobachtet haben. Bei der Tageszeitung „Kurier“ hat er bei seinen zwölf Einsätzen einen Notenschnitt von bescheidenen 3,6, beim Onlinedienst spox.com von 3,3 – damit ist er gerade einmal der zehntbeste Spieler aller ÖFB-Akteure, die mehr als die Hälfte aller Partien absolviert haben. Natürlich waren auch in diesem Jahr geniale Aktionen dabei wie der Pass auf Marko Arnautovic vor dem Tor zum 1:1 gegen Wales, aber vor allem eine ungewohnt hohe ­Fehlerquote trübt den Gesamteindruck. Und nach der verkorksten EURO und dem Rücktritt von Christian Fuchs stand über jedem Spiel die Frage: Wäre er nicht als Linksverteidiger besser aufgehoben? Ruttensteiner energisch: „Bitte hört endlich mit dieser Debatte auf. Vom Zeugwart bis zum Präsidenten weiß jeder im ÖFB, dass David ein Weltklasse-Linksverteidiger ist. Aber die Frage ist: Wo ist er im Kollektiv der Nationalmannschaft am besten aufgehoben? Da hat sich der Teamchef für das Mittelfeld entschieden. Das ist zu respektieren.“ Ein Wunsch, der wohl auch 2017 nicht erfüllt werden wird….

Die ganze Story steht im neuen Sportmagazin. Wer also wissen will, wie etwa David Alabas Vater George, ein angesehener Motivationspsychologe oder der kicker-Chefreporter die Diskussion um Österreichs Weltklassefußballer sehen, der holt sich die aktuelle Ausgabe.