BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer: „Wir sind das Dach des Vereinssports“

Nach einem guten Monat an der Spitze der Bundes-Sportorganisation spricht Präsident Rudolf Hundstorfer über seine sportlichen Wurzeln und die ­zentralen Aufgaben der BSO.

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Sportmagazin: Ihre persönlichen Sport-Roots liegen ja im Handball. Wieso grad dort?

Rudolf Hundstorfer: Das hat sozusagen historische Gründe. Ich bin im fünften Wiener Gemeindebezirk auf­gewachsen. Irgendwann bin ich, wie mein fast zehn Jahre älterer Bruder, zur Turnsektion des WAT Margareten gegangen. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass Turnen nicht das Richtige für mich war, und ich bin im gleichen Verein zum Handball gewechselt. Dort habe ich dann meine gesamte Jugendzeit verbracht. Auch während des Bundesheeres habe ich gespielt, genau wie danach im Bundesgymnasium für Berufstätige. Irgendwann ist sich regel­mäßiges Training zeitmäßig einfach nicht mehr ausgegangen, trotzdem habe ich noch eineinhalb Jahre bei den „Senioren“ gespielt. Danach war es vorbei mit dem aktiven Handball, der mich immerhin bis nach Deutschland und Holland gebracht hat – eine schöne Zeit. Vor mittlerweile mehr als zwanzig Jahren wurde ich dann gefragt, ob ich nicht das Amt des Präsidenten beim Wiener Handballverband übernehmen will.

Nach dem sicher anstrengenden Bundespräsidentschaftswahlkampf sind Sie noch im selben Jahr an die Spitze der Bundes-Sportorganisation getreten. Andere hätten sich da eventuell eine längere Auszeit verordnet.

Ehrlicherweise hatte ich in meinem Leben Phasen, die doch deutlich anstrengender waren als dieser Wahlkampf. Wenn ich an das vom Bawag-Skandal ausgelöste Krisenjahr 2007 beim ÖGB denke oder an sieben Jahre als Mitglied der Bundesregierung, muss ich ganz ehrlich sagen, dass das schon eine etwas intensivere Belastung war. Im Sommer, nachdem ich beschlossen hatte, einen Schlussstrich unter meine politische Laufbahn zu ziehen, schlug mich dann die ASKÖ für das Amt des BSO-Präsidenten vor. Der Wahlausschuss lud alle Kandidaten zu einem Gespäch ein, um sich über deren Ziele und Herangehensweisen zu informieren. Anfang November wurde ich dann einstimmig gewählt. Eine Zustimmung, die mich durchaus überrascht und auch gefreut hat.

In welcher Rolle sehen Sie die BSO in Zeiten, die dem Sport in Österreich doch einiges an Straffung, Entpolitisierung und Vereinfachung bringen sollen?

Wir sind das Dach des Vereinssports und verfügen über nicht unwesentliche Mitwirkungsrechte auf Gesetzgebungsebene und Möglichkeiten zum Lobbying für den Sport an vielen neuralgischen Stellen. Was außerdem in der öffentlichen Debatte völlig untergeht, sind Dinge wie die unglaublich intensive Arbeit, welche die BSO investiert hat, damit beispielsweise die Registrierkassenpflicht für Vereine überhaupt lebbar wurde. Dafür ist sehr viel Know-how und Einsatz nötig. Die zweite Seite ist, dass wir für den Sport auftreten und für ihn werben wollen. Das drückt sich in Initiativen wie eben jener für die tägliche Bewegungseinheit an den Schulen aus, aber auch in der öffentlichen Klarstellung der massiven sozialen und gesundheitspolitischen Wirkung des Sports.

Surft man durch www.bso.or.at, fällt einem schnell das breite Fortbildungsangebot der BSO auf.

Eine weitere, sehr wichtige Säule. Wir verstehen uns als Service­einrichtung mit dem Ziel, den Funktionärinnen und Funktionären die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung in Rechts- oder Finanzdingen, aber etwa auch in Sachen Medienarbeit zu geben. In letzter Zeit wurde zudem die digitale Eigendarstellung von Vereinen immer mehr zum Thema. Eine einigermaßen kühne Vision in meinem Kopf ist, dass zumindest ein Vertreter aus jedem unserer über 14.000 Vereine unsere Fortbildung durchläuft. Ich weiß, dass das utopisch klingt, aber mit modernen Kommunikationsmitteln lässt sich dieses Vorhaben ja vielleicht doch realisieren. Dazu möchte ich aber auch unsere öffentlichen Auftritte intensivieren, um noch stärker auf die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports hinzuweisen. Auch um jene Mittel lukrieren zu können, die nötig sind, um beispielsweise Sportprojekte zur Integration von Flüchtlingen­ zu unterstützen. Viele Initiativen gibt es ja bereits, noch mehr könnten es sein – und es wäre gut, wenn die BSO die Verbände und Vereine bei ihrer Arbeit, etwa was Hallen- oder Platzmieten oder den Ankauf diverser Gerätschaften betrifft, noch intensiver unterstützen könnte.

Wie steht es mit einem zentralen BSO-Anliegen, der täglichen Bewegungseinheit?

Derzeit läuft ja ein Pilotprojekt im Burgenland. Wir haben in Österreich ein wenig den Hang dazu, zu sagen, Schule mach! Aber irgendwann sind die Kapazitäten der Schule ausgereizt. Und darum bin ich über den Testlauf im Burgenland, wo ja bereits 77 Prozent der Schulen in Zusammenarbeit mit externen Bewegungstrainern mitmachen, so froh. Der Start ist also gelungen. Natürlich muss die Schule die Einheiten organisatorisch unterbringen, aber das Personal aus den Sportvereinen hat sie nun zu Verfügung. Mit den Erfahrungen der Schulen und jener Personen, die den Job bereits konkret tun, ist die Basis für die Ausrollung auf ganz Österreich jedenfalls gelegt. Als Nächstes setze ich nun auf Oberösterreich und die Steiermark.

Infos: http://www.bso.or.at