Big Brother Is Watching You

Michael Matt ist die hilfsbereitere, zugänglichere, empfindsamere Version seines Bruders, Vorbilds, Mentors Mario. Ein mit knapper Not überlebtes Lawinenunglück und karrieregefährdende Rückenschmerzen könnten ihren Teil dazu beigetragen haben. Nun aber will der kleine Matt zur Kopie des großen werden.

// text: Manfred Behr //foto: Gepa Pictures //

Drüben auf der Sonnenwiese, auf der anderen Seite des Stanzertals, hatte Mario Matt 15 Tage zuvor für das krönende Ende der Ski-WM 2001 in St. Anton gesorgt: Gold im Slalom nach Silber in der Kombi für den damals 21-jährigen alpinen Emporkömmling aus dem nur 13 Kilometer entfernten Flirsch. Rotweißrotes Fahnenmeer, Goldmedaille, „Land der Berge“, Gänsehaut. Eindrücke, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Weder bei den 1,5 Millionen im Patschenkino noch bei den 50.000 vor Ort, am allerwenigsten aber bei jenem 7-Jährigen, dessen großer Bruder als Auslöser der kollektiven Begeisterung verantwortlich zeichnete.

Vielleicht hallte der Jubel noch nach in Michael Matt, als er an jenem 25. Februar 2001 gemeinsam mit Vater, Onkel, Cousin und Cousine mit der Rifflbahn I hinauf ins Skigebiet Rendl zuckelte. Vielleicht nahm er sich vor, heute im unnachahmlichen Stil seines Bruders zu Tal zu schwingen, als er einen Südwesthang im Bereich Rossfall ein wenig außerhalb einer markierten Piste querte. Und vielleicht sah er das 60 Meter breite Schneebrett noch kommen, ehe es ihn mitriss, mehrmals um die eigene Achse drehte, ihn mal nach unten, mal nach oben zerrte. Seinen Cousin spuckte der weiße Mahlstrom 150 Meter weiter unten aus, er kam mit einem Schock davon.

Michael jedoch wurde komplett verschüttet, ein aus den Schneemassen ragender Skischuh lieferte wenigstens genaue Hinweise über seinen Verbleib. Das 35 Grad steile Gelände und der betonharte, komprimierte Schnee verhinderten jedoch eine sofortige Bergung. „Erstaunlich, wie instinktiv du reagierst. Du schreist nicht, das hätte auch überhaupt keinen Sinn, du verhältst dich ganz ruhig und versuchst nur, oben zu bleiben“, erinnert sich Michael Matt, der unter den Schneemassen noch fünf bis zehn Minuten bei Bewusstsein war. „Irgendwann aber geht der Sauerstoff langsam zur Neige und du schläfst einfach ein.“

„Aufgewacht bin ich erst im Hubschrauber. Gefehlt hat mir ansonsten aber nichts“, erzählt Michael Matt. Wie lange es dauerte, bis ihn die Rettungskräfte ausbuddelten, wie ihn jener Tag veränderte und wo die technischen Parallelen zu Bruder Mario liegen, lesen Sie im neuen Sportmagazin. Hier geht’s zum Sportmagazin-Abo: www.magazin-abo.com