Austrian Heroes: Ivona Dadic‘ großer Wurf

Fünf Jahre nach ihrem Olympia-Debüt als Mehrkampf-Küken kehrte die Welserin nach London zurück, um ganz vorne mitzumischen.

//Text: Fritz Hutter //Foto: Imago

Die Basis für ihren neuen österreichischen Siebenkampf-Rekord von 6417 Punkten legte Dadic gleich am ersten Wettkampftag der Leichtathletik-WM. Nach ihrer emotionalen Rückkehr an den Schauplatz ihres 2012 mit der sensationellen Qualifikation als 18-Jährige („Das Stadion und das Publikum in London sind sensationell, sie hätten sich jedes Jahr ein Großereignis verdient!“) fixierten Olympia-Debüts stieg sie mit persönlicher Bestleistung über 100 m Hürden (13,68 Sekunden) ein, ließ ebenfalls gute 1,80 m im Hochsprung und brauchbare 13,82 m im Kugelstoßen folgen. Die abendlichen 24,11 Sekunden über die 200 m (Anm.: dieselbe Zeit wie bei EM-Bronze 2016) wertet Ivona Dadic, heuer auch schon Zweite der Hallen-Europameisterschaften im Fünfkampf, als Kraftakt: „Ich war im schnellsten Lauf und musste voll anrennen, um nicht abgehängt zu werden. Dadurch bin ich am Ende ein wenig eingegangen.“

Angesichts des Warm-ups für den Weitsprung am nächsten Morgen hatte Trainer Philipp Unfried gar 6,50 m oder noch mehr im Sinn, so kraftvoll segelte Schützling Ivona Dadic über weite Teile der Sandkiste. In der Ergebnisliste bekam die 23-jährige Welserin dann allerdings keine Weite jenseits ihrer bisherigen Bestmarke von 6,49 m, sondern nur 5,98 m gutgeschrieben: „Mehr kann gar nicht in die Hose gehen. Beim Einspringen bin ich bei gutem Rückenwind locker 6,30 m gehupft. Im Wettkampf ist der Wind dann auf einmal von vorne gekommen und ich war derart verunsichert, dass ich viel zu weit vorm Brett weggesprungen bin. Das hat mich gut 150 Punkte gekostet.“

Dass die EM-Dritte von 2016 gleich danach im Speerwurf mit bärenstarken 52,29 m die viertbeste Weite im gesamten Feld servieren konnte, wirkte für die Dadic-Betreuer – Weitsprung und Speer werden mit Wolfgang ­Adler in Linz trainiert, alle anderen Disziplinen mit Hauptcoach Unfried in St. Pölten – dann wie ein per Luftpost zugestellter Beweis der Klasse ihres Schützlings. „Sie haben mir gesagt, dass genau das eine gute Mehrkämpferin ausmacht, wenn man nach einer schlechten Leistung sofort wieder eine sehr gute bringen kann.“ Letztlich brachte der große Wurf eine Verbesserung vom zwischenzeitlichen Platz neun auf Position sechs, die Ivona Dadic mit einem starken 800-m-Rennen zum Schluss ihres Wettkampfes absichern konnte. Gold ging wie schon bei den Olympischen Spielen 2016 an Dadic-Jahrgangskollegin Nafissatou Thiam aus Belgien.

Für Ivona Dadic bedeutet Platz sechs zum einen das letztlich beste WM-Ergebnis einer ÖLV-Athletin seit Stefanie Graf 2001 (Silber über 800 m) und zum anderen einen mächtigen Ansporn für die Vorbereitung auf ein Jahr, das als sportlichen Höhepunkt die Europameisterschaften in Berlin bringen wird: „Das wird extrem spannend! Bei der WM kamen fünf der Top 6 aus Europa.“