Austrian Heroes 2017 : Sebastian Ofner – Der richtige Job

Das erste Mal bei einem Grand Slam, das erste Mal auf Rasen und das ­erste Mal in aller Munde. Ein Steirer schrieb sein Sommermärchen.

//Text: Fritz Hutter //Foto: Imago Sport/Hasenkopf

Nach London reiste der 21-jährige Steirer mit der Falco-Frisur ohne Erwartungen. Und ohne ein einziges Rasenmatch in der Vita. „Am ersten Tag ist sich dann nur eine halbe Stunde Training ausgegangen, am nächsten eineinhalb.­ Dass der Ball auf Gras flach aufspringt, kommt mir aber grundsätzlich entgegen“, so Ofner im Sportmagazin-Interview. Sein Gegner in der ersten Runde der Qualifikation, Belgiens ehemaliger Top-100-Spieler Kimmer Coppejans, war mit einer Wimbledon-Qualiniederlage im Jahr 2015 ähnlich „gut“ gerüstet. Obwohl die ersten beiden Runden noch auf zwei Gewinnsätze ausgetragen werden, war man dann satte 2 Stunden und 36 Minuten zugange. Bis sich der 1,91-m-Mann aus St. Katrein im dritten Durchgang mit 10:8 durchsetzen konnte. Glatter, 6:4 und 6:3, ging’s gegen den Serben Miljan Zekic. Beinhart dann das bereits im Best-of-five-Modus gespielte Qualifinale gegen den jungen, aber auf Gras erfahrenen Briten Jay Clarke: „Die ersten beiden Sätze hat er richtig gut gespielt, aber im dritten habe ich dann viel besser serviert. Ab Mitte des vierten Satzes wusste ich, dass ich gewinnen kann.“ Letztlich zog Sebastian Ofner beim ersten Grand-Slam-Einsatz in den Hauptbewerb ein. Dort machte die damalige Nummer 217 der Weltrangliste zunächst den gut 160 Plätze besser gereihten Sandplatz­spezialisten Thomas Bellucci aus Brasilien glatt in drei Sätzen platt, um danach sein Meisterstück abzuliefern. Es wartete der an Nummer 17 gesetzte US-Boy Jack Sock auf den noch titellosen Rechtshänder.

Das bisherige Spiel des Lebens des von Wolfgang Thiem und Andreas Fasching betreuten Sebastian Ofner bot dann Dramatik pur: „In den ersten beiden Sätzen hat er mich offensichtlich doch stark unterschätzt. In den Sätzen drei und vier bin ich dann ein bisschen weggebrochen und er hat super serviert. Im fünften habe ich dann sehr gut retourniert, viele Aufschläge zurückgespielt und ihm die ‚Chance‘ zum Fehler gegeben. Das war’s.“ Überrascht hat den zumindest äußerlich immer relaxten Ofner danach vor allem die üppige Anzahl der Gratulationsnachrichten am Handy.

Diese blieben auch nicht aus, als Deutschlands Super-Youngster Sascha Zverev den England-Trip des nur ein Jahr älteren Sebastian Ofner dann in Runde drei jäh beendete: „Als Top-10-Mann hat er keine echten Schwächen gezeigt. Und mich haben offen gestanden doch der riesige Platz und die vielen Zuschauer ein wenig irritiert und ich habe viele leichte Fehler begangen. Trotzdem, meine Grand-Slam-Premiere war ein Traum.“

Ein Traum, den Ofner dann noch drei Wochen weiterträumen durfte. Bis ins Semifinale der Generali Open am Sand von Kitzbühel, wo der Portugiese João Sousa mit seinem 7:6, 7:6 für ein überschaubar böses Erwachen sorgte. Die Moral seines ganz persönlichen Sommermärchens, das ihn Ende August bis auf Rang 129 der Welt schweben ließ, zieht Sebastian Ofner pragmatisch: „Ich hab gesehen, dass ich tatsächlich vorne mitspielen kann. So gesehen war meine Berufswahl richtig.“