Austrian Heroes 2017: Der Kraft-Akt

Wenn zwei WM-Goldene und ein ­Weltrekordflug immer noch nicht das höchste der Gefühle sind.

//Text: Fritz Hutter //Foto: GEPA-Pictures.com

Auch bei Stefan Kraft selbst war die Überraschung perfekt, als er sich Ende Februar auf der Normalschanze im finnischen Lahti erstmals zum Weltmeister machen konnte. „Das war wirklich unerwartet! Sowohl das Training wie auch die Quali waren eher mäßig, aber über die Nacht zum Wettkampf dürfte dann die Eingebung gekommen zu sein, weil der Probesprung plötzlich top war“, so der damals noch 23-jährige Pongauer im Sportmagazin-Gespräch. Dass ihn sein überraschend gutes Gefühl nach dem Warm-up nicht getäuscht hatte, zeigten dann die beiden Wertungsdurchgänge. Im ersten mit 99,5 Metern noch drei Meter vor dem deutschen Verfolger Andi Wellinger, im zweiten mit 98 zwar um zwei dahinter, aber am Ende punktemäßig mit 270,8 Zählern 1,1 Punkte voran – nach dem Sieg bei der Vierschanzentournee 2015 ein weiteres Mal, dass sich der Juniorenweltmeister von 2011 einen Jugendtraum erfüllen konnte.

Was danach aber noch alles kam, wirkt fast schon kitschig. Zusätzlich beflügelt durch Silber mit dem rot-weiß-roten Mixed-Team segelte Stefan Kraft fünf Tage nach der ersten Goldenen auf der Großschanze zur zweiten, wieder vor Jungstar Wellinger: „Da war ich deutlich weniger nervös. Je größer die Schanze ist, desto leichter fällt mir alles. Im Probesprung war ich dann voran, im ersten Durchgang auch, aber nur sehr knapp vor Andi. Im zweiten hatte ich es dadurch selber in der Hand und bin cool geblieben. Dass ich einen WM-Sieg wiederholen konnte, bedeutet mir sehr viel. Das haben noch nicht viele geschafft.“

Tatsächlich konnte zu Krafts Lebzeiten nur Adam Malysz im Jahr 2003 Doppelgold schürfen. Aber nicht einmal der Polen-Hero schaffte es, in der derselben Saison noch ­einen Skiflug-Weltrekord nachzulegen. Ganz anders Stefan Kraft. Der übertraf am 18. März 2017 im ersten Durchgang des Skiflug-Weltcups in ­Vikersund die nur wenige Minuten alte Bestweite des Norwegers Robert Johannson (252 m) und gravierte mit einem wuchtigen Kacherl 253,5 m in den Schnee. „Unglaublich! Am Vortag bin ich noch hin zur damaligen Weltrekordmarke­ gegangen und hab mir gedacht, das geht sich nie aus. Großartig war dann, wie sich nach meinem Sprung wirklich alle anderen Springer gefreut haben. Da ich selber davor nie bei einem Weltrekord, der gehalten hat, dabei war, hat mich das sehr überrascht. Ich selber war dann noch den ganzen Abend bis oben mit Adrenalin voll. Dementsprechend ist mir auch das eine kleine Bier eingefahren, mit dem ich mit den Trainern und Serviceleuten angestoßen habe.“

Trotz zweier Weltmeistertitel, eben dem Welt­rekord samt Skiflug-Weltcupsieg, fixierte Stefan Kraft sein persönliches Karrierehighlight bislang mit einem Triumph auf einem weiteren Monsterbakken: Beim traditionellen Finale in Planica konnte er sich erstmals zum Gesamtwelt­cupsieger küren lassen – als nun siebenter Österreicher: „Es ist einfach die größte Challenge, über vier, fünf Monate gesund und technisch fit zu bleiben. Ich hatte immer optimales Material und auch die Trainer haben nie locker gelassen. Als ich vor zwei Jahren als Dritter knapp dran war, habe ich so gehofft, dass ich noch einmal in die ­Situation komme, darum mitzumischen.“

Und Olympia 2018? „Viel geändert haben wir an der Vorbereitung nicht. Hoffen wir also, dass die Spiele in Südkorea stattfinden. Von mir aus könnt jedenfalls schon der erste Schnee kommen!“ Apropos Pyeongchang: Der letzte Sieger auf der olympischen Großschanze ist ein ­gewisser Stefan Kraft …