Austrian Heroes 2017: Andreas Prommegger, ein Oldie als Goldie

Spät, aber doch sind für einen der besten Boarder aller Zeiten WM-Träume wahr geworden. Und das gleich doppelt.

//Text: Fritz Hutter  //Foto: GEPA-Pictures

„Klar war der Gedanke da, wieder ohne Edelmetall dazustehen“, so der nun 37-jährige Polizeisportler Andreas Prommegger über düstere Vorahnungen zur Snowboard-WM vergangenen März in der Sierra Nevada. Und Skepsis war tatsächlich angebracht – nach 15 Jahren Profikarriere mit jeder Menge Weltcupsiegen und Kristallkugeln, aber eben ohne eine einzige Medaille bei Großereignissen. Kein Wunder, dass dem Salzburger aus St. Johann im Pongau vor dem Semifinale des Parallelslaloms buchstäblich die Knie gezittert haben: „Der schwerste Lauf meiner Karriere! Mein Gegner, der Schweizer Galmarini, war in der Quali schneller und durfte den Kurs wählen. Aber es ist mir gelungen, als Erster an diesem Tag auch auf dem langsameren blauen Kurs zu gewinnen. Um acht Hundertstelsekunden. Mein Schrei beim Zieleinlauf soll ein Wahnsinn gewesen sein.“ Im Finale lauerte dann ausgerechnet Kumpel, Zimmerkollege und Vierfachweltmeister Benjamin Karl. Ein – endlich auch bei einer WM – entfesselter Andi Prommegger war trotzdem nicht zu stoppen: „Ich denke, er hatte auf der mehr Druck. Ich hingegen fuhr in dem Bewusstsein, meine erste Medaille fix zu haben. Dann war es ein enger Fight. Wie immer zwischen uns beiden.“ Letztlich hatte Prommegger die Brettspitze um 0,16 Sekunden vorne. Dafür, dass dieser 15. März zum ultimativen Freudentag für den ÖSV geriet, sorgte übrigens auch die damals gerade 19-jährige Daniela Ulbing mit Slalom-Gold bei ihrem allerersten WM-Start.

Aber im Gegensatz zur Kärntnerin, für die tags ­darauf beim Parallelriesenslalom im Viertelfinale Schluss war, erlebte Prommegger in seiner Paradedisziplin ein fast schon entspanntes Déjà-vu. Als Zweiter der Qualifikation eliminierte er im Halbfinale neuerlich Nevin Galmarini, um im Finale auf – erraten – Benny Karl zu treffen. Und wieder siegte der fünf Jahre ältere knapp, diesmal mit 12 Hundertstelsekunden Vorsprung: „Das war Genusssnowboarden pur und am Ende ist auch das Glück endlich zu mir zurückgekommen!“

Kein Glück hingegen brauchte Andi Prommegger für seinen dritten Gesamtweltcupsieg nach 2012 und 2013, zwei Siege und fünf weitere Top-10-Resultate in neun Weltcup­rennen reichten: „Für mich nach wie vor das Schwerste, weil du immer voll da sein musst. Bei Großereignissen hingegen kann es durchaus auch Überraschungssieger geben, die ganz ohne Druck hinkommen und gewinnen. Aber Faktum ist, dass Medaillen in Sachen Aufmerksamkeit – auch bei den Medien und Sponsoren – einfach mehr zählen.“ So gesehen kommt Olympia 2018 für den Dauerbrenner zur rechten Zeit: „Nach der WM wäre der in jeder Hinsicht richtige Zeitpunkt für meinen Rücktritt gewesen, aber die Spiele geben mir die ­Chance, zum ersten Mal wirklich locker zu einem Großereignis zu fahren. Und die möchte ich nicht verpassen.“