Andreas Herzog: Wie viel Power hat Rapid?

Hebt Rapid mit seinem neuen Stadion auch in neue Sphären ab? Pusht ausgerechnet ein Piefke den Rekord-Champ zu Titel Nr. 33? Andreas Herzog, Peter Pacult, Hans Krankl & Co. im grün-weißen Legendentalk über Lust & Frust auf die Ballsaison 2016/17. Ein Auszug.

//Text: Tom Hofer
//Titelbild: (c) Christian Hofer

Neu ist immer besser? Zumindest in diesem Fall eindeutig ja! Nach zwei Jahren Exil im Wiener Prater kehrt Rapid heim nach Hütteldorf. Ins neue Allianz Stadion passen nicht nur mehr Fans (Fassungsvermögen in der Meisterschaft: 28.600) als in die „Ruine“ St. Hanappi, sondern auch mehr VIPs als je zuvor! Denn der traditionellste aller heimischen Traditionsvereine will nicht nur sportlich neu durchstarten, sondern dank der neuen Heimstätte auch „businessfähiger“ werden. Letzteres kann schon jetzt als gelungen bezeichnet werden – Rapid bietet ab sofort sogar wesentlich mehr Platz für Gäste der gehobeneren Kategorie als der ewige Klassenfeind Red Bull Salzburg.

Doch kann der Rekordmeister (zuletzt vor acht Jahren im Titelrausch!) endlich an der sportlichen Dominanz der Bullen rütteln? Hat Mike Büskens in der Coachingzone mehr Punch als Zoki Barisic und der Wikinger Traustason mehr Power als Steirerbua und Neo-Bremen-Legionär Florian Kainz? Zum Start der neuen Bundesligasaison am 23. Juli bat das SPORTMAGAZIN ehemalige grün-weiße Spieler, Trainer und Sportdirektoren zum Inside-Talk: Andreas Herzog, Alfred Hörtnagl, Hans Krankl, Peter Pacult, Helge Payer und Peter Schöttel über ihre Prognosen im Titelkampf, Tops und Flops der Transferpolitik, die Hintergründe des Trainerwechsels und Rapids Funktion als Lok der Liga. Ein Auszug aus der Expertise von Andreas Herzog.

Herzog: „Wäre Rapid in der Europa League …“

„Schön wär’s!“ So richtig glaubt Andreas Herzog noch nicht daran, dass Rapids Titelträume wahr werden. „Es sollte diesmal eigentlich so weit sein, aber man hat wieder ein paar absolute Leistungsträger verloren. Und wie lange es dauert, bis die Neuen einschlagen und ob die Mannschaft dann die Qualität dazu hat, bleibt abzuwarten. Faktum ist aber, jeder erwartet sich, dass Rapid mit dem neuen Stadion im Rücken um den Titel mitspielt.“ Der neue Coach Mike Büskens habe bei Greuther Fürth einen Superjob gemacht, so Herzog: „Er wird neue Ideen haben, ich trau es ihm schon zu, dass er bei Rapid seine Qualitäten als Trainer ausspielen kann.“ Wobei laut Sportmagazin- Informationen der Funke zwischen Trainer und Mannschaft bisher noch nicht übergesprungen ist, ganz im Gegenteil: Im ersten Trainingslager in Bad Zell stieß die deutsche Mentalität auf sehr wenig Gegenliebe bei den Profis. Warum Zoki Barisic das Meisterstück nicht gelang? Herzog, der seine Profikarriere in Hütteldorf vor genau dreißig Jahren startete: „Auch wenn es sich blöd anhört, ich bleib dabei: Wäre Rapid in der Europa League nicht so erfolgreich gewesen, wären sie heuer Meister geworden. Nach den Siegen in Salzburg und im Derby lagen sie im August schon acht Punkte vorne. Das reicht normal, doch dann haben sie durch die Doppelbelastung unnötig viele Punkte hergeschenkt.“

(c) Christian Hofer

Mit Petsos und Kainz dockten im Sommer gleich zwei Rapidler bei Herzogs Ex-Klub Werder Bremen an. Beide werden Rapid abgehen – genauso wie Linksverteidiger Stefan Stangl. „Für mich war Stangl/Kainz das beste Duo auf der linken Außenbahn in Österreich“, schwärmtHerzog, dessen Papa Anton nach wie vor als Scout für Rapid unterwegs ist. Herzog traut Kainz in Bremen den Durchbruch zu: „Er hat letzte Saison sehr viele Spiele absolviert, deshalb haben seine Leistungen am Schluss etwas nachgelassen. In Deutschland muss er seine gute Form konstant bringen. Ich trau’s ihm absolut zu, weil er ein guter Fußballer ist.“ Als Kainz-Ersatz auf der linken Außenbahn holte Rapid um 1,9 Millionen Euro Arnór Traustason, einen von 23 isländischen EURO-Helden -Rekordtransfer in der 117-jährigen Klubgeschichte! Dass der 23-Jährige in Frankreich das Siegtor gegen Österreich a) in der Rapid-Viertelstunde und b) gegen Austria-Goalie Robert Almer erzielte, kam bei den Fans sehr gut an. Was Hoffenheim-Leihgabe Joelinton (19/Gebühr: 600.000 Euro) draufhat, ist unklar, in Europa hat er noch kein Tor gemacht. Max Endrup kam via Austria und FAC zu Rapid, ist ein klassischer Mittelstürmer und zumindest ein Versprechen für die Zukunft.

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