Als tatsächlich letztem Chef­redakteur des Sportmagazins ist mir ob dessen Ende buchstäblich zum Weinen und die Erinnerung macht mich todsicher: Wir hatten den geilsten Job der Welt! Erlauben Sie mir deshalb, Sie zu einem durchaus emotionalen Trip einzuladen. Wer mag, schlendert also mit mir ­zurück an einige jener Magic ­Moments, die für die Gestaltung der schönsten Seiten des Sports so charakteristisch waren.

//Text: Fritz Hutter

Zeitzeugen und den eigenen Wahrnehmungen folgend brauche ich den Hutter-Billy nicht zwingend unter die ganz verträumten Romantiker zu reihen. Unlängst, am ­Allerheiligentag, ist mein Vater als rüstiger Mittsiebziger aber unerwartet tief ins Nostalgische geraten. „Du hast ja ein paar ganz brauchbare Sachen gemacht“, sprach’s und wischte sich dabei gschwind irgendetwas aus dem Augenwinkel, „aber das Beste war das Foto mit dem Rossi und was du dazugeschrieben hast – Valentino Rossi will 1,82 m groß sein, Sportmagazin-Redakteur Fritz Hutter ist es. Das werd ich nie vergessen.“ Und während das Gespräch im Kreise der Familie bald wieder im liebenswerten Durch­einander um den Küchentisch surrte, reiste ich unbemerkt zurück in den Winter 2005. Vom heimatlichen Waldviertel ins norditalienische Vicenza, wo ich den bereits x-fachen Weltmeister Valentino Rossi am Firmensitz des Lederschneiders seines Vertrauens treffen konnte. Bereits geeicht von einigen großkalibrigen Jobterminen war die folgende Pizza mit dem Flitzer tatsächlich etwas Besonderes für mich. Wegen des herrschenden Sauwetters haben vier der fünf geladenen Italojournalisten auf den Trip ins verregnete Veneto gepfiffen. So saßen nur ein smarter Kollege von „La Gazzetta­ dello Sport“ und eben ich Sportmagazineur dem Herrn Rossi­ gegenüber. Der Vorschlag, das Gespräch gemeinsam und auf Englisch zu führen und damit aus zwei geplanten 30-Minuten-Sessions eine ganze Stunde zu machen, kam vom ultimativen Zeitoptimierer persönlich. Geworden sind es dann 90 Minuten. Und Valentino Rossi plauderte nicht nur über sein Ledergwandl und die Racerei, sondern auch über sein damaliges Leben im nebligen London, seine Freundschaft zu italienischen Köchen auf der ganzen Welt und sogar über sein zu jener Zeit rasantes Verhältnis zu Frauen. Herausgekommen sind fürs Sportmagazin letztlich ein fescher Fünfseiter und eine Connection, die uns noch Monate später beim Finale der MotoGP-Saison die Chance auf ein paar Extrafragen nach der ­offiziellen Pressekonferenz zum Rennen bescherte.

Ein Ablauf, archetypisch für ein Medium, das 1987 in der damaligen Wirtschafts-Trend Zeitschriften-Verlags­gesellschaft m.b.H. gegründet, aber bereits wenig später vom journalistisch-verlegerischen Allroundtalent Herbert Pinzolits übernommen und mit der US-Bibel „Sports Illus­trated“ als Vorbild zum Hochglanzformat gestylt wurde. Schon in den ersten zwanzig Jahren unserer Existenz wie auch in der Zeit nach der Übernahme durch die Styria Media Group AG vor zehn Jahren genossen Sportmagazin-Chef­redakteure in Sachen Heftplanung das Privileg der Nachhaltigkeit. Dass die Realisierung von umfangreichen, journalistisch haltbaren und stilistisch hochwertigen Magazinstories ihre Zeit braucht, kapierten die Manager, Agenturen, Presse­sprecher und Sponsoren der ganz Großen im Sport schnell. Ebenso, dass sich das Sportmagazin im österreichischen, ja im gesamten deutschsprachigen Raum eine gewisse Alleinstellung erarbeiten konnte. Deshalb und wegen Trademarks wie der analytischen und erzählerischen Gabe des jeweiligen Redaktionsteams, den kreativen Augen unseres Picturedesks, dem Stilempfinden der Grafik und der aus all dem resultierenden Aufmachung waren wir eine gern angesprochene Interviewadressatin auch für kapitale Sportidole.

Die Folge? Die Sportmagazin-Charakterköpfe konnten ein wirklich üppiges Portfolio an dicken Fischen an Land ziehen. Und wir hatten sie fast alle. Den runden Ronaldo genau wie den eckigen, David Beckham, Luis Figo, Kevin Keegan, Pelé, Karl-Heinz Rummenigge oder auch Uli Hoeneß. Carl Lewis, Usain Bolt, Merlene Ottey, Ed Moses, Daley Thompson oder Jessica Ennis. Mark Spitz, Alex Popow, Ian Thorpe und Michael Phelps. Michael Schumacher und Sebastian Vettel. Billie Jean King, Martina Hingis, Anna Kurnikowa, Stan Smith, Björn Borg, John McEnroe, Boris Becker, Andre Agassi, Rafa Nadal und Roger Federer. Nadia Comaneci, Katharina Witt und Franziska van Almsick. Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin. Ingemar Stenmark, Alberto Tomba, Bode Miller, Didier Cuche, Aksel Svindal und Henrik Kristoffersen. Sven Hannawald, Martin Schmitt, Masahiko Harada und Noriaki Kasai. George Foreman und Wladimir Klitschko. Gary Player, Bernhard Langer und Martin Kaymer. Robby Naish, Shaun White, Tony Hawk und Travis Pastrana. Jaromir Jagr und Dirk Nowitzki. Walter Röhrl und Sebastien Loeb. Sie und noch viele, viele mehr haben dem Sportmagazin – üppiger oder knapper, aber höchstpersönlich – Stoff für Interviews und Stories geliefert und uns damit die Chance gegeben, Ihnen die internationale Trag­weite der Querschnittsmaterie Sport hautnah ins Haus zu liefern.

Logisch, dass sich dabei für die ­Redakteure selbst einzigartige Erinnerungen angesammelt haben. Auch meine letztlich 23 Jahre beim Blatt waren in dieser Hinsicht ergiebig. So nehme ich noch immer gern ­jenes Aufnahmegerät zur Hand, das mir der US-Wunderläufer Michael Johnson bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney organisiert hatte. Vom Meister persönlich zum Interview in den „Athletes only“-Bereich seines Elektroniksponsors bestellt, aber vom Aussie-Security flink wieder rausgeworfen, stand ich ratlos draußen auf der Olympic Avenue. Nur Minuten später tauchte der lange Zeit allerschnellste Mann der Welt über 200 und 400 m mit ­seinem legendären Stockerlhintern, einem dicken Sorry, zwei Kaffeebecherln und einem nagelneuen Diktafon neben mir auf und wir führten unser Gespräch einfach draußen unter der australischen Sonne.

Physisch naturgemäß nicht mehr verfügbar, aber ebenfalls höchst präsent sind mir die beiden Caipirinhas, die ich im Rahmen der Laureus World Sports Awards in Abu Dhabi an der Theke des Yas Marina Yacht Club mit Box-Champion Marvin „Marvelous“ Hagler, Oscar-Preisträger Morgan Freeman und Popbarde Ronan Keating schlürfen konnte. Am Abend danach ging Mr. Keating auf die Bühne des durchgeknallt luxuriösen Emirates Palace Hotels und sang für die größten Sportstars am Planeten und auch ein kleines bisserl für mich seinen Superhit „When You Say Nothing At All“. Ein Liedchen, das ich grad dieser Tage nicht hören kann, ohne feuchte Augen zu bekommen.

Lächeln muss ich hingegen beim Gedanken an die Umsetzung einer meiner fixen Storyideen. Ende der 1990er wollte ich der erste Austrojournalist mit einer möglichst tief- oder eigentlich weitgehenden Geschichte über Japans be­eindruckend starkes Skispringer-Geschwader sein. Mit­hilfe eines zufällig via Telefax an den Skiclub Sapporo aufgestöberten Grazer Reisebegleiters als Dolmetsch entlockten wir Harada, Funaki, Kasai & Co. beim Weltcup in Villach dann völlig neue Einblicke, etwa dass Japans Springer selbst in Österreich keinen Bissen Euro-Essen runterbekamen, sich daher vom jüngsten, in der Hierarchie am tiefsten stehenden Teammitglied am Hotelzimmer mit den gewohnten Reis­gerichten bekochen ließen und damit so manchen Feueralarm zu verantworten hatten. Oder dass die Stars der ­Truppe niemals selbst ihre Sprunglatten aufs oder vom Auto luden, sondern dass dies ebenfalls Job der Rookies war. Und fotografieren ließen sich die scheuen Athleten aus dem Land der aufgehenden Sonne nur dank der charmanten Überzeugungs­kraft unserer einstigen Fotochefin Marion, die beim Japan-Shooting ihrem späteren Ehemann, dem Starfotografen Kurt Pinter, assistierte. Speziell Herr Funaki hätte ihr wohl sogar aus der Hand gefressen – und zwar wurscht was.

Unvergessen bleiben mir als Tennisfreak natürlich die zahlreichen Episoden mit den Heroes des „weißen Sports“. Ein Doppel mit Yannick Noah gegen Boris Becker und Ilie Nastase, zu dem ich bei einer Racketpräsentation auf Mallorca als tatsächlich Einziger auch wirklich Tennis spielender Tennisschreiber aus der damals angereisten Kollegenschar einlaufen durfte. Das erste Zweierinterview eines deutschsprachigen Mediums mit dem „First Couple“ Steffi Graf und Andre Agassi war ebenfalls höchst unterhaltsam. Er erinnerte sich Punkt für Punkt an sein einziges Antreten in der Wiener Stadthalle Jahre zuvor, sie sich tatsächlich an die zufällige Begegnung mit meinen Waldviertler Mannschaftskollegen und mir am Tennisplatz in Gars am Kamp während Steffis Knie-Reha beim seligen Willi Dungl. Extrem lässig natürlich auch jene Trainerstunde, die mir Alex Corretja,­ ehemals Nummer 2 der Welt, auf Vermittlung eines TV-Senders und auf dem Court des spektakulären Vanderbilt Tennis Clubs einen Stock über dem Grand Central Terminal von Manhattan verpasste. Und unvergessen zwei Interviewtermine, die mir von den Turnierdirektoren der ATP-Events von Wien bzw. Stuttgart aufgelegt wurden. Wieder auf ­Mallorca konnte ich Rafael Nadal daheim im Tennisclubhaus von Manacor befragen – im Beisein von gefühlt zehn seiner allesamt um „ihren kleinen Rafa“ maximal besorgten Tanten. Und in London konfrontierte ich Roger Federer u. a. mit seinen Aussagen aus einem drei Jahre zuvor mit ihm geführten Interview. Sein Sinneswandel zum Beispiel in Sachen Hawk-Eye amüsierte uns beide, seine souveräne Empathie beeindruckte vor allem mich.

Eine andere Tennisanekdote bringt mich zu einem weiteren Privileg, das Sportmagazin-Redakteure über mehr als drei Jahrzehnte genießen durften: die Möglichkeit nämlich, österreichische Sportstars von ihren Anfängen über ihre größten Triumphe und manchmal sogar bis über ihren Rücktritt hinaus me­dial begleiten zu dürfen. Im Sommer 2010 rief mich Günter Bresnik an und lud mich ein, mir Österreichs damals vielversprechendste Nachwuchshoffnung doch bei ­einem Future-Turnier in St. Pölten live zu geben. Gemeinsam mit dem Trainerfuchs hing ich dann am Zaun und sah zu, wie ein 16-jähriges Milchgesicht bei seinem dritten Spiel auf der Erwachsenentour als Nummer 944 der Welt einen um zwei Jahre älteren und 400 Plätze besser gereihten Franzosen niederrang. Was ich dazumal bei Dominic Thiem gesehen habe, hat mir gereicht – gereicht, um zu ahnen, was da kommt. Und um immer wieder Storyideen zu entwickeln und diese dann mit dem heutigen Top-10-Dauergast umzusetzen.

Marcel Hirscher ließ uns ebenfalls erste Reihe fußfrei zusehen, wie er vom juvenilen Kippstangenhasardeur zum unumschränkten Herrscher über die Kristallwelten des Skisports reifte. Nach einer ersten Fotostory zur Vielfalt seiner sportlichen Offpist-Aktivitäten – hat ihm nicht besonders gefallen – folgten zahlreiche Background-, Technik- und Personality-Geschichten über das Skiphänomen. Und spektakuläre Fotoshootings, die nicht nur Hirschers Professionalität, sondern auch seinem Geschmack ent­sprachen. Die wirklich coole Zusammenarbeit mit dem Weltstarfotografen Andreas H. Bitesnich in dessen burgenländischem Landhaus zum Beispiel. Eine Zehnstunden­session, die nicht nur bis dahin ungesehene Body-Shots von Hirscher ins Sportmagazin brachte, sondern den Salzburger sogar zum Teil einer weltweit beachteten Bitesnich-Ausstellung im Wiener Kunsthaus machte. Aufsehenerregend dann auch jener Tag im Linzer Stahlwerk, wo für uns gar der Strom des flüssigen Metalls so umgeleitet wurde, dass Hirscher und die Fotokünstler Chris Singer und Johannes Kernmayer darin herumpantschen konnten. Die brennenden Skier vor der rot glühenden Schlackengrube machten sowieso in jeder Hinsicht etwas her. Gebrannt hat aber vor allem der fotointeressierte Hauptdarsteller selbst für diesen Job. Seine Konzentration und Ausdauer beim 13-stündigen Einsatz im Dienste eines wirklich einzigartigen Projekts ließen erahnen, warum Marcel Hirscher einige Dinge so viel besser gelingen als der Konkurrenz.

Video: Marcel Hirscher – Mann aus Stahl

Ähnlich beeindruckt hinterließen uns beispiels­weise unsere Projekte mit Superadler Gregor Schlierenzauer,­ den wir von Fotograf Robert Brandstätter noch als Teenager in einen (absturzfreien) Ikarus verzaubern ließen. Oder Helge Kirchbergers Teamwork mit Anna Veith, die für uns einmal den gerade frisch erblondeten Fitnesscoach und ein Jahr später die winterliche Stilikone ganz in Weiß gab. Als Hingucker für unsere Leserschaft und als durchaus funktio­neller „Türlöffner“ beim Eigenmarketing entpuppten sich zudem die eine Zeit lang einigermaßen körperbetonten Shootings. Realisiert unter anderem mit so prägnanten ­Erscheinungen wie den Snowboarderinnen Julia Dujmovits und Anna Gasser, Schwimmstar Markus Rogan, Karate-Weltmeisterin Lisa Buchinger, Downhill-Lady Conny Hütter, deren Riesenslalom-Kollegin Eva-Maria Brem und noch vielen mehr. Ein Akt echter Eleganz war meiner Meinung nach außerdem die Fotostrecke mit Österreichs Top-Tanzpaar Kathrin Menzinger und Vadim Garbuzov. Vor der ­Kamera von Harald Eisenberger traten diese mit vollem Körpereinsatz den Beweis an, dass hinter der Leichtigkeit auf dem Parkett auch eine erstaunlich hohe Dosis physisches Training steckt.

Richtig emotional wiederum wurde es im Studio von Kurt Pinter. Im Heim-EM-Jahr 2008, zum 30. Cordoba-Jubiläum, stellten wir dort nämlich das Mannschaftsfoto mit den Deutschland-Bezwingern bei der WM 1978 nach. Nur der Platz des 1994 verstorbenen Weltklasseverteidigers Bruno Pezzey blieb darauf leer. Ein Umstand, der selbst die Schmähkanonen unter den 78er-Legenden für einige Minu­ten innehalten ließ und uns einen weiteren Schuss für die Ewigkeit ermöglichte.

Video: Anna Veith – Unsere Sportlerin des Jahres 2014

Wobei wir wieder bei der Zeit angelangt sind. Eben auch jener Zeit, sich Menschen genau wie dem Sport selbst und seinen Strömungen und Entwicklungen intensiver widmen zu können als andere. Nicht zufällig gilt das Sport­magazin bis heute als Vorreiter in Sachen Sportartikeltests. Speziell vor dem wirklich flächendeckenden Internet­anschluss um die letzte Jahrtausendwende lieferten wir eine der raren Möglichkeiten, maximal objektive Informationen zu den jeweils neuesten Skiern, Skischuhen, Snowboards, Tennisrackets, Mountainbikes, Laufschuhen und vielem mehr einzuholen. Aus der Entwicklung von Testsystematiken, der Rekrutierung von echten Fachleuten und der Aufbereitung von Ergebnissen erwuchs uns eine gewisse Expertise. Und der Riecher für die Trends. Dass sich die österreichweit ersten Geschichten über Beachvolleyball, Inlineskating, Mountainbiking, Snow- und Wakeboarding, aber auch über Triathlon oder Marathon häufig im Sportmagazin fanden, scheint mir aus heutiger Sicht kein Zufall gewesen zu sein. Die teils noch sehr jungen Protagonisten und die wachsende Industrie hinter ihnen fühlten sich bei uns nicht für verrückt erklärt, sondern verstanden. Der Redaktion brachte dieses Vertrauen frisches Wissen und der Verkaufsabteilung eröffneten sich zweifelsfrei neue Erlösquellen – wichtig für ein aufwendig gestaltetes Produkt, das für seine Realisierung jahrzehntelang doch deutlich mehr Mittel benötigte, als der immer wieder an- und abschwellende Verdienst aus dem Einzelverkauf einspielen konnte.

Trotzdem: Guten Gewissens behaupte ich, dass beim Sportmagazin schon vor und auch während meiner Zeit, die übrigens im Herbst 1995 eben mit einigen noch eher kompakt gehaltenen Produktstories begann, immer der Leser und die Leserin im Zentrum des Wirkens gestanden sind. Speziell die berührend treue Abonnentenschar suchte und hielt bis zuletzt den direkten Kontakt zur Redaktion. Man lobte uns, zögerte aber auch nicht, uns zurechtzuweisen. Zum Beispiel, wenn saublöde Fehler passierten wie der meinige unlängst in einer Bildunterschrift zu Dakar-Sieger Matthias Walkner. Wie es mir gelungen ist, Walkners sportliche Biografie dort auf wenigen Zeilen komplett durch­einanderzuschmeißen, bleibt mir unerklärlich. Aufgefallen ist mein Lapsus natürlich nicht nur dem „Opfer“ selbst, sondern dazu zahlreichen Lesern. Geknickt empfing ich die allesamt sehr höflich verfassten E-Mail-Returns. Aber bei allem Ärger über mein Versagen rührten mich bei der Lektüre der eingegangenen Elektropost zwei Dinge wohltuend an, nein, eigentlich haben sie mich sehr gefreut. Zum einen die teils tief empfundene Enttäuschung, dass so was „grad dem Sportmagazin passieren konnte“, und zum anderen Aussagen wie „ihr hättet nur eure eigenen Walkner-Stories lesen müssen, um derartige Fehler nicht zu machen“. Niemand macht sich die Mühe, Derartiges zu schreiben, wenn ihm das zuvor Gelesene egal und Weiterführendes unbekannt ist. Und selbst wenn mich mir unterlaufene Hund’ ungebrochen anzipfen, beweisen mir auch Reaktionen wie diese, dass wir unsere Leut wirklich persönlich erreichen konnten. An guten wie an schlechten Tagen.

Apropos: Wie eng bei Sportmagazin-Mitarbeitern der Job und der überschaubare Rest des Lebens häufig ­beieinanderliegen können, beweist meine eigene Biografie. Früh in den 2000er-Jahren durfte ich eine groß angelegte Story über Österreichs aussichtsreiches Schwimmteam für die EM 2002 in Berlin gestalten. Mein Titel dafür: „Die chlorreichen Sieben“. Neben aufstrebenden Jungstars wie Mirna Jukic, Markus Rogan oder Maxim Podoprigora spielte darin auch die langjährige Allzeitgröße Judith Draxler eine Hauptrolle. Beim flankierenden Fotoshooting in den Donauauen unweit von Hainburg traf ich die steirische Weltklasse-Schwimmerin und studierte Psychologin erstmals persönlich. Das Resultat: Wenige Jahre später hielt ich um ihre Hand an. Erfolgreich – und heute schickt sich unsere zwölfjährige Tochter an, in unsere Fußstapfen zu treten. Als vielseitige Sportenthusiastin und leidenschaftliche Geschichtenerzählerin. Und wenn mein eingangs zitierter Vater noch einmal genauer sinniert, so ist es möglicherweise doch diese ganz spezielle Story, die ihm noch besser gefällt als mein Treffen mit einem Motorradgott …

Mir selbst bleibt an dieser Stelle nur mehr, mich bei meinen Vorgängern, Förderern, Kollegen, Partnern und bei euch Sportverrückten da draußen dafür zu bedanken, dass ich meine bislang besten Jahre allesamt an Bord eines der spannendsten Projekte der heimischen Medienszene verbringen durfte.

R. I. P., Sportmagazin! Viele haben Dir etwas zu verdanken. Ich fast alles.

Video: Sportmagazin-Bikininummer in Rio de Janeiro