Advantage Aschenbrödel

Simona Halep startete als Nummer 1 der Welt ins Tennisjahr, hat aber noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Auch nicht die Australian Open 2018. Trotzdem scheint die ­kleine Rumänin nun bereit, den letzten Schritt in den Kreis der absoluten Superstars zu tun. Auch wegen eines zwischenzeitlich ­verlorenen Prinzen.  

//text: Fritz Hutter // foto: Imago //

Da sind natürlich der transsilvanische Graf Dracula und sein realer Erbe, der Polit-Vampir Nicolae Ceausescu. Vielen sagt auch Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel etwas. Und natürlich wissen einige, dass Altrocker Peter Maffay ebenfalls in Rumänien geboren wurde. Aber ansonsten dämmern am ehesten die Sportikonen des südosteuropäischen 20-Millionen-Einwohner-Staates hoch. Ausnahmeturnerin Nadia Comaneci. Gheorghe Hagi, der als „Karpaten-Maradona“ bei Real Madrid und Barça kickte. Und die Tennislegenden Ion Tiriac, der es vor allem als Spieler- und Turniermana­ger sowie als Geschäftsmann zu Bekanntheit und Reichtum brachte, sowie Ilie Nastase, in den 1970er-Jahren einst exzentrische Nummer 1 und bis heute immer für grenzüberschreitend unverständliche Aufreger gut. Etwa, als er sich im Vorjahr rassistisch über Serena Williams geäußert hatte.

Echte Tennisfreaks erinnern sich dazu gern an Virginia Ruzici, die 1978 mit ihrem Paris-Sieg für den ersten und bisher letzten Einzel-Triumph bei einem Major für eine ­Rumänin in der Tennismoderne sorgte. Heute wirkt Ruzici als Sportmanagerin und im Zentrum ihres Interesses steht seit fast einem Jahrzehnt, ihre Ausnahmestellung in der blau-gelb-roten Sporthistorie loszuwerden. Erreichen will sie ­dieses Ziel mit ihrer prominentesten Klientin, der nun 26-jährigen­ Simona Halep, Tennisstar und 2017 mit kolportierten 25 Millionen Euro Jahreseinnahmen aus Preisgeldern und Werbegagen als reichste Rumänin geführt.

Die Chancen dafür stehen eigentlich hervorragend. Erst unlängst, an einem brennheißen Jänner-Samstag im australischen Melbourne, war wieder einmal angerichtet. Halep, zu diesem Zeitpunkt bereits vier Monate die Nummer 1 der Weltrangliste, reiste mit einem Sieg bei ihrem ersten Turniereinsatz in der neuen Saison im chinesischen Shenzhen zu den Australien Open 2018. Und dort ging die Serie weiter. Mit sechs mal souveränen und mal dramatischen – in Runde drei gegen die US-Außenseiterin Laura Davis wie im Semifinale gegen die Deutsche Angelique Kerber hatte sie Machtbälle zu bändigen – Siegen spielte sie sich in ihr drittes Grand-Slam-Endspiel. Nach den Finalniederlagen 2014 (Scharapowa) und 2017 (Ostapenko) in Roland Garros wollte Halep dort ihr Meisterstück liefern. Mit einem Erfolg über Caroline Wozniacki könnte endlich eines der vier wichtigsten Tennisturniere am Planeten gewonnen und gleichzeitig der Ansturm der Dänin auf die Nummer-1-Position abgewehrt werden.

Beides misslang. Nach beinahe dreistündigem Final-Fight war es die Marathon-erprobte Wozniacki, die sich ­Pokal, Siegerscheck und erstmals seit Jänner 2012 eben auch wieder die Weltranglistenführung schnappte. Dazu ließ die Siegerin ihre Kontrahentin Halep im nun nur mehr drei Mitglieder zählenden Klub jener Nummer-1-Spielerinnen zurück, die (noch) keinen Grand-Slam-Titel erringen konnten. Mit in der Warteschlange stehen noch die Serbin Jelena Jankovic und die Tschechin Karolina Pliskova.

„Ein Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier ist für mich viel größer als die Nummer 1“: Die ungewöhnliche Story über Simona Halep lesen Sie im neuen Sportmagazin. Hier geht’s zum Sportmagazin-Abo: www.magazin-abo.com